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Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Goldmarie » 11. Oktober 2018, 17:20

Puh, so viel zu lesen … Habe mir's für später abgespeichert. Aber der erste Eindruck ist positiv. Ich habe beim Durchblättern und gelegentlichen Querlesen nichts gefunden, was mir gegen den Strich gegangen wäre.

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Charon » 13. Oktober 2018, 01:51

Da scheinen in der Tat einige Punkte realisiert worden zu sein, die auch in unserem Sinne sind, etwa die Individualisierung der Transition statt des starren "Kochrezepts ", welches von irgendeiner TS-Gruppe sogar mal als Flussdiagramm gestrafft auf einer einzigen Seite unters Volk gestreut wurde.

Aber man muss erst mal auch abwarten, was sich an der juristischen Front Neues tut. Das Juristische und das Medizinische laufen zwar getrennt voneinander, aber trotzdem wird die Gesetzeslage zwangsweise einen Einfluss auf Leitlinien zur Behandlung von TS haben. Man stelle sich nur mal vor, der OP-Zwang für die Änderung des Personenstands innerhalb des binären Systems würde wieder eingeführt werden. Dann wäre es eventuell wieder da, das Kochrezept. Und die Sache mit dem dritten Geschlecht bei TS ist ja auch noch in der Schwebe. Diese Leitlinien könnten also recht bald wieder korrekturbedürftig werden.

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Goldmarie » 13. Oktober 2018, 02:26

Dass der OP-Zwang wieder eingeführt wird, ist höchst unwahrscheinlich, er wurde ja vom BFG als verfassungswidrig erkannt.

Aber was anderes ist mir aufgefallen, und zwar auf Seite 87 unten: "Sie fühlen sich eher zu femininen Männern hingezogen, zeigen häufiger fetischistische Tendenzen und bevorzugen jüngere Partner_innen sowie Sexualität außerhalb fester Beziehungen." Hä? Was ist das denn für ein Quatsch? Das erinnert mich an vorsintflutliche Vorurteile.

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 13. Oktober 2018, 12:03

Das könnte auf homosexuellen Fetischismus hindeuten! Das hat mit Transsexualität dann nichts mehr zu tun, und das obwohl es augensscheinlich so aussieht. In so einem Falle wäre es dem Transvestitismus zuzuordnen. Daher bedarf es gründlicher Prüfung ob dererlei nicht vorliegen könnte.
Augenscheinlichkeit ist die grösste Falle in der Psychologie! Und in diese Falle tappen selbst die Betroffenen nur all zu leicht.
Die Folge: Falsche Behandlung, und was das im Falle von Transsexualität dann bedeuten würde, das wissen wir ja alle. :shock: :o

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Charon » 14. Oktober 2018, 02:50

Das kreide ich den radikalen Gruppen wie ATME auch immer wieder an, dass sie die Notwendigkeit der Diagnostik negieren. Da kräht man lauthals was von Menschenrechten, obwohl es einem wuppe zu sein scheint, wenn z.B. ein psychisch Kranker mangels ordentlicher Diagnostik im TS-Bereich sich irreversiblen Behandlungen unterziehen kann. Die Menschenrechte gelten auch für psychisch Kranke, und eine irrtümlicherweise erfolgte OP kann nicht in diesem Sinne sein !

Klar, es stimmt natürlich, dass der OP-Zwang für verfassungswidrig erklärt wurde. Aber keine Verfassung dieser Welt wurde vom lieben Gott höchstpersönlich geschaffen, von daher kann jedes Papier geändert werden. Gerade darauf weisen wir auch immer wieder hin, nichts ist in Stein gemeißelt ! Und wenn die Verfassung in der jetzigen Form nicht mehr existiert, dann ist die Verfassungswidrigkeit des OP-Zwangs hinfällig.

LG,

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 17. Oktober 2018, 13:41

Tatsache dass es so einfach nicht weitergehen kann mit der Förderung unrealistischer Lebenskonzepte. Man wird es sich also in den nächsten 10 Jahren irgendwann einfach nicht mehr leisten können, weder finanziell noch gesellschaftlich. Darauf scheinen die neuen Behandlungsrichtlinien bereits hinzudeuten denn dass man wesentlich mehr Wert auf die Landschaft der jeweiligen Transperson achtet, die Lösungen also individueller werden, und nur noch entsprechend gearteten Fälle auf die Szene verweisen. Es wird in Zukunft wohl ein wenig gesiebt werden. Bis jetzt war es doch so das man darauf gar nicht geachtet hat, sondern Leute die während der Transition gesellschaftliche Schwierigkeiten bekamen ohne Hinterfragung sofort auf die Szene als Schutzraum verwiesen hat. Das wird wohl anders werden denke ich denn dieser Schutzraum sollte einzig Leuten vorbehalten sein die nicht, oder nach der Transition nicht mehr, integrierbar sind.

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 2. November 2018, 12:42

http://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/nicht-alle-probleme-sind-mit-geschlechtsangleichung-geloest-15378655.html?fbclid=IwAR3_N4oEZOm5D2ns-sOHfWln8FmX6-zUmklY8l79NsJ6kuQRT_6c9z549SI
Das sind ja völlig neue Töne die hier angeschlagen werden, Töne die wir schon seit Jahren predigen. Und das dürfte der Szene gar nicht schmecken.
Ob das die ersten Auswirkungen der neuen Behandlingsleitlinien sind die in der normalen Tagespresse wohl auch schon angekommen sein dürften?
Bleibt zu hoffen dass die Szeneleute das auch endlich begreifen dass es post-Op erst richtig losgeht mit der eigentlichen Transition.

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Goldmarie » 2. November 2018, 15:35

Nun, so würde ich es nicht ausdrücken, denn das hieße ja, dass man die "eigentliche Transition" irgendwann auch einmal erfolgreich beenden kann. Es gibt aber leider Dinge - so wie in diesem (übrigens sehr guten) Artikel beschrieben -, die niemals erfolgreich beendet werden können, sondern mit denen man sich irgendwie arrangieren muss.

Natürlich ist es auch ein Zeichen von Blauäugigkeit, wenn jemand nach erfolgreicher OP dann "plötzlich" feststellt, dass er Probleme bei der Partnerwahl hat. Ober okay, das ist ein bekanntes Phänomen. Wer denkt schon in seiner aktuellen Not konsequent über das "Danach" nach?

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 3. November 2018, 01:57

Das die Transition jemals beendet werden kann ist nicht gesagt worden meine ich, und das dürfte auch jedem klar sein, mir selbst und den Psychologen wohl erst recht.
Die Problematik der Partnerwahl ist auch nur ein Aspekt im Lebensalltag. Es gibt noch viel mehr Dinge mit Konfliktpotential.
Und blauäugig gehen viele die Transition an, aber wie oft verwirklichen sich denn die Vorstellungen die Viele vor der OP hatten? Das Leben post-OP hat auch Haken und Kanten, nur Andere die einem vorher so nicht bekannt, und schon mal gar nicht klar waren. Damit muss man erst mal lernen umzugehen bevor man sie bewältigen kann, d.h. soweit man überhaupt in der Lage ist sie zu erkennen was auch nicht leicht ist. Vergessen wir nicht dass die Wahrnehmung durch die HRT völlig verschoben worden ist. Hinzu kommt noch dass viele ihr Leben an die Wand gefahren haben, das muss sich auch erst Regulieren, d.h. falls das noch möglich ist, denn Viele schleudern sich während der Transition auf Null. Ein weiterer Aspekt ist dass Viele sich auch während der Transitionsphase Verhaltensauffälligkeiten eingefangen haben die sie nicht mehr los werden so dass sich da nix mehr regulieren kann. Guck sie Dir doch an die vielen Berufstransen, das sind doch alles verkrachte Existenzen die es nicht wirklich geschafft haben.
Was bleibt denn oft genug von der Vorstellung vom schönen neuen Leben in anderen Geschlecht?
Leichter ist es post- OP keinesfalls, man wird extrem an sich arbeiten müssen. Und wenn man das nicht tut dann wird's bitter und es ist auch nicht besser als vorher. Nur anders und noch schwieriger.
Das ist es was ich gemeint habe.

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