Outing endet nie

Soweit sie Ts betreffen

Outing endet nie

Beitragvon Michaela » 30. August 2014, 09:11

... wie dieser Artikel zeigt: http://www.spiegel.de/karriere/berufsle ... 88226.html

Der Fall ist noch nicht endgültig abgeschlossen, es ist jedoch nicht damit zu rechnen, dass das BAG anders urteilt.

Liebe Grüße
Michaela
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Re: Outing endet nie

Beitragvon Elviera » 30. August 2014, 11:34

Juristisch ist das ne klare Sache, da gibs nichts zu deuteln´und menschlich ist es ebenso.
Doch überlegen wir doch mal was ganz Anderes.
Man kennt ja die näheren Umstände nicht, aber so wie ich das einschätze liegt die Schuld da nicht nur alleine bei dem Personaler der Schmuckfirma.
Ich finde nämlich das der Disponent des Seelenverkäufers genau so Mist gebaut hat. Kunden, deren personelle Bedürfnisse sowie deren Grundhaltung gegenüber solcher Sonderfälle, wie es in diesem Falle eine Tf war? Nun die Kunden die er selber aquiriert hat die sollte man kennen und er hätte sich daher auch mal fragen sollen: Wenn schicke ich wo hin.
Ich sehe hier ne personelle Fehlbesetzung gleich in 2 Firmen was zu grandiosem Scheitern geführt hat.

L. G. Elviera
Schuft euch durch Strombart über Glenz,
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Re: Outing endet nie

Beitragvon Michaela » 31. August 2014, 09:16

Elviera hat geschrieben:Man kennt ja die näheren Umstände nicht, aber so wie ich das einschätze liegt die Schuld da nicht nur alleine bei dem Personaler der Schmuckfirma.
Ich finde nämlich das der Disponent des Seelenverkäufers genau so Mist gebaut hat. Kunden, deren personelle Bedürfnisse sowie deren Grundhaltung gegenüber solcher Sonderfälle, wie es in diesem Falle eine Tf war? Nun die Kunden die er selber aquiriert hat die sollte man kennen und er hätte sich daher auch mal fragen sollen: Wenn schicke ich wo hin.


Der Gedankengang ist durchaus Richtig. Das war auch meiner und ließ mich diesen Artikel einstellen.

Andererseits, wenn man sich das Urteil einmal zu Gemüte führt, entdeckt man Ungereimtheiten.

Selbst schon im Artikel: Nach dieser Begrüßung stapft man noch zum Gespräch mit dem Logistikleiter, der nicht mal Personaler ist? Und auf Nachfrage, wann am nächsten Werktag Arbeitsbeginn sei (man anfangen könne), man ohne Antwort bleibt, wird trotzdem davon ausgegangen, dass man die Stelle bekommt? Ferner wird die Zeitarbeitsfirma nicht über den Verlauf des Gespräches – in allen Einzelheiten – unterrichtet. – Wie Schmerzfrei ist man heute eigentlich, um in Lohn und Brot zu kommen???

Ich bin selbst bei einer Zeitarbeitsfirma beschäftigt und wenn ich mal nicht zum Vorstellungsgespräch begleitet werde, gibt es umgehend an diese immer via Telefon Feedback.

Die angesprochene Schmerzfreiheit wandelt sich dann im Laufe der Zeit in ein tödliches Verletzt sein und man reicht Klage wegen Diskriminierung ein? Fehlt eigentlich nur noch die Klage auf Einstellung. Wird nicht begriffen, dass es immer eine/n bessere/n, geeignetere/n Bewerber/in gibt, aus welchen Gründen auch immer? Dies insbesondere dann, wenn man sich nicht zu verkaufen weiß.

Die Frage von der Bewerberin, wann man denn anfangen könne, ist für die Bewerberin tödlich. Erst recht, wenn sie so differenziert wie hier gestellt wird. Diese Frage muss vom potenziellen Arbeitgeber kommen!

Das Urteil zeigt zweierlei auf: Jeder Mensch hat eine andere Wahrnehmung. Während die Disponentin in der Zeitarbeitsfirma wohl keine Probleme sah, war es beim Logistikleiter völlig anders.

Für uns TS: Wie hoch ist unsere Erwartungshaltung und wie selbstkritisch gehen wir mit uns und unserer Umwelt um? Das Offenbarungsverbot nach erfolgter VÄ/PÄ ist kein allumfassender Schutz und man selbst muss entscheiden, ob ein (frühes) Outing sinnvoll ist oder nicht.

Zitat aus dem Urteil:

„Nach den allgemeinen Darlegungs- und Beweislastregeln hat der bzw. die Geschädigte sämtliche anspruchsbegründenden Tatsachen darzulegen und gegebenenfalls zu beweisen. § 22 AGG bietet für die Geltendmachung eines Anspruchs aus § 823 Abs. 1 BGB wegen Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts keine Erleichterungen (BAG, Urteil vom 15. März 2012 – 8 AZR 160/11 – AP Nr. 10 zu § 15 AGG, Rz. 75 ff. m. w. N.).
Aus dem Vortrag der Klägerin ergibt sich keine schwerwiegende Verletzung ihres Persönlichkeitsrechts oder ein schwerwiegender Verschuldensvorwurf, der der Beklagten zu 2) zu machen wäre.“

Wir müssen uns also frühzeitig darüber Gedanken machen, ob wir u. U. auf das AGG zurückgreifen wollen oder nicht.

Liebe Grüße
Michaela
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Re: Outing endet nie

Beitragvon Charon » 1. September 2014, 01:07

Nun ja, ich denke mal auch, dass hier letztendlich alle drei beteiligten "Parteien", d.h. der Fuzzi von der Zeitarbeitsfirma, der Typ von dieser Schmuckfirma und auch die TF, Fehler gemacht haben.

Wobei der Fehler der TF noch am verständlichsten ist, denn die wurde durch die Verwechslung persönlich tief verletzt. Sowas schmerzt natürlich und verleitet zu solchen Übersprungshandlungen wie dem Prozessieren wegen Diskriminierung.

Aber sie hätte etwas mehr Fähigkeit zur Selbstkritik haben müssen und sie hätte sich Gedanken darüber machen müssen, ob ihr Passing gut genug ist, um solche Verwechslungen auszuschließen. Auch hätte sie sich überlegen sollen, ob sie denn für einen Job bei einer Schmuckfirma die richtige Wahl ist, denn bei so einem "eitelkeitsbezogenem" Unternehmen kommt es nunmal aufs (feminine) Äußere an..... viele solcher Unternehmen sind hier so streng, dass diese Anforderung auch für Jobs ohne direkten Kundenkontakt (Logistik klingt ja danach) gilt, d.h. körperliche Attraktivität ist hier oft Teil der Unternehmenskultur. Und die TF hätte dem Seelenverkäufer die Frage nach der Eignung auch stellen können ohne sich direkt zu outen, so in der Art "Ich bin ja eher der etwas herbere Typ Frau, meinen sie nicht, dass für diesen Job mehr blablabla undsoweiter" Aber auch ihr Verzicht auf diese kritische Frage ist verständlich, denn sie wollte ja dringend nen neuen Job und nicht bei der Zeitarbeitsfirma als Querulantin oder gar als arbeitsunwillig dastehen.

Bei der Zeitarbeitsfirma und dem Schmuckhersteller hätten ganz klar kühlere Köpfe am Werk sein müssen, deren Verhalten war ganz klar unprofessionell ! Der Zeitarbeitsfuzzi muss doch seine Kunden kennen und daher wissen, wie diese Schmuckfirma so drauf ist und welcher Typus von Bewerberin hier gefragt ist. Mal ehrlich, ich bin kein Personaler, aber mir sagt allein schon der gesunde Hausverstand, dass man eine TF mit magerem Passing bei einem Hersteller von Designerschmuck genausowenig unterbringt wie einen Übergewichtigen in einem Sportartikelladen.

Und der Typ von der Schmuckfirma ist kein diplomatisches As.....der hätte seine Angst vor "Männern in Frauenklamotten" einfach nur kurz runterschlucken müssen und die Bewerberin nach ihrem Namen fragen. Dann wärs klar gewesen, wen er vor sich hat. Er hätte dann das Interview ganz normal durchführen können und dann der TF unter Angabe eines Blabla-Grundes die Absage servieren. So einfach wärs gewesen, schnörkellos ganz ohne Theater.

Schon traurig, wie viele ungeeignete Leute Entscheidungen treffen dürfen........und hier hat eine Aneinanderreihung von Fehlern zu diesem Prozess geführt.

lg,

Charon
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