Finnland öffnet die Ehe

Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Elviera » 9. Dezember 2014, 00:24

Finnland öffnet die Ehe, Deutschland schaut weiter zu
Gleichstellung ist eine zentrale Antwort auf Homophobie

Das finnische Parlament hat heute die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare ermöglicht. Dazu erklärt Axel Hochrein, Sprecher des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD):

Der Lesben- und Schwulenverband (LSVD) gratuliert Finnland zu seinem Votum für gleiche Rechte, Vielfalt und Respekt. Während in Deutschland die Union mit Bauchgefühlen Diskriminierung legitimiert und es der SPD an Durchsetzungsvermögen fehlt, hat Finnland sich dazu entschieden, Lesben und Schwule nicht weiter als Bürgerinnen und Bürger zweiter Klasse zu behandeln.


Wir wollen keine Sonderrechte, sondern Gleichstellung. Das ist eine zentrale Antwort auf Homophobie.

Bundesratsbeschluss zur Öffnung der Ehe
http://www.lsvd-blog.de/?p=5022
Hintergründe
http://www.lsvd.de/politik/oeffnung-der-ehe.html

Entwurf eines Gesetzes zur Einführung des Rechts auf Eheschließung für Personen gleichen Geschlechts.
http://dipbt.bundestag.de/dip21/brd/2013/0196-13.pdf


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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Charon » 9. Dezember 2014, 01:54

Tja, hätte man das gleich von Anfang an ganz schnörkellos und ohne großes Tamtam zusammen mit der Streichung des § 175 eingeführt, dann hätte es den ganzen Bohei um Homo-Rechte und das ganze mittlerweile Jahrzehnte währende politische Hickhack nie gegeben.

Auch wäre es wohl nie zu einer Entstehung dieser ganzen unguten Subkulturen bzw. der Schwulen- und Lesben-Szene gekommen, denn solche Subkulturen entstehen ja nur, wenn man die dazugehörige Personengruppe vom normalen Leben ausschließt. Und ohne Szene würde es auch die ganzen seltsamen szenetypischen Verhaltensauffälligkeiten nicht geben. Gleichgeschlechtliche Ehen samt adoptierten Kindern wären somit mittlerweile wohl gesellschaftliche Normalität und es gäbe kaum schrille Paradiesvögel und Kampfpolitisierer unter den Homosexuellen.

Kein in Sozialverbänden lebendes Tier ist so dumm und vertreibt homosexuelle Individuen aus der Herde, grenzt sie irgendwie aus oder tötet sie gar, sondern diese Herdenmitglieder sind alle in die Herde integriert. Nur der Mensch leistet sich diese Dummheit und stellt sie auch noch als kulturelle Errungenschaft dar, die den Menschen über das Tier stellt. :x

Aber was erwartet sich man denn Anderes, als dass die Union sich dagegen sträubt ? Man bedenke: Die Linke ist die Nachfolgerin der SED, was ihr auch vorgehalten wird. Aber die XXXX sind genauso die Nachfolger der Braunen, man sehe sich nur mal die Führungsriege im Nachkriegsdeutschland so an ! Wen wunderts da, dass man hier noch Reste faschistoider Apartheids-Politik - mittlerweile aufgrund der Peinlichkeits-Amnesie zu oben erwähntem "Bauchgefühl" mutiert - findet, die immer und immer wieder zu Ausgrenzung mittels (sogar noch unter Zögern verliehenen) Sonder-Rechten führt ? Sonder-Rechte braucht man nur für Sonder-Personen, aber nicht für Gleichwertige. Apartheidsdenke eben. ;)

lg,

Charon

Edit:
Wir wissen alle ja wer mit den Nachfolgern der Braunen gemeint ist- nöch? :mrgreen:
Nur das ist schon so irre lange her und man ist wahrscheinlich längst jener wundersamen "Peinlichkeitsamnäsie" zum Opfer gefalllen die sich in diesem unserem Lande breitgemacht hat, und man sich daher durchaus wieder erlauben könnte wegen so was Ärger zu machen.
Wollen wir also lieber ein wenig vorsichtig sein, denn es ist hier immerhin der offene Bereich.
Das die Linken die Nachfolger der SED sind. das hat Wolf Biermann vor kurzem noch im Biundestag selber offen gesagt und niemand der versammelten Abgeordneten fand was dabei. Das kann man uns daher auch nicht ans Knie nageln. :lol: :mrgreen: 8-)

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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Goldmarie » 10. Dezember 2014, 22:54

Elviera hat geschrieben:Wir wissen alle ja wer mit den Nachfolgern der Braunen gemeint ist- nöch?

Klar, wissen wir. Allerdings sind seither zwei Generationen vergangen, da sollte man eigentlich nicht mehr viel vom Ursprünglichen finden.

Charon hat geschrieben:Tja, hätte man das gleich von Anfang an ganz schnörkellos und ohne großes Tamtam zusammen mit der Streichung des § 175 eingeführt, dann hätte es den ganzen Bohei um Homo-Rechte und das ganze mittlerweile Jahrzehnte währende politische Hickhack nie gegeben.

Das ist im Prinzip natürlich richtig, aber nicht realistisch. Die Ehe ist heilig, nicht nur im Christentum. Das ist ganz elementar im Selbstverständnis des Abendlands. Die Ehe, das sind Mann und Frau, so wie es Gott (angeblich) bestimmt hat. Dass Homosexualität nicht kriminell ist, das konnten die Menschen noch begreifen, aber eine homosexuelle Ehe? Nein, damit waren die Menschen total überfordert, das sind die meisten auch heute noch. Ich glaube noch nicht, dass das in absehbarer Zukunft in Deutschland Wirklichkeit wird.

LG
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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Charon » 11. Dezember 2014, 01:50

Zwei Generationen sind ne lange Zeit ? Bereits zu lange, um da noch ein geistiges Erbe mitzuschleppen ? Och, ich denke wir schleppen noch viel älteres geistiges Erbe mit uns rum....

......zum Beispiel die in der Tat weit verbreitete und den Fortschritt blockierende Ansicht bezüglich der Heiligkeit der Ehe.

Ich meine, die Öffnung der Ehe für Homosexuelle würde ja nur für die standesamtliche Trauung (d.h. die "staatliche Ehe") stattfinden. Die Kirchen und deren Eherecht bleiben davon vollkommen unberührt, d.h. die Kirchen dürften nach wie vor die Homo-Ehe ablehnen und (kirchenrechtlich) für illegal erklären, es würde also keine kirchlichen HS-Trauungen geben. Trennung von Staat und Kirche, eine der wichtigsten Errungenschaften des neuzeitlichen Abendlandes !

Begriffe wie "Heiligkeit" oder "gottgewollt" sind ganz klar Schlagworte, die dem kirchlichen bzw. religiösen Bereich zuzuordnen sind, also sollten sie eigentlich - gemäß modernem abendländischem Denken - für die standesamtliche Ehe keinerlei Relevanz besitzen.

Und heutzutage interessieren sich viele Leute in DE gar nicht mehr für Religion und glauben auch nicht mehr an die Existenz Gottes.........aber trotzdem scheint da in den Köpfen noch sowat wie eine "gottgewollte Ehe" herumzuspuken, selbst bei Atheisten. Diese Leute verwenden zwar andere Begriffe und benutzen statt "heilig" oder "gottgewollt" z.B. den Gegensatz "natürlich" versus "widernatürlich". Aber sind solche Begrifflichkeiten hier nicht nur Schall und Rauch und es spukt auch bei Atheisten noch das alte (religiöse) Bild von der "gottgewollten Ehe" im Unbewußten herum ? Ein altes geistiges Erbe also, das sie daran hindert, in Sachen Ehe laizistisch zu denken, obwohl sicherlich fast 100% der Deutschen die Trennung von Staat und Kirche befürworten und keinen christlichen Gottesstaat wollen ?

Logischerweise müsste dieses alte Erbe in der deutschen Volksseele dann aus einer Zeit stammen, in der Laizismus noch nicht existierte im Abendlande, ja absolut undenkbar war. Im Klartext: Mittelalterliche Denke ! :o

Viel weiter zurückliegend also als nur zwei Generationen. ;) Und wenn anderen Ländern das Thema Öffnung der (staatlichen) Ehe anscheinend weniger Denkschmerz bereitet als den Deutschen, dann scheinen diese Länder ganz klar dem neuzeitlichen Abendland zu entsprechen, während in DE noch mittelalterliche Residuen zu finden sind......

lg,

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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Bianca » 12. Dezember 2014, 23:18

Elviera hat geschrieben:Finnland öffnet die Ehe,


Moin,

dazu sag ich nur Bravo!

Goldmarie hat geschrieben:Ich glaube noch nicht, dass das in absehbarer Zukunft in Deutschland Wirklichkeit wird.

Damit wirst du wohl recht haben,leider!
Goldmarie hat geschrieben:Die Ehe ist heilig, nicht nur im Christentum.

Hier geht´s aber nicht um die kirchliche Ehe,das hat Charon schon ganz richtig beschrieben. Das Grundgesetz gibt da ganz klare Anweisungen,im Grunde ist die Verweigerung der Homo-Ehe verfassungswidrig.

LG Bianca
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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Elviera » 13. Dezember 2014, 12:03

Also ganz so schwarz würde ich das nicht sehen.
Ich habe mich deshalb mal ein bisschen kundig gemacht ob da nicht vielleicht irgendwelche Gerüchte kursieren.
Dabei bin ich auf folgenden Blog gestossen.
Direkt auf der ersten Seite ist ein Brief vom Bundeskanzleramt, und wie es scheint so bestehen konkrete Überlegungen, sonst würde es diese Aufweichungserscheinung nicht geben.

http://mein-wahres-leben.blogspot.de/

Das gibt zu hoffen das sich da vielleicht nicht in Kürze aber längerfristig was tun wird, denn man scheint konkret darüber nachzudenken meine ich.

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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Goldmarie » 15. Dezember 2014, 02:46

Danke, Elviera, das ist hochinteressant. Das werde ich bei Gelegenheit nochmal gründlich nachlesen.

Bezüglich "heilige" Ehe: Ich denke, dass der springende Punkt folgender ist: Die Traditionalisten haben Angst, eine irrationale Angst, sie glauben, dass "unnatürliche" Partnerschaften eine Bedrohung für die "gottgewollte" Ordnung sind, sie glauben, dass Verfechter einer liberaleren Ordnung die heilige traditionelle Ehe zerstören wollen, sie haben Angst vor einem Popanz, der überhaupt nicht existiert. Niemand will die traditionelle Ehe zerstören oder abschaffen, im Gegenteil, wir wollen sie eher stärken, indem wir sie Menschen zugänglich machen, denen sie bisher verschlossen war.

Das ist tragisch. Dieses Missverständnis existiert auch auf der anderen Seite. Man verzeihe mir, wenn ich jetzt ein bisschen Parteipolitik mache: Ich ernte bei Anhängern der Grünen und Linken Skepsis und Widerspruch, wenn ich sage, dass die ÖDP ein etwas traditionelleres Verständnis von Familienpolitik hat. Man unterstellt dann, dass diese Partei christlich-traditionalistische Standpunkte vertritt, was aber nicht stimmt, im Gegenteil: Wenn sie sich für eine bessere Familienpolitik einsetzt, dann schließt sie Regenbogenfamilien jeglicher Art mit ein.

So, das musste mal gesagt werden.

LG
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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Elviera » 16. Dezember 2014, 01:13

Hallo Maria,
mit Sicherheit wird man sich schwer tun, aber wenn ich mal so zurückdenke, also ich weiss es noch ganz genau wie ich vor einigen Jahren mit Gittti Schramm und Deborah Campbel zusammensass und wir darüber nachgedacht haben ob es wohl jemals eine Änderung im Vä/ Pä-standsrecht geben würde.
Wir waren alle der Meinung das die Vä doch eigentlich überflüssig wäre, jedoch man daran nicht kratzen würde weil man dem Leuten welche die Scheidung welche ja die Op und damit erst die Pä möglich sein würde nicht wollten eine Möglichkeit einräumen musste.
Wir glaubten damals auch dass die konservativen Kräfte zu stark sein würden als das die Vä zu unseren Lebzeiten wegfallen würde.
Jo und 4 Wochen nach dieser Zusammenkunft wars geändert. So schnell kann das gehen.
Tatsache jedenfalls ist wohl, dass man bereits konkret überlegt, jedoch kann wohl kein Mensch sagen wie weit diese Überlegungen schon sind.
Aber die Tatsache dass man in diesem Schreiben recht grosszügig ist gibt zu hoffen.
Also warten wir mal ab was wann geschehen wird.

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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Charon » 16. Dezember 2014, 01:46

Dieses Schreiben weckt wirklich Hoffnungen.......mal sehen, was sich in nächster Zeit tut.

lg,

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Re: Finnland öffnet die Ehe

Beitragvon Charon » 1. Januar 2015, 17:52

Aber trotzdem sollte man sich dessen bewusst sein, dass kein Fortschritt eine Selbstverständlichkeit und kein Gesetz in Stein gehauen ist. So ist es keine Überraschung, dass sich auch in Finnland der Widerstand regt......und 2015 dort Wahlen anstehen. Man suche in diesem Artikel den 19. April:

http://www.spiegel.de/politik/ausland/2 ... 10486.html

Nicht dass es am Ende noch heißt: Wie gewonnen, so zerronnen.......

lg,

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