Kurswechsel in der kath Kirche?

Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Elviera » 20. September 2013, 10:05

Zwar bricht der Papst nicht mit den alten Dogmen der kath. Kirche, aber nach dem Hardliner Benedikt sinds von Franziskus doch überraschend klare Worte die eindeutig in die Gegenrichtuung zu weisen scheinen. Aberi ch fürchte so schnell wird's leider dann doch nicht gehen.

http://www.spiegel.de/panorama/papst-franziskus-warnt-katholische-kirche-vor-fixierung-auf-sexualmoral-a-923383.html

Also warte wir mal ab was die Zukunft bringt.

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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Levanah » 20. September 2013, 12:53

Dass diese Veränderungen Zeit brauchen, dessen ist er sich bewusst.
Seine Worte im letzten Abschnitt sagen das deutlich:

Ich glaube, dass man immer genügend Zeit braucht, um die Grundlagen für eine echte, wirksame Veränderung zu legen


Entscheidend wird sein, ob die Mehrheit der Kardinäle und Bischöfe eher der Dogmatik zugewandt sind, oder ob die Mehrheit den Kurswechsel begrüsst und mitträgt. Du kannst einen noch so guten CEO an die Konzernspitze setzen. Wenn das restliche Kader seine Visionen nicht mitträgt und umsetzt, dann bleibt alles beim Alten und es droht dem Betrieb irgendwann das Aus.

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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Charon » 22. September 2013, 00:26

Ich habs ja nicht so mit dem Katholizismus. Aber trotzdem fange ich schön langsam an, Papst Franziskus ein bißchen sympathisch zu finden. ;)

Dass er sehr besonnen an die Reformen rangeht und sie als längerfristiges Projekt sieht, zeigt doch, dass er über eine ordentliche Portion Realitätssinn verfügt, die so manchem von Missionierungseifer beseelten Theologen fehlt. Er ist sich also bewußt, dass er nicht ruck-zuck erstmal den ganzen Laden zu Klump hauen und dann neu aufbauen kann, gerade wegen der dogmatischen Betonköpfe, die doch noch reichlich im Klerus vertreten sind. Ginge er zu schnell vor, würde genau das passieren, was Levanah mit dem Analogon aus der Wirtschaft treffend beschrieben hat.

Letztendlich sind tiefgreifende Reformen wirklich eine Lebensaufgabe für einen Papst, so schätze ich den Zeitplan ein. Und man darf auch nicht vergessen, dass der Papst auch Personalpolitik betreiben kann und somit Stück für Stück relevante Ämter mit Leuten besetzen könnte, die etwas reformfreudiger sind, während eiserne Dogmatiker eher mit Jobs ruhiggestellt werden, die mehr oder minder "Titel ohne Mittel" sind.

Man darf auch nicht übersehen, dass neben den bekannten Betonköpfen durchaus auch Kräfte der Vernunft im Vatikan vorhanden sind. Die mussten unter den bisherigen Päpsten den Kopf ordentlich untenhalten und sich zumindest nach außen hin schmal machen, denn allzuschnell wurden solche vernünftigeren Geistlichen von den Sturschädeln diffamiert, indem man ihnen z.B. die gezielte Bildung schwuler Seilschaften innerhalb des Vatikans ans Knie genagelt hat. Aber wer weiß, was der neue Papst in Sachen Personalpolitik so vorhat ?

Zur Zeit debattiert man sogar schon darüber, wie man durch ein Hintertürchen den Zölibat aufweichen könnte: Es ist im Gespräch, den Diakonen die Möglichkeit zu geben, sich zu Priestern weihen zu lassen, um dem akuten Priestermangel Herr zu werden. Die Diakone sind aber nicht an den Zölibat gebunden und daher meist verheiratet, und man würde deshalb durch eine nachträgliche Priesterweihe verheiratete kath. Priester schaffen. Logischerweise würde es dann nicht mehr lange dauern, bis auch die bereits vohandenen und bisher zur zölibatären Lebensweise verpflichteten Priester gleiche Rechte einfordern...........

Also spannend wird das allemal, und die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt.

lg,

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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Michaela » 22. September 2013, 09:04

Spannend ist es allemal, die Veränderungen im Vatikan zu beobachten - wenn auch nur mit einem halben Auge. Franziskus hatte ziemlich schnell einige Änderungen eingeleitet und auch Personen ausgetauscht.

Einen Kurswechsel kann und mag ich nicht erkennen. Ich sehe lediglich eine Veränderung hinsichtlich der Themen, nämlich ein zurück zu dem, was wirklich wichtig ist - das ist der Mensch - und keine Zentralisierung von Randgruppenthemen mehr. Nur hat sich im letzten halben Jahrhundert zu diversen Randthemen eine sehr starke Lobby sowohl innerhalb als auch außerhalb der Kirche gebildet. Es geht nicht nur um Homosexualität, sondern ebenso um die Pille, Abtreibung und einiges andere mehr, nur sind die benannten seit den 1960er Jahren mehr und mehr ins Zentrum gerückt. Dadurch wurde der Anschluss an die "modernen" Probleme der Menschen verpasst und so ist auch zu erklären, weshalb Altes und Neues dort nicht zusammen passt.

Der Weg der Zusammenführung wird etliche Zeit benötigen und einfach wird es nicht werden, denn es sind nicht nur die Betonköppe aufzubrechen.

Hier noch zwei Artikel zum Thema "Kurswechsel": http://www.domradio.de/themen/reformen/ ... ige-themen , http://www.sueddeutsche.de/politik/aeus ... -1.1776699

Liebe Grüße
Michaela
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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon jessica » 22. September 2013, 13:45

Ich finde, dass es schon sehr lange Reformen in der katholischen Kirchen geben musste.
Ich bezweifel aber, dass sich das auf das Thema Transsexualität bezieht.
Die katholische Kirche wird sich nie damit einverstanden erklären, und uns als Randgruppe akzeptieren.
das man im falschen Körper geboren ist, wird nie tolleriert werden
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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Elviera » 22. September 2013, 23:27

Also an einen Kurswechsel glaube auch ich nicht, aber dennoch war es richtungsweisend, gibt es doch den Priestern vor Ort in ihren Gemeinden recht viel neuen Spielraum den Realkatholizismus zu betreiben.
Es gibt ja lange schon jede Menge Pfarrer die sich starren Regeln so ein kleines bisschen zurechtbiegen dass es in die heutige Zeit passt. Und nach diesen Aussagen des Pontifex werden sie nun auch im gewissen Rahmen vom Vatikan toleriert werden, da man auch dort so langsam zu bereifen scheint dass man was tun muss wenn es längerfristig nicht zum Niedergang der kath. Kirche oder zu einer erneuten Reformation kommen soll.
Wieder einmal mehr stünden sich dann nämlich Realos und Fundis gegenüber. Und ob das die kath. Kirche noch einmal wegstecken würde ohne daran endgültig zu zerbrechen?

L.G. Elviera

Übrigens in dem Zusammenhang:

Bei uns Ts sind die Realos die Fundis. :roflrofl: Es ist halt alles verkehrt herum bei uns, sogar das. :steinigung:

Nur mal nebenbei bemerkt.
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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Charon » 23. September 2013, 00:37

Elviera hat geschrieben:Also an einen Kurswechsel glaube auch ich nicht, aber dennoch war es richtungsweisend, gibt es doch den Priestern vor Ort in ihren Gemeinden recht viel neuen Spielraum den Realkatholizismus zu betreiben.


Sehe ich auch so. Und wie Michaela bereits erwähnt hat, hat Papst Franziskus bereits personalpolitische Entscheidungen in der Richtung getroffen: Mit Pietro Parolin hat er ja bereits jemanden zu seiner rechten Hand gemacht, der als erste wichtige Amtshandlung gleich mal auf ganz diplomatische Weise an der Unaufhebbarkeit des Zölibats gerüttelt hat, indem er ausdrücklich erwähnt hat, dass der Zölibat ja kein Dogma ist. Und das hat er auf eine Art und Weise getan, die den Priestern ganz klar den Ball zuspielt und sie zu Eigeninitiative aufruft.

lg,

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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Levanah » 23. September 2013, 13:53

Bezüglich Zölibat, einfach mal dafür sorgen, dass dieses uralte Jobprofil endlich konsequent umgesetzt wird :P

1. Brief an Timotheus, Kapitel 3, Luther-Übersetzung

Paulus hat geschrieben:1 Das ist gewisslich wahr: Wenn jemand ein Bischofsamt begehrt, der begehrt eine hohe Aufgabe.
2 Ein Bischof aber soll untadelig sein, Mann einer einzigen Frau, nüchtern, maßvoll, würdig, gastfrei, geschickt im Lehren,
3 kein Säufer, nicht gewalttätig, sondern gütig, nicht streitsüchtig, nicht geldgierig,
4 einer, der seinem eigenen Haus gut vorsteht und gehorsame Kinder hat in aller Ehrbarkeit.
5 Denn wenn jemand seinem eigenen Haus nicht vorzustehen weiß, wie soll er für die Gemeinde Gottes sorgen?
6 Er soll kein Neugetaufter sein, damit er sich nicht aufblase und dem Urteil des Teufels verfalle.
7 Er muss aber auch einen guten Ruf haben bei denen, die draußen sind, damit er nicht geschmäht werde und sich nicht fange in der Schlinge des Teufels.


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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Charon » 16. Oktober 2014, 01:36

Und Papst Franziskus macht wohl weiter mit dem Kurs der Erneuerung, sehr zum Leidwesen der ewig Gestrigen im Klerus:

http://www.spiegel.de/panorama/gesellsc ... 97362.html

Wenn das so weitergeht und der Papst Rückgrat zeigt, während die Betonköpfe nach wie vor aufschreien und nicht zur Besinnung kommen, führt das ja am Ende noch zu ner weiteren Kirchenspaltung. :lol: :lol:

lg,

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Re: Kurswechsel in der kath Kirche?

Beitragvon Elviera » 16. Oktober 2014, 01:49

Die ewig Gestrigen, das wars ja woran Benedikt gescheitert ist.
Aber da ging es wohl weniger um Theologie sondern um Handfesteres, nämlich um Geld und Korruption.
Das ist inzwischen offiziell bekannt geworden, es hat sogar eine Fernsehdoku gegeben.
Benedikt war angetreten um damit aufzuräumen ist aber gescheitert und das sein Nachfolger ausgerechnet ein Franziskaner ist, irgendwie mag ich nicht glauben das es sich hier um einen Zufall handelt das ausgerechnet jemand von einem Bettelorden der nachfolgende Papst geworden ist, und es ist daher wohl auch kein Zufall das Franziskus sich seinerseits nun offensichtlich auch ans Aufräumen begeben hat.

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