Kein Op -Zwang mehr in Österreich?

Kein Op -Zwang mehr in Österreich?

Beitragvon Elviera » 22. Oktober 2010, 11:21

Kein Op-zwang mehr für Ts in Österreich?
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Elviera
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Anmeldungsdatum: 17.10.2009
Beiträge: 654


Verfasst am: 18 März 2010 12:41 Titel: Kein Op-zwang mehr für Ts in Österreich?

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Da schau mal einer an, offensichtlich tut sich da was in Österreich?

Es ist ja noch kein Grund zum Jubeln, aber es kommt möglicherweise Bewegung in die Sache?

http://transgender.at/presse/shownews.cgi?id=1126759098

L. G. Elviera
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Goldmarie
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Anmeldungsdatum: 22.01.2010
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Verfasst am: 18 März 2010 15:23 Titel:

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Das kommt nicht so überraschen, nach den bereits im letzten Jahr ergangenen Urteilen. Empörend ist allerdings der Amtsmissbrauch.

In Österreich ist die Lage ein bisschen anders als bei uns. Dort ist die Vornamensänderung an die Personenstandsänderung gebunden. Allerdings gibt es da auch die Möglichkeit, einen geschlechtsneutralen Vornamen zu wählen, wie das Beispiel unseres Freundes aus dem anderen Forum zeigt. Insofern ist "illegal im eigenen Land" nicht so ganz nachzuvollziehen, denn mit einem neutralen Namen kann man durchaus leben, auch wenn es noch nicht das Gelbe vom Ei ist.

LG Maria
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Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Machmal muss man sogar vom Wege abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.

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Charon
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Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 263
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Verfasst am: 19 März 2010 2:15 Titel:

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Ich versuche mich jetzt mal in die Rolle eines furzkonservativen Politikers reinzuversetzen, der die TS nach wie vor zu den Zwangs-OPs verdonnern will. Aus diesem Blickwinkel würde ich wie folgt argumentieren:

[Konservativ- Modus ein]
Hätten Sie die Möglichkeit in Anspruch genommen, einen neutralen Namen anzunehmen, wären Ihnen die peinlichen Zwangsoutings erspart geblieben und Sie wären nicht "illegal im eigenen Land". Ist zwar ein suboptimaler Zwischenstatus bis zur OP (da keine freie Namenswahl möglich), aber gangbar. Sie haben wohl absichtlich die Ihnen zur Verfügung stehenden rechtlichen Mittel nicht genutzt und absichtlich ihren männlichen Geburtsnamen behalten. Sie sind also da an ihren Problemen bei Behördengängen etc. auch selbst schuld und nicht die Gesetzgebung.

Auch die Argumentation, sich nicht einer OP unterziehen zu wollen, weil Sie da ihren Job womöglich verlieren, ist wohl etwas dürftig. Das Risiko, mal wegen irgendeiner Krankheit oder wegen eines Unfalls ins Krankenhaus zu müssen, ist ein Risiko, das das Leben an und für sich mitbringt, dazu braucht es keine TS! Oder gehen Sie mit einer kaputten Bandscheibe oder einem entzündeten Blinddarm auch nicht ins Krankenhaus, weil Sie Angst um den Job haben? Und Sie sind - wie Sie selbst sagen - eine hochqualifizierte Führungskraft und keine schnell austauschbare unqualifizierte Billig-Arbeiterin. Da sind Sie doch sicher recht schwer zu ersetzen und Ihr Standing im Job sollte gut genug sein, dass Ihre Firma eine Absenz wegen eines Krankenhausaufenthalts eher akzeptiert als sich einen neuen Mitarbeiter suchen zu müssen. Oder wird in Ihrer Firma gleich jeder Mitarbeiter - auch die schwer ersetzbaren- im Krankheitsfall gleich gefeuert ? Das nehme ich Ihnen nicht ab! Ihre Argumente sind also zu dürftig, um die Notwendigkeit einer Gesetzesänderung hinreichend zu begründen.

[Konservativ-Modus aus]

So ne Denke kursiert da wohl im Innenministerium.....und sie ist stark genug, dass sich da Leute so weit aus dem Fenster lehnen und Gerichtsbeschlüsse, die für sie zwingende Gültigkeit haben, rotzfrech übergehen. Ist schon ein zähes Kraut, diese Betonkopf-Denke!


Tja, der Dame gings wohl wirklich knallhart ums Prinzip, und sie hat sich wirklich da mit relativ dünnen Argumenten in die Schlacht gewagt.

Umso besser, dass das bereits ausgereicht hat, um vom obersten Gerichtshof da grünes Licht zu bekommen! Und ist ihr Fall erst mal hieb- und stichfest und sie hat ihre rechtskräftige PÄ ohne OP, muss diese Möglichkeit auch anderen TS zur Verfügung stehen.

Tja, ich denke mal, es ist noch zu früh, um die Sektkorken knallen zu lassen, aber den Sekt bestellen kann man vielleicht schon. :D :D Und dann sollte auch DE mal schauen, wo die TsG-Reform bleibt.......

lg,

Charon
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QIK
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Anmeldungsdatum: 01.02.2010
Beiträge: 31
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Verfasst am: 19 März 2010 11:34 Titel:

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Das Schlimmste ist, dass ich die Argumentation des Innenministeriums (also Charons Hypothese) vollends nachvollziehen kann. Ich seh das sogar genauso. Wenn jemand der eine OP will den offiziellen Weg nicht geht, weil ihm das zu doof ist etc.pp. dann isser selber dran schuld. Also das soll jetzt um Himmels Willen nicht heißen, dass ich es gut finde, dass man sich operieren lassen muss(te).
Zu der Argumentation PÄ ohne OP gehört für mich aber (rein politisch) irgendwie noch das Argument "Ich lass mich doch nicht kastrieren, Menschenrechte, Recht auf Fortpflanzung laberrhabarber". So wie die Dame argumentiert hat ist es ernsthaft verwunderlich, dass sie das geschafft hat.
Umso schöner ist es aber natürlich.

Und die Signalwirkung auf Deutschland ist vielleicht ernsthaft nicht zu unterschätzen. Andererseits wird man in D wohl geneigt sein zu sagen, dass es die Problematik "Illegal im eigenen Land" aufgrund der Trennung von VÄ und PÄ so nicht gibt und somit kein Reformbedarf besteht.
Aber mal fröhlich vor mich hingeträumt: Österreich ist nach Schweden und Holland das dritte Land in dem es keiner PÄ bedürfen würde, richtig? So langsam wird das Nadelöhr immer kleiner und sich durch- bzw. rauswinde immer schwierigger, oder?

Andererseits frage ich mich, ob sich daraus für die Krankenkassen nicht eine Ablehnungsmöglichkeit einer Hysto ergibt. Wenn man ohne OP eine PÄ bekäme dann würde aus dem Vorhandensein weiblicher Fortpflanzungsorgane ja nicht per se mehr ein Leidensdruck erwachsen, oder?
Das würde heißen man müsste in jedem Einzelfall den eigenen Leidensdruck beweisen und er wäre nicht mehr alleine durch die Verwehrung einer kompletten rechtlichen Anerkennung des eigenen Geschlechtes gegeben.

Ich weiß immer noch nicht was ich mit dem Gedankengang anfangen soll.

--QIK

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Charon
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Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 263
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Verfasst am: 19 März 2010 20:44 Titel:

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Da sprichst du mir aus der Seele, QIK. Auch ich sehe die Möglichkeit, PÄ ohne OP zu bekommen, sowohl mit einem lachenden als auch mit einem weinenden Auge, denn ich seh da die Gefahr gegeben, dass keine KK mehr die Kosten für die OPs übernimmt, da man eben keine OP mehr braucht, um im seelischen Geschlecht offiziell anerkannt zu werden. Haben bei der jetzigen TsG-Fassung diejenigen TS die A-Karte, die keine OPs wollen, so wandert die A-Karte nach einer TsG-Reform zu denen, welche die OPs wollen und brauchen. Eine Problemverlagerung also, keine Problemlösung.

Und bei der derzeitigen wirtschaftlichen Entwicklung der Kassen wird an allen Ecken und Enden nach Einsparmöglichkeiten gesucht....und natürlich bietet es sich geradezu an, da bei den eh schon mißliebigen TS den Rotstift zu zücken!

Man hats ja bereits am Beispiel der Schweiz (siehe Beitrag hierzu) gesehen.....das Gesundheitssystem dort muß sparen, und selbstverständlich denkt man da an Einsparmöglichkeiten bei der TS-Behandlung. Dass das in punkto Sparen nicht wirklich was bringt, da wir TS einfach sehr wenige sind, das scheint keinen zu interessieren. Und die fetten Haie von Pharma-Magnaten werden nicht angetastet, mutieren doch die Politiker mehr und mehr zu den Hanswursten der Wirtschaftsbosse.

lg,

Charon
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Minka
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Anmeldungsdatum: 02.01.2010
Beiträge: 97


Verfasst am: 19 März 2010 21:35 Titel:

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Ich will nicht abstreiten, dass die Behandlung eines TS insgesamt gesehen nicht ganz preiswert ist. Aber es gibt Patienten bzw. Versicherte, die mehr Kosten verursachen. Und da wären wir z.B., wie Charon schon andeutete, bei der Pharmaindustrie. Es gibt inzwischen z.B. Krebs-Medikamente auf dem Markt, die kosten mal so locker 10000-20000 Euro pro Verordnung. Nur der Mensch, der sie benötigt und verordnet bekommt, dem ist das völlig (und das zu Recht) egal. Er weiß es meistens noch nicht einmal. Er weiß nur eins: er möchte weiterleben.

Zudem geht es bei Gedanken der Krankenkassen zur Kostenreduzierung nicht um bestimmte Versichertenkreise, sondern es wird viel globaler nachgedacht.

Im Falle der angedachten Kostenreduzierung bei einer Krankenhausbehandlung also gar nicht z.B. um die Gruppe TS selbst, sondern um eine insgesamte Durchleuchtung der Kostenentstehung bei einer stationären Behandlung. Nicht umsonst wurde der tägliche Pflegesatz im Krankenhaus zum überwiegenden Teil in pauschalierten Werten wie DRG und Fallpauschalen geändert. Und es wird die Aufenthaltsdauer trotzdem noch überprüft, wenn die Höchstverweildauer, die für eine jeweilige bestimmte Krankheit festgelegt wurde, überschritten wird. Das Krankenhaus respektive der behandelnde KH-Arzt hat also sehr genau darzulegen, warum eine Verlängerung der Verweildauer notwendig ist. Und wenn dies z.B. durch medizinische Komplikationen notwendig ist, dann werden auch diese weiteren Kosten von der Krankenkasse beglichen. Sollte sich jedoch herausstellen, dass das Krankenhaus Mist gebaut hat, dann wird es auf seinen Kosten sitzen bleiben. Der Patient wird jedenfalls niemals mit Kosten belastet werden, denn der kann nichts dafür.

Eins bleibt jedoch unbestritten: eine Krankenkasse ist kostenpflichtig für medizinisch behandlungsbedürftige Menschen oder um Krankheiten, die Kosten verursachen werden, zu verhüten. Und allein deswegen halte ich es für TS-Menschen schon wichtig, dass TS weiterhin als Krankheit definiert wird. Denn wie gesagt, so preiswert ist eine OP nicht, als dass man sie mal eben aus der Portokasse begleichen kann. Eine solche OP kostet je nach Einstufung der Diagnose(n)– auch ohne Komplikationen – mehrere tausend EUR. Und eine Nachbehandlung kommt dann noch dazu.


Liebe Grüße
Minka

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Goldmarie
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Anmeldungsdatum: 22.01.2010
Beiträge: 448
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Verfasst am: 20 März 2010 0:10 Titel:

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Ich stelle mir die Situation jetzt mal vor: Das TSG ist geändert, ein TS bekommt seine PÄ ohne OP. Nun ist er aber noch nicht glücklich, leidet vielmehr immer stärker unter seinem Körper und möchte sich noch operieren lassen. Die KK sagt: Ohne uns, das bezahlen wir nicht!

Nun könnte der TS doch argumentieren: Schaut Euch meinen Körper an - ich bin missgestaltet! So kann ich nicht leben, das ist unerträglich!

Das ist jetzt eine ganz neue Fragestellung. Inwieweit müssen Krankenkassen solche Korrekturen bezahlen?

LG Maria
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Charon
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Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 263
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Verfasst am: 20 März 2010 2:36 Titel:

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Das ist eine interessante Fragestellung, spiegelt sie doch die Problemverlagerung nach einer TsG-Reform gut wider. Psychisch unerträgliche Missgestaltung wäre ein Argument, das TS ins Felde führen könnten......

Aber wenn ich mir die Tendenzen innerhalb der Kassen so ansehe, habe ich da Bedenken. Nicht umsonst werden jetzt Kosten für Nadelepi bei TF, die früher standardmässig übernommen wurden, jetzt nicht mehr übernommen.....mit der Begründung, dass sei ja bloss ein "ästhetisches Problem". Eine Frau mit Vollbart-Wuchs bloss ein ästhetisches Problemchen, hä??? Und TF, die mit HRT allein null Brustwachstum haben, bekommen heute auch oft keine Brustvergrößerung mehr bezahlt....mit derselben Begründung. Da könnten die KK in Zukunft theoretisch auch die Ga-OP mit dieser Begründung ablehnen. Und schlimmstenfalls ebenso auch die HRT.... :? :?

Da stellt sich die Frage, ob überhaupt und wann die KK ein "Missgestaltetsein" als behandlungsbedürftig ansieht, und das dürfte nicht einfach werden. So gibt es z.B. auch Bio-Frauen mit enorm großen Brüsten, die natürlich auch psychisch darunter leiden.....aber eine Brustverkleinerung wird mit dieser Begründung nicht bezahlt.....sondern nur wenn die Frau Rücken - und Schulterprobleme aufgrund des Gewichts der Brüste bekommt, also "was Körperliches" nachweisen kann.

lg,

Charon
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Minka
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Anmeldungsdatum: 02.01.2010
Beiträge: 97


Verfasst am: 20 März 2010 13:47 Titel:

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Ja, Charon, da hast Du recht, auch solche Überlegungen sind nicht generell von der Hand zu weisen. Denn wie schon gesagt, die Entscheidungen werden grundsätzich nicht nach bestimmten Personenkreisen gefällt.

Da in vielen Fällen bei TS aber auch eine gewisse Behinderung im Alltagsleben und bei der Teilhabe am Alltagsleben vorliegt und auch nicht von der Hand zu weisen ist, manche ja sogar schon einen Schwerbehindertennachweis haben, sollte man nicht nur das SGB V. sondern vielleicht auch mal das SGB IX ins Auge fassen. Denn für diesen Personenbereich stehen auch eine ganze Menge Leistungen zur Verfügung.
siehe Gesetzestext hier: http://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbix/1.html

Und da haben wir es auf einmal nicht nur mit der Krankenkasse zu tun, sondern da werden die Kosten evtl. auf noch andere Leistungsträger verteilt.

Ist ja nur mal so ein Denkansatz und vielleicht eine Argumentation bei Leistungsanträgen. Den in der Sozialversicherung als solches gilt immer noch der Grundsatz "Reha vor Rente".

Liebe Grüße
Minka

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Charon
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Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 263
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Verfasst am: 20 März 2010 18:20 Titel:

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Das wäre ganz klar eine Möglichkeit. Wenn man als TS eben ganz klar eine durch die Körperlichkeit bereits vorhandene oder drohende Behinderung vorweisen kann, die aber durch bereits durchführbare medizinische Massnahmen (eben OP) vermieden bzw. signifikant gelindert werden kann, so steht die Argumentation schon auf solideren Beinen als bloss durch die persönliche Aussage, man wäre "missgestaltet".

Dazu müssten die TS freilich über ihren eigenen Schatten springen und sich bewusst selbst pathologisieren bzw. als eben sozial/psychisch behindert darstellen.....etwas, was kein TS gerne tut. Aber wenn der Leidensdruck hoch genug ist und man eben anders keine OP bekommt, muss man da in den sauren Apfel beissen und zu diesem Mittel greifen.

Ich sehe noch eine weitere Möglichkeit: Wenn ich nun die PÄ in der Tasche habe, bin ich vor dem Gesetz Mann bzw. Frau. Das heisst also, ich bin als TM kein "Männlein" oder "Mann 2. Klasse" oder gar "Drittes Geschlecht", sondern Mann. Nun gibt es aber Bio-Männer, die an Gynäkomastie leiden und deshalb weibliches Brustwachstum entwickeln und es gibt Männer, die ihren Penis durch z.B. Unfall oder als Kriegsgeschädigte verlieren. Und so jemand würde bestimmt von der Krankenkasse ohne Umschweife eine chirurgische Penis-Plastik bezahlt bekommen, und zwar auch "aus psychischen Gründen". Und die Krankenkasse muss das doch auch irgendwie begründen, dass in so einem Fall selbstverständlich gezahlt wird, mir aber ein Leben ohne Penis zugemutet wird, obwohl ich per Gesetz genauso Mann bin wie das Unfall-Opfer. Ein klarer Fall von Diskriminierung also !

Und die KK könnte da ihren Kopf nur aus der Diskriminierungs-Schlinge rauszuziehen versuchen, wenn sie die guten alten SoC rauskramt, nach denen ja "eine Stabilisierung des Zustandes in jedem Stadium" - also auch ohne OP - möglich ist. Und damit würde die KK ein Eigentor schießen, da sie sich durch das Heranziehen der SoC in die rechtliche Lage der Zeit vor der hypothetischen TsG-Reform begibt. Transmensch muss dann eben wie gehabt den Leidensdruck, der ohne OP nicht in den Griff zu bekommen ist, per Psycho-Gutachten nachweisen.

Und so würde es dann auch für TM funktionieren, die nur die Hysto wollen.....einfach das Komplett-Programm durchboxen, dann aber nur den ersten Teilschritt machen lassen und die Aufbau-OP absagen.

Das, was uns dann noch drohen könnte, wäre die Einführung einer Art von "Prioritätenliste", wie es sie in Schweden oder England (seltsamerweise beides Länder, wo PÄ ohne OP bereits möglich ist!) bereits gibt, und nach der TS mit 100% Sicherheit als "bloss was Psychisches" eine sehr niedrige Priorität haben wird. Und nun könnten die KK ganz locker sagen, dass im Zuge der allgemeinen Notwendigkeit zum Sparen Behandlungskosten für Krankheitsbilder mit einer sehr niedrigen Prioritätseinstufung generell nicht mehr übernommen werden.

Das würde dann heissen: Man argumentiert als TS zuerst mit Diskriminierung, die KK führt im Gegenzug dazu die SoC ins Feld. Und Behandlung nach SoC bei einem Störungsbild mit niedriger Priorität wird nicht mehr gezahlt. Wäre ein interessanter Rechtsstreit......

lg,

Charon
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Goldmarie
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Anmeldungsdatum: 22.01.2010
Beiträge: 448
Wohnort: Oberhausen

Verfasst am: 20 März 2010 19:44 Titel:

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Charon hat folgendes geschrieben:
Nun gibt es aber Bio-Männer, die an Gynäkomastie leiden und deshalb weibliches Brustwachstum entwickeln und es gibt Männer, die ihren Penis durch z.B. Unfall oder als Kriegsgeschädigte verlieren. Und so jemand würde bestimmt von der Krankenkasse ohne Umschweife eine chirurgische Penis-Plastik bezahlt bekommen, und zwar auch "aus psychischen Gründen". Und die Krankenkasse muss das doch auch irgendwie begründen, dass in so einem Fall selbstverständlich gezahlt wird, mir aber ein Leben ohne Penis zugemutet wird, obwohl ich per Gesetz genauso Mann bin wie das Unfall-Opfer. Ein klarer Fall von Diskriminierung also !


Genau das schwebte mir vor, als ich schrieb: "Ich bin missgestaltet!" Mir ist vollkommen klar, dass wir uns da auf dünnem Eise bewegen und von einem Erklärungnotstand zum anderen stolpern. Bei einer Prioritätenliste stehen Minderheiten wie wir auch wieder ganz unten. Und das, weil wir doch nur meschenwürdig leben wollen! :x

LG Maria
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Minka
Stammuser


Anmeldungsdatum: 02.01.2010
Beiträge: 97


Verfasst am: 20 März 2010 23:20 Titel:

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Charon hat folgendes geschrieben:
Nicht umsonst werden jetzt Kosten für Nadelepi bei TF, die früher standardmässig übernommen wurden, jetzt nicht mehr übernommen.....mit der Begründung, dass sei ja bloss ein "ästhetisches Problem". Eine Frau mit Vollbart-Wuchs bloss ein ästhetisches Problemchen, hä??? Und TF, die mit HRT allein null Brustwachstum haben, bekommen heute auch oft keine Brustvergrößerung mehr bezahlt....mit derselben Begründung. Da könnten die KK in Zukunft theoretisch auch die Ga-OP mit dieser Begründung ablehnen. Und schlimmstenfalls ebenso auch die HRT.... :? :? Charon



Ich kann ja verstehen, dass TS diese Problematik aus ihrer Sicht sehen. Aber es hat tatsächlich mit dem Thema TS überhaupt nichts zu tun. Die Begründung für eine Leistungsgewährung ist allein, ob es überhaupt noch im Leistungskatalog der gesetzlichen KK steht und wenn ja, welche medizinische Begründung der behandelnde Arzt dann liefert.


Charon hat folgendes geschrieben:
Da stellt sich die Frage, ob überhaupt und wann die KK ein "Missgestaltetsein" als behandlungsbedürftig ansieht, und das dürfte nicht einfach werden. So gibt es z.B. auch Bio-Frauen mit enorm großen Brüsten, die natürlich auch psychisch darunter leiden.....aber eine Brustverkleinerung wird mit dieser Begründung nicht bezahlt.....sondern nur wenn die Frau Rücken - und Schulterprobleme aufgrund des Gewichts der Brüste bekommt, also "was Körperliches" nachweisen kann.Charon



Na, dann liefert doch was Körperliches, respektive natürlich auch was Psychisches! Das ist in vielen Fällen eben auch eine Sache nach dem Motto: Wie sage ich es meinem Kinde. Und wohl gemerkt, nicht: Wie sage ich es meinem Feind (= KK). Wobei ich nicht abstreiten will, dass solches Handeln eine gute psychische Verfassung voraussetzt, die manche TS in solchen Momenten einfach nicht mehr haben. Aber dann könnte vielleicht manches mehr möglich sein, denn auch heute hört man immer wieder, dass TS diese Leistungen erhalten haben, auch wenn sie darum kämpfen mußten.

Liebe Grüße
Minka

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Minka
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Anmeldungsdatum: 02.01.2010
Beiträge: 97


Verfasst am: 20 März 2010 23:30 Titel:

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Hab noch was vergessen. Und da gebe ich Euch beiden recht. Als behindert zu gelten, das möchte niemand gern. Ist schon schlimm genug, das TS überhaupt als Krankheit gilt. Aber .... wenn es denn nützlich ist und Geld spart oder überhaupt manches erst möglich macht, dann, ja dann sollte man versuchen, über den eigennen Schatten zu springen. Es ist nämlich für einen guten Zweck und der gute Zweck seid ihr selbst. Und es wird niemand in eure Taschen gucken, ob da ein Behindertenausweis steckt. Ihr könnt ihn aber jederzeit rausziehen, wenn es für euch nützlich ist. :)

Liebe Grüße
Minka

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Charon
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Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 263
Wohnort: Bayern

Verfasst am: 21 März 2010 1:46 Titel:

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Minka hat folgendes geschrieben:

Ich kann ja verstehen, dass TS diese Problematik aus ihrer Sicht sehen. Aber es hat tatsächlich mit dem Thema TS überhaupt nichts zu tun. Die Begründung für eine Leistungsgewährung ist allein, ob es überhaupt noch im Leistungskatalog der gesetzlichen KK steht und wenn ja, welche medizinische Begründung der behandelnde Arzt dann liefert.



Ah ja, ich verstehe, da war ich wohl in der Sache mit der Nadelepi und der Brustvergrößerung doch zu sehr in der "TS-Denke" gefangen und damit in einer falschen Logik aus Sicht der KK. Danke für die Aufklärung, Minka!

Laut KK wurde wohl z.B. Nadelepi generell aus dem Leistungskatalog gestrichen, d.h. auch Bio-Frauen mit Hypertrichose bzw. Hirsutismus, die früher so ne Behandlung bekommen haben, bekommen sie also wohl jetzt auch nicht mehr. Es wurde also nicht "Nadelepi aufgrund von TS" gestrichen, sondern Nadelepi generell. Da muss man natürlich beim Argumentieren das Pferd anders aufzäumen, z.B. mit besonders schwerem Leidensdruck und eben extrem starker "Hypertrichose" (Bart) und darf nicht mit mit dem Gedanken, dass das aufgrund von Transphobie nicht mehr bezahlt wird, rangehen. Als Betroffener schwer zu schlucken, so eine Logik der KK. :?

Minka hat folgendes geschrieben:


Na, dann liefert doch was Körperliches, respektive natürlich auch was Psychisches! Das ist in vielen Fällen eben auch eine Sache nach dem Motto: Wie sage ich es meinem Kinde. Und wohl gemerkt, nicht: Wie sage ich es meinem Feind (= KK). Wobei ich nicht abstreiten will, dass solches Handeln eine gute psychische Verfassung voraussetzt, die manche TS in solchen Momenten einfach nicht mehr haben. Aber dann könnte vielleicht manches mehr möglich sein, denn auch heute hört man immer wieder, dass TS diese Leistungen erhalten haben, auch wenn sie darum kämpfen mußten.Minka






Was Körperliches zu liefern, ist bei TS leider gar nicht so leicht, da ja der Körper bei TS sozusagen normal funktioniert. :? Aber was man tun muss, und da hast du Recht: Man muss eben davon ausgehen, dass der Sachbearbeiter null Ahnung von TS hat und muss da erst mal seriös und höflich aufklären, bevor man auf "Konfrontations-Kurs" geht.......schwere Geschütze auffahren kann man danach immer noch, wenn die KK auch bei aller Liebesmüh keinerlei Einsicht hat.

lg,

Charon
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Elviera
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Anmeldungsdatum: 17.10.2009
Beiträge: 654


Verfasst am: 21 März 2010 2:09 Titel:

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Ihr Lieben, ich mische mich jetzt ungerne hier hinein und habe auch nicht wirklich was zu diesem Thema hinzuzufügen.
Aber ich habe gerade ein wichtiges Thema für einem neuen Strang von Euch geliefert bekommen, und ich möchte Euch biltten mich daran zu erinnern wenn ich es vergessen sollte.
Ich finde wir sollten nämlich auch mal was über den Umgang mit uneinsichtigen Sachbearbeitern schreiben und ggf. ein paar Strathegien austüfteln, wie man solche Leute ein wenig aus der Fassung bringen kann, und zwar auf die Weise, dass sie vielleicht ein wenig mehr Empfänglichkeit für unser Anliegen entwickeln und dadurch dann vielleicht auch eher geneigt sind ihren Ermessenspielraum auszuschöpfen.

Nicht dass ich es vergesse, denn wenn ich so überlege was ich da in zahlreichen Beiträgen, auch in anderen Foren so lese, da frage ich mich ob man den Verlauf eines solchen Gespräches nicht wenigstens ab und an so beeinflussen kann, dass es wenigstens ein bischen günstiger verläuft.
Ich glaube das wäre schon sehr wichtig.

Nu`aber weiter, ich wollte ganz gewiss nicht stören.

L.G. Elviera

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T-Stammtisch-Oberhausen.de Forum Foren-Übersicht -> Neues aus der Politik
Schweiz: Streichung der Ga-Op aus dem Leistungskatalog? :: Ts in Luxenburg
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Goldmarie
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Anmeldungsdatum: 22.01.2010
Beiträge: 448
Wohnort: Oberhausen

Verfasst am: 21 März 2010 14:45 Titel:

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Zur Nadelepilation: Ganz gestrichen aus dem Leistungskatalog ist sie nicht. Es funktioniert noch so: Egal ob Trans- oder Biofrau, ich gehe zum Hautarzt und er diagnostiziert Hirsutismus. Dann kann er mich entweder behandeln oder er überweist zu einem Kollegen, der mich behandeln kann. Für die Epilation mittels Elektrokoagulation bekommt er ein paar Euro (hab den genauen Betrag jetzt nicht im Kopf) für eine Sitzung von 5 Minuten. Er kann auch zwei Sitzungen hintereinander abrechnen.

So geht es zumindfest theoretisch und darauf beruft sich die Kasse. Dass es aus den verschiedensten Gründen (es dauert Jahre, der Arzt lehnt die Behandlng wegen der Gefahr der Narbenbildung ab usw.) in der Praxis nicht funktioniert, interessiert niemanden.

LG Maria
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Minka
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Anmeldungsdatum: 02.01.2010
Beiträge: 97


Verfasst am: 21 März 2010 16:22 Titel:

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Ja, Maria, da hast Du recht, das wäre eine der Möglichkeiten. Und wie Du ja selbst bisher leider schmerzlich erfahren mußtest: Es muss ein Kassenarzt sein, der diese Behandlung durchführt. Auch wenn er vielleicht nicht unbedingt der Kompetenteste dabei ist, weil ihm eventuell die Erfahrung fehlt.

Liebe Grüße
Minka

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broken_mad
Stammuser


Anmeldungsdatum: 27.01.2010
Beiträge: 36
Wohnort: Köln

Verfasst am: 23 März 2010 19:19 Titel:

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hallo zusammen,

möchte auch kurz meinen senf dazu geben...

da es mich ja direkt betrifft, muss ich da ein paar kleinigkeiten richtig stellen.

österreich hat kein tsg... es gibt nur empfehlungen; das heißt, es kann danach gehandelt werden, muss aber nicht.

ich hab nen bekannten in niederösterreich, der hat auch nach über zwei jahren therapie bei nem transtherapeuten keine testoindikation bekommen; obwohl die empfehlung nach 18 Monaten ist...

ich persönlich finde es auf der einen seite gut, man erspart sich viel geld und zeit... um zb. papiere etc. umschreiben zu lassen.
das mit der krankenkasse, dass die nicht mehr zahlen, glaub ich ehrlich gesagt nicht... in erster linie gehts uns ja darum, dass wir uns unserem gefühlten geschlecht angleichen wollen, was ja weder durch die vornamens noch durch die personenstandsänderung gegeben ist.
also denk ich auch, dass in zukunft die kassen weiter zahlen werden.

und wer weiß, wie oft diese empfehlungen jetzt wirklich noch über den haufen geschmissen werden...

in diesem sinne; schönen abend

jonas

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Charon
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Anmeldungsdatum: 21.01.2010
Beiträge: 263
Wohnort: Bayern

Verfasst am: 24 März 2010 2:07 Titel:

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Na ja, was die Testo-Indikation anbelangt, das liegt im Ermessen des Theras, also in seiner Sicht des betroffenen Patienten, ob er psychisch stabil genug für den Beginn der HRT ist. Seine Entscheidung, dass dein Bekannter eine längere Therapie bis zur HRT machen muss, ist also eine fachliche Entscheidung des Therapeuten und hat nichts mit den SoC zu tun, nach denen die KK sich richtet.

Dass VÄ und PÄ ohne körperliche Behandlung nicht generell ausreichen, um sich wirklich als Mann bzw. Frau zu fühlen, ist jedem von uns Betroffenen glasklar. Aber ist das den KK auch so glasklar? Die haben nämlich ne ganz andere Logik....und ich habe da schon Bedenken, dass das zu aus unserer Sicht völlig unlogischem, scheinbar transphobem Verhalten seitens der KK führen kann.

lg,

Charon
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