Geschlecht im deutschen Recht - neue Entwicklung

Geschlecht im deutschen Recht - neue Entwicklung

Beitragvon Stanley » 18. August 2013, 10:38

Folgender Artikel behandelt die sich ankündigende Erweiterung im Personenstandrecht um die Möglichkeit, im Falle einer vorliegenden Intersexualität keinen Geschlechtseintrag vornehmen zu lassen.

Bedauerlicherweise handelt es sich nicht um eine wirkliche Wahlfreiheit... . Wenn Eltern also statt keiner eintragung männlich oder weiblich wollen, aber keine OP, so wird es darauf hinauslaufen, dass ihnen dasn icht gewährt wird. Statt einer Verbesserung für IS, ist somit eine VErschlimmerung zu befürchten, da die OP's wohl wider zunehmen werden. Man muss sich ja mal überlegen, dass man ohne Perosnenstadn keine Geburtsurkunde ausgestellt bekommt und damit auch keinen Reisepass und viele Versicheurngen oder bürokratische Dinge für das Neugeborene nicht erledigen kann.

Das wird mal wieder ein SChuss in den Ofen werden.


http://www.sueddeutsche.de/leben/geschl ... -1.1747380
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Re: Geschlecht im deutschen Recht - neue Entwicklung

Beitragvon Michaela » 18. August 2013, 22:03

Ob das wirklich ein Schuss in den Ofen wird? Es bleibt wohl abzuwarten. Zum Eintrag in das Geburtenregister wird im Artikel das Gesetz zitiert: "Kann das Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstandsfall ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen". Es wird ein Umdenken stattfinden müssen bei betroffenen Eltern, aber ein Umdenken kann man nicht per Gesetz verordnen. Da liegt ein Haken und der nächste ist das Problem, dass eben noch immer an IS direkt nach der Geburt herumgeschnibbelt wird. Und wenn das primäre Geschlechtsorgan "vernünftig" ausgebildet ist, dann kann es immer noch zu Fehldiagnosen kommen, denn die primären Geschlechtsorgane entwickeln sich erst viel später.

Was das Reisen angeht, da haben doch schon andere Länder "das unbestimmte Geschlecht" eingeführt, Australien z. B. Ob es in diesem Fall tatsächlich die erwarteten Probleme geben wird? Entsprechende Berichte sind mir zumindest bisher unbekannt. Ein entsprechender Vorfall würde bestimmt durch sämtliche Organisationen gereicht werden. Bei Versicherungen und einigen anderen Behörden sehe ich da allerdings auch Probleme am Horizont. Ganz dringend müsste das SGB reformiert werden. Ob die KK'en das "X" so ganz ohne Regelung im SGB akzepieren ist fraglich, denn auch dort sitzen etliche Paragrafenreiter.

Immerhin: man hat etwas auf den Weg gebracht, aber ob die dringenden Reformen der anderen Gesetze noch erfolgen? In dieser Legislaturperiode wohl eher nicht. In der nächsten hat man sicherlich ganz andere Probleme zu wälzen, als sich den Folgewirkungen zu stellen. Das wird man dann wohl eher wieder aussitzen, warten bis Karlsruhe wieder den Finger erhebt oder sogar der EUGH. - Wir werden sehen - oder auch nciht.

Interessant ist allerdings schon, dass explizit darauf verwiesen wird, dass diese Änderung nicht für Transsexuelle gilt, sondern für diese das TSG gilt. Auch hier stehen Veränderungen ins Haus, denn eigentlich sollte eine Überarbeitung in der nun vergangenen Legislaturperiode erfolgen - mit oder ohne die Betroffenen.

LG Michaela
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Re: Geschlecht im deutschen Recht - neue Entwicklung

Beitragvon Charon » 19. August 2013, 00:45

Ist das "X" im Reisepass nicht bereits international anerkannt ?
Anyway, so eine Neuerung zieht immer einen bürokratischen Rattenschwanz nach sich, gerade im bürokratieverliebten Deutschland.

Ich würde allerdings nicht so schwarz sehen wie Stanley und davon ausgehen, dass die Zahl der unseligen Kleinkinder-OPs wieder ansteigt. Ich meine, früher mussten sich die Eltern eines IS-Kindes zwangsweise für m oder w entscheiden. Gerade das hat zu den vielen Kinder-OPs geführt, da die Eltern das Kind eben an die Zwangsentscheidung m oder w körperlich anpassen wollten. Mit dem X - auch wenn jedes IS-Kind das erstmal automatisch bekommt - erfolgt dann hoffentlich auch eine Information der Eltern, dass das Kind sobald es alt genug ist selbst entscheiden kann, ob es weiterhin X haben will, oder aber zu m oder w wechseln will. Und soweit ich das verstanden habe, ist dieser Wechsel unbürokratisch und ohne jede OP möglich.

Man muss den Eltern also sagen, dass dieser X-Eintrag nur temporär ist. Einigermaßen vernünftige Eltern werden das akzeptieren denke ich mal. Der Prozentsatz der Eltern, die auf OPs verzichten, wird daher womöglich höher sein als unter dem binären Zwang. Und die verbohrten werden sowieso ihr Kind mit ner OP quälen wollen, und zwar völlig unabhängig von der Gesetzeslage, da die IS für diese Leute schlicht und ergreifend eine körperliche Deformierung ist, die korrigiert werden muss. Solche Eltern sehen die IS eben als Krankheit an. Hier läßt sich Vernunft nicht per Gesetz verordnen.

Das einzige Gesetz, das hier greifen würde, wäre ein knallhartes Verbot innerhalb der EU für sog. geschlechtsbestimmende OPs bei Kindern unterhalb eines festgelegten Alters. Und selbst hier gäbe es sicher einige Eltern mit nem ganz dicken Brett vorm Hirn, die ihr Kind zur OP ins Ausland karren würden. Aber das wären wohl nur wenige, und man hätte die Anzahl an OPs signifikant reduziert.

Aber auf jeden Fall bewegt sich mit der neuen Regelung bereits was in die richtige Richtung, das finde ich gut und ich sage daher merci zu unserer Legislative. Man kann nicht alles auf einmal haben.

lg,

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Re: Geschlecht im deutschen Recht - neue Entwicklung

Beitragvon Stanley » 22. August 2013, 09:28

Ich sehe leider immer noch keinen Anlass zur Danksagung an die Regierung. Die internaitonale Vereinigung intergeschlechtlicher Menschen hat dazu folgende PM veröffentlicht: http://www.intersexualite.de/index.php/ ... ne-option/

Darin heißt es, dass nach wie vor die Ärzte entscheiden, ab wann welcher eintrag oder Nicht-Eintrag zu erfolgen hat. Dadurch ist niermandem geholfen.
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Re: Geschlecht im deutschen Recht - neue Entwicklung

Beitragvon Charon » 23. August 2013, 02:20

Irgendwie wäre es schön, wenn die Menschen tatsächlich so vernünftig wären, wie sie eigentlich sein müssten, damit das, was diese Seite haben will, auch so und nicht anders Wirklichkeit wird. Und wenn die Menschen so reif wären, gäbs auch keinen Raubtierkapitalismus und keine Religionskriege mehr. Nur scheiterts halt mal wieder daran, dass der reale Mensch nicht so ist........

Vom realen Menschen ausgehend, kann ich die Argumentationsweise auf dieser Seite nicht so ganz nachvollziehen, aber vielleicht bin ich auch nur zu doof dazu. Wenn ich nicht nur den IS-Kindern, sondern allen Kindern per Default keinen Geschlechtseintrag mehr in die Geburtsurkunde setze, wird die Zahl an Kinder-OPs sinken ? So als ließe sich quasi mit der Delete-Taste die erste fundamentale Frage werdender Eltern ("Schwester, was ist es denn?") einfach wegkonditionieren ?

Die gehen noch weiter und behaupten sogar, der Wegfall des Geschlechtseintrags würde die Zahl an Abtreibungen von IS-Kindern senken. Die erste Frage, die sich mir hier aufdrängt, ist folgende: Soll denn der Arzt den Eltern die IS ihres Kindes verschweigen oder vielleicht die med. Untersuchung gleich unterlassen ? Denn sobald der Doc die Katze aus dem Sack läßt, ist die IS nunmal klar auf dem Tisch, da mag auf der Geburturkunde dann stehen was da eben stehen will, Papier ist bekanntlich geduldig. Und ich denke mal es wäre unverantwortlich hoch drei von jedem Arzt, den Eltern die Wahrheit zu verschweigen, denn eine IS kann ja streckenweise auch zu gesundheitlichen Problemen führen......und später auch zu psychischen. Daher würde sich auch kein Arzt auf sowas einlassen, seine Zulassung stünde auf dem Spiel !

Es gäbe noch viel zu dem zu sagen, was man so auf dieser Seite alles lesen kann. Ich will das aber abkürzen. Mir ist sehr schnell aufgefallen, dass diese Seite Gedankengut enthält, das jeder von uns nur allzu gut aus der TS-Ecke kennt. Ich zitiere hier beispielhaft einen Satz, der dort im Fettdruck quasi als Kernaussage zu lesen ist und bei mir alle Alarmglocken hat schrillen lassen: " Intergeschlechtlichkeit ist kein medizinisches Problem, sondern ein gesellschaftlich-politisches Thema." Klingelts ?

Man ersetze also in diesem Satz einfach nur das Wort "Intergeschlechtlichkeit" durch "Transsexualität" und wir sehen glasklar vor uns, mit wem wir es hier zu tun haben. ;) Spätestens jetzt sollte es bei jedem von uns klingeln ! Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass ich beim bloßen Blick ins Impressum bereits fündig geworden bin und festgestellt habe, dass es sich bei dieser IS-Gruppe zumindest in DE nicht um eine unabhängige Gruppe handelt, sondern um ganz alte Bekannte aus der TS-Ecke: http://www.transinterqueer.org/

Verständlich isses ja, dass die IS sich als zahlenmäßig ganz kleine Gruppe in den Windschatten der nächstgrößeren Randgruppe hängen und damit bei den TS landen. Genau wie die TS sich ja mit den Schwulen und Lesben verbandelt haben. Bloß stellt sich hier die Frage, ob die IS da nicht aufs falsche Pferd setzen, wenn sie einer der politisierenden Gender-Truppen unter den TS-Gruppen folgen ?

Ich meine, wir könnten hier schon auch mal versuchen, darüber zu diskutieren, wie man IS-Kindern helfen könnte, mit möglichst wenig Schaden an Leib und Seele aufzuwachsen, und zwar weitestgehendst im Einklang mit der real existierenden Gesellschaft. Aber natürlich nur, falls Interesse besteht. Nützliche Gedanken für den Start wären im Forum ja durchaus vorhanden, so z.B. im Strang über TS bei Kindern im Vorschulalter.........

lg,

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Re: Geschlecht im deutschen Recht - neue Entwicklung

Beitragvon Michaela » 30. August 2013, 20:54

Was die Politik macht und vorgibt ist eine Sache, aber schauen wir doch auch mal auf "unsere" Kirchen.

In einem älteren Strang ist ein folgender Link eingestellt worden: http://chrismon.evangelisch.de/artikel/ ... frau-19543

Und ich habe gerade die katholische Darstellung gefunden: http://www.katholisches.info/2013/08/19 ... en-jubeln/

Was mich am meisten an dem zuletzt genannten Artikel verwundert ist die Tatsache, dass auf "Natur" Bezug genommen wird, wo doch sonst immer wieder auf das Buch der Bücher Bezug genommen wird. Wenn allerdings schon auf die Natur eingegangen wird, so scheint es, dass irgendwie einige "Irrtümer" der Natur wohl doch anerkannt werden oder wurden - aber nicht im Bezug auf den Menschen. Dass die Natur auch ihre Experimente am Menschen fortsetzt erscheint wohl ad absurdum zu sein.

Saubere Recherchen scheint es auch nicht zu geben, denn die "Gleichstellung" von Intersexen (Hermaphroditen) mit Gendern und Homosexuellen grenzt in meinen Augen in einem gewissen Grade an Blasphemie.

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