LSVD führt Umfrage der Bundesregierung durch

LSVD führt Umfrage der Bundesregierung durch

Beitragvon Elviera » 17. September 2015, 09:55

Der LSVD führt im Auftrag den Bundesregierung eine Umfrage zum Thema:
„Gut leben in Deutschland – Was uns wichtig ist – Lebensqualität in Deutschland“ durch.

https://nrw.lsvd.de/2015/08/einladung-dialog-gut-leben-in-deutschland-was-uns-wichtig-ist-22-09-15-in-duesseldorf/

Da ich nicht geoutet bin unterliege ich natürlich auch nicht den gleichen Lebensumständen anderer Ts und denke dass ich eigentlich recht wenig Ahnung habe
Ich gedenke aber trotzdem hinzugehen, weiss aber nicht so recht was ich dort vorbringen soll.
Was meint Ihr dazu? Eure Meinung ist gefragt.

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Re: LSVD führt Umfrage der Bundesregierung durch

Beitragvon Charon » 18. September 2015, 00:54

Hm......ich denke mal auch, dass ich nicht wirklich repräsentativ für die Gruppe der TS bin. Aber ich denke ich würde da v.A. angesichts der aktuellen Situation in DE das Gebiet Integrationspolitik für Flüchtlinge mal ansprechen, und zwar ganz konkret auf die Themen HS und TS bezogen. Migranten haben m.E. zu lernen, dass HS und TS in DE Teil der Gesellschaft sind. Ich gehe davon aus, dass solche Themen noch nie Gegenstand von Integrationsmaßnahmen waren ! Und es gehört auch zum Thema "Gut leben in Deutschland", wenn man sich als HS oder TS nicht mehr von mangelhaft integrierten Migranten bedroht fühlen würde, denn hier sind definitiv (auch berechtigte!) Ängste bei uns vorhanden.

Eventuell könnte man mal nachfragen, was aus dem TsG werden soll. Im Prinzip hängt die Sache ja seit Anfang 2011 in der Luft......und auch rechtliche Klarheit gehört irgendwie zu "gut leben".

Und allgemeine Themen, d.h. nicht auf HS und TS bezogen ? Da wären die Gedanken, die ich anbringen würde, wohl zu umstürzlerisch. :twisted:

lg,

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Re: LSVD führt Umfrage der Bundesregierung durch

Beitragvon Elviera » 18. September 2015, 01:24

Lass mal hören, viell. kann ich sie anbringen. und wenns zu umstürzlerisch ist haben wir ja noch andere Möglichkeiten.
Viell. kann man ja de AgTs dafür interessieren?

Allerdings wenn die übliche Zusammensetzung von Ts Gruppierungen dort anwesend sind dann wird man wohl kaum was Vernünftiges anbringen können ohne dass es das übliche Gezeter einmündet.
Und die dominierenden Themen werden sich wohl auch alle auf die Transitionsphase beziehen und zwar ohne zu berücksichtigen dass es sich dabei nur um wenige Jahre handelt. Der Rest des Lebens, obwohls der weit grössere Teil ist spielt da wohl nur ne untergeordnete Rolle.

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Re: LSVD führt Umfrage der Bundesregierung durch

Beitragvon Goldmarie » 18. September 2015, 02:12

Charon, mir geht es ähnlich und ich schließe mich einfach mal Deiner Argumentation an.
Umstürzlerische Gedanken habe ich allerdings nicht. Welches sind Deine?

LG
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Re: LSVD führt Umfrage der Bundesregierung durch

Beitragvon Charon » 19. September 2015, 01:21

Nun gut, versuchen wir mal das all Subversive wegzulassen und sehen zu, ein bissken Allgemeinpolitik zu betreiben, die auch uns TS nützt. "Gut leben" heißt irgendwie, dass es für jeden ein Plätzchen in der Gesellschaft geben sollte, wo man ein selbstbestimmtes Leben führen kann. Deshalb gehen alle meine Gedanken in Richtung "Sozial - und Arbeitsmarktreformen":


1. Hartz VI reformieren. Hier geht es mir explizit NICHT um Regelsatz-Erhöhungen, da soll sich lieber die Linkspartei mit herumschlagen.


Mittlerweile sollten genug Daten vorliegen, dass H4 insofern ein Reinfall ist, da es eine hartnäckige Langzeitarbeitslosigkeit erzeugt und immer mehr Menschen bei Jobverlust sofort in H4 rutschen. Und wer da mal drin ist, der kommt so gut wie nie mehr raus und muss ev. lebenslang vom Staat leben. Das kanns nicht sein !

Deshalb mein Vorschlag: Weg mit den vollkommen sinnlosen und demütigenden "Bewerber-Kursen", 1-Euro-Jobs und sonstigen verblödenden Pflichtveranstaltungen auf Idioten-Niveau. Solche Maßnahmen produzieren nur psychische Wracks und die Leute verlernen sehr schnell, dass Arbeit überhaupt Sinn macht. Stattdessen ehrenamtliche Tätigkeiten nicht nur erlauben (jetzt dürfen H4-Empfänger gar nichts ehrenamtlich machen, sondern müssen sich permanent für die nächste Sinnlos-Maßnahme bereithalten), sondern die Menschen gezielt dazu auffordern. Viele Menschen können so in ihren erlernten Berufen oder zumindest berufsnah arbeiten und sich so arbeitstechnisch fithalten anstatt sich demütigen lassen zu müssen.

Bedarf wäre genug da, so schreit derzeit die Politik wieder nach den lange Zeit verachteten Absolventen der "Laber-Fächer" wie Sozialpädagogen, Germanisten mit Lehramt Deutsch oder Psychologen. Ganz klar, nämlich als Integrationshelfer, Deutschlehrer oder Trauma-Helfer für Flüchtlinge. Hier wäre auch Platz für Geschichts - oder Sozialkundelehrer. Das ist nur eines der vielen Beispiele fürs Ehrenamt. Und wer sich hier bewährt, dem wird vielleicht vom Träger der ehrenamtlichen Tätigkeit mal ein regulärer Arbeitsvertrag angeboten. Hier könnte die Politik ev. die Dauer der ehrenamtlichen Tätigkeiten befristen, um die Träger zu ermuntern, die fähigen Leute nach ner Zeit einzustellen. Definitiv eine Chance für Leute mit krummen Lebensläufen (TS !) und H4-Bezug, wieder zu einen selbstbestimmten Leben zu kommen. Produziert keinen Cent Extra-Kosten für den Staat, sondern das Gegenteil dürfte der Fall sein. Und Clübchen wie die AgTs könnten sich dann übers Jobcenter ganz legal nen ehrenamtlichen Sozpäd besorgen und würden somit personell besser dastehen. ;)


2. Erleichterungen für Existenzgründungen.

D.H. es den Leuten leichter machen, sich von der Lohnabhängigkeit zu lösen und sich beruflich selbstständig zu machen. Dazu bräuchte es z.B. steuerliche Erleichterungen und Abbau von unnötiger Bürokratie. Auch ein Weg für Leute mit krummen Lebensläufen. Leider kippt man hier sehr schnell ins Umstürzlerische (Konzerne schwächen und so :mrgreen: ) und dieser Punkt dürfte der Politik so richtig gegen den Strich gehen.


3. Gleiche Bewerbungskriterien und-verfahren für Deutsche und Migranten, d.h. Gleichstellung und andere Personalpolitik der Wirtschaft

Die Politik und die Wirtschaft sprechen zur Zeit ja recht vollmundig davon, dass für den Beruf nicht genau dokumentierte DIN-Lebensläufe und zig (teilweise unsinnige) Zeugnisse und Zertifikate wichtig sind, sondern einzig und allein die tatsächlichen Fähigkeiten der Menschen. Das bezieht die Politik natürlich nur auf die Flüchtlinge, da man ja die billigen Arbeitskräfte einstellen will, diese aber fluchtbedingt so gut wie nie irgendwelche dokumentierten Lebensläufe und Zeugnisse bei sich haben. Und überprüfbar ist da gar nichts mehr, denn die "Universität Aleppo", an welcher der syrische Ingenieur angeblich studiert hat, wurde womöglich vom IS weggebombt. Auch will man jungen Flüchtlingen unabhängig vom Vorhandensein eines Schulabschlusses reguläre Lehrstellen geben, während Deutsche sogar für Handwerksberufe unsinnigerweise häufig schon Abitur nachweisen müssen.

Deshalb mein Vorschlag: Weg mit den DIN-Lebensläufen und all dem Dokumentationskram auch für Deutsche, denn es kommt in der Tat nur auf das tatsächliche Können an, egal auf welche Art und Weise man dieses erworben hat. Statt dessen lieber ein Bewerbungsverfahren mit tiefgründigerem Anschreiben, fähigkeiten - statt lebenslaufbezogenen Vorstellungsgesprächen und Arbeitsproben. Und schon spielt der transitionsbedingte "Knick im Lebenslauf" keine Rolle mehr und es zählt nur noch das, was Transmensch auf dem Kasten hat.

lg,

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Re: LSVD führt Umfrage der Bundesregierung durch

Beitragvon Goldmarie » 20. September 2015, 22:07

H4-Empfänger dürfen sich nicht ehrenamtlich engagieren? Das wusste ich noch nicht, finde ich total schwachsinnig. Wenn Leute händeringend gesucht werden, dann sind es Ehrenamtler - in allen Bereichen, die ich kenne.

Erleichterungen für Existenzgründer sind auch wichtig. Hier bietet auch das Arbeitsamt Kurse an, die aber nicht viel taugen, wie ich aus eigener Erfahrung weiß. Sinnvoller sind Projekte wie die Gründerinnen-Werkstatt, leider wurde das Projekt nach vier Durchgängen beendet, nachdem es nach meiner Einschätzung endlich richtig in Fahrt gekommen war. In unserer Gruppe (im zweiten Durchgang) haben sich letztlich von 21 Frauen nur drei erfolgreich selbstständig gemacht. Aber immerhin. Wäre das Projekt fortgeführt worden, nachdem die Leiterinnen genügen Erfahrung gesammelt hatten, wäre es mit Sicherheit auch erfolgreicher verlaufen.

Dass man für Handwerksberufe unsinnigerweise häufig schon Abitur nachweisen muss, berührt ein weiteres Problem unserer Gesellschaft: Hauptschulen leisten eine hervorragende Arbeit, aber die Abschlüsse werden gering geschätzt, die Schulen genießen unverdientermaßen einen immer schlechteren Ruf. In Oberhausen werden jetzt sämtliche Hauptschulen geschlossen, das ist in meinen Augen ein Skandal. Viele Eltern laufen vergeblich Sturm dagegen, die Mehrheit aber will leider koste-es-was-es-wolle die Kinder aufs Gymnasium schicken, auch wenn sie nicht dafür geeignet sind. Was am Ende dabei heraus kommt, sind mehr Gesamtschulen mit all den bekannten Nachteilen.

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Re: LSVD führt Umfrage der Bundesregierung durch

Beitragvon Elviera » 23. September 2015, 00:50

Ich komme gerade von dieser Veranstaltung und wie erwartet ging es in erster Linie um lesbisch schwule Politik.
Ausser und vom Stammtisch Oberhausen waren auch keine weiteren Transgruppen anwesend, womit ich eigentlich auch gerechnet habe.
Lediglich Andrea Krieger von Schlau war als einzigste Transvertreterin anwesend und hat natürlich gleich versucht in der üblichen Art und Weise uns von ihren randgruppenpolitischen Ansichten zu überzeugen.
Ich konnte ihr auch nicht klarmachen das an so was niemand von uns interessiert wäre so das ich zum letzten Mittel greifen musste.

Da unsere Anwesenheit zunehmend sinnfreier wurde und man sich auch, soweit es nicht die Lesben und Schwulen ganz konkret betraf, ziemlich von der Realpolitik entfernt hat haben wir uns nach 1 1/2 Stunden entfernt.
Zumal auch die Regierungsvertreter während einer kurzen Pause im pers. Gespräch mit mir nicht sonderlich interessiert gewirkt haben.
Statt dessen tummelten sie sich in den Interessenbereichen der Lesbisch Schwulen, und noch dazu bei denen mit den üblichen Weltverbesserungsphantasien.
Ich denke das war mein letzter Besuch von derartigen Veranstaltungen, und wie es aussieht brauchen wir auf die Politik, die sich ihrerseits offensichtlich zunehmend von den tanssexuellen Alltagsrealitäten entfernt, in der nächsten Zukunft nicht sonderlich hoffen.

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