Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Soweit sie Ts betreffen

Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Minka » 9. November 2014, 02:30

Hallo,

hier mal ein Artikel aus dem medicalforum.ch zum Thema:

Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie
Beratungs- und Behandlungsempfehlungen bei TransPersonen
von David Garcia, Patrick Gross, Myshelle Baeriswyl, Dieter Eckel, Dorothea Müller, Caroline Schlatter, Udo Rauchfleisch

http://medicalforum.ch/die-zeitschrift/ ... horie.html

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Re: Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Bianca » 9. November 2014, 11:11

Moin,

das liest sich ja zunächst mal ganz vernünftig. mal sehen,was davon in der Praxis ankommt.

LG Bianca
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Re: Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Charon » 10. November 2014, 01:45

Schön langsam scheint man wohl einzusehen, dass es für die Behandlung von TS kein "Schema F" gibt ?

lg,

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Re: Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Elviera » 10. November 2014, 02:07

Grippe hat wer....
Wenns im Bereich der Psychiatrie immer so einfach wäre.
Und wenn man mich fragt was ganz oben auf meinem Wunschzettel steht dann würde ich sagen dass ich mir wünschen würde das sich das endlich mal nicht nur unter den Medizinern rumsprechen würde, sondern dass sie das auch akzeptieren, und die Leute beizeiten, d. h. so schnell als möglich an den Fachatzt überweisen würden.
Und von dem würde ich mir wünschen das wo immer möglich mit Psychotherapie gearbeitet werden würde. Ausheulen kann man sich nämlich auch bei der Telefonseelsorge, und ne Happypille verschreibt der Allgemeinmediziner was weiss ich wie lange sowieso schon, bevor die Sache mit dem Facharzt überhaupt auch nur angedacht wird.
Ach ja, was ich mir noch wünsche wäre das der Rat zu einem Facharzt dieser Art zu gehen auch von den Patienten auch angenommen wird.
Ganz besonders wenn es das erste Mal ist.
Da ist nämlich nix Ehrenrühriges dabei zum Seelenklempner zu gehen. Später irgendwann versteht man das, aber viel Leiden kann man sich ersparen wenn mans nicht später sondern sofort versteht.

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Re: Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Charon » 11. November 2014, 00:47

Das mit der von den Deutschen angenommenen "Ehrenrührigkeit" eines Besuchs beim Psych, da könnten wir ausnahmsweise mal sehr viel aus dem anglo-amerikanischen Raum lernen. Bei den Amis ist es was ganz Natürliches, bei diversen Problemen zeitig zum Psych zu gehen. Mal ehrlich: Wie viele TS gehen erst dann zum Psych, wenn es bereits 5 nach 12 ist ?

Die haben vorher also schon mächtig lange gelitten, und die Folge davon sind dann nicht selten andere psychische Probleme, die durch die TS mitverursacht worden sind, wie z.B. Suchterkrankungen oder schwere Depressionen. Wenn "nur TS" vorliegt, kann man mit Hilfe der Begleittherapie m.E. noch recht gut seinen persönlichen Weg finden, aber mit jeder zusätzlichen F-Diagnose wird der Weg steiniger. Das allein sollte schon Grund genug sein, sich frühzeitig Hilfe zu holen. Dieser Wunsch ist aber nicht leicht zu erfüllen, denn der "Peinlichkeitsfaktor" hierzulande beim Gang zum Psych ist kein TS-spezifisches Problem, sondern ein gesellschaftliches bzw. kulturelles.

Ebenfalls ein gesellschaftliches Problem ist die Überschätzung der reinen Apparate-Medizin, während sogar unter Ärzten manchmal die Meinung vertreten wird, Psychotherapie bewirke so gut wie nichts, weil sie eben nur eine apparate - und zahlenlose "Laberdisziplin" ist. Und wenn ein technikverliebter Arzt nichts von Psychotherapie hält, dann wird er auch keine frühzeitige Überweisung ausstellen und dem Patienten klarmachen, dass eine Psychotherapie nötig wäre. Ein Arzt verordnet nunmal nichts, von dessen Wirksamkeit er nicht überzeugt ist.

Auch diese Überschätzung von klassischer Naturwissenschaft und Technik gepaart mit einer Geringschätzung aller Fächer, die nicht mit Zahlen und Formeln aufwarten können, ist ein zeitgeistbedingtes Phänomen, d.h. auch in der Gesamtbevölkerung dürfte der Glaube an die Sinnlosigkeit von Psychotherapie weit verbreitet sein.

Probleme also, die sich nicht von heute auf morgen lösen lassen, da sie ein Umdenken in der Gesellschaft erfordern.

lg,

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Re: Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Bianca » 11. November 2014, 13:42

Charon hat geschrieben: denn der "Peinlichkeitsfaktor" hierzulande beim Gang zum Psych ist kein TS-spezifisches Problem, sondern ein gesellschaftliches bzw. kulturelles.


Moin,

das kannst du laut sagen. Was hat mein Dad damals gewettert, als es geheißen hat ich,ich gehe in Psychotherapie. Alles Quacksalber und so,eigene negative Erfahrungen berichtet... Klar,wenn ich dem ganzen ablehnend gegenüber stehe,kann das auch nichts bewirken. Mir wurde meine TS ja auch eingeredet bzw. die Gutachten waren nur Gefälligkeit,damit ich meinen Kopp durchsetzen konnte!! Hahaha....
Diese Denkmuster sind leider sehr weit verbreitet hier.

Charon hat geschrieben:da könnten wir ausnahmsweise mal sehr viel aus dem anglo-amerikanischen Raum lernen.

Stimmt!

LG Bianca
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Re: Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Minka » 15. November 2014, 12:48

Hallo,

trotz Anwendung der neuen Behandlungsrichtlinien in der Schweiz ab Mai 2014 ist dort scheinbar noch Vieles nicht up to date:

http://www.nzz.ch/zuerich/sterilisation ... 1.18425181

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Re: Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Charon » 16. November 2014, 00:57

Nun ja, da sind zwar nette Behandlungsrichtlinien, aber es scheint in der Schweiz noch nie sowat wie ein TsG gegeben zu haben, das exakt regelt, was man für VÄ und PÄ braucht. Daher sieht das schon so aus, als ob es da mangels knallharter, bindender §§ gar keine rechtliche Sicherheit für die Betroffenen gibt und der Willkür der Gerichte daher Tür und Tor geöffnet wird ?

Auch so ein Punkt, über den sich die "Das-TsG-gehört-komplett-abgeschafft-Fraktion" mal Gedanken machen sollte. Ein behördliche Änderung der Identität ist nunmal was Juristisches und nichts Medizinisches. Und so nervtötend die Verliebtheit der Deutschen in die §§ oft ist, so geben einem möglichst exakt formulierte, bindende Gesetze eben auch rechtliche Sicherheit. Bessere Menschen haben wir leider nicht, daher kommen wir nicht ohne §§ aus.

Was mich auch aufhorchen läßt, sind die in diesem Artikel erwähnten niederländischen Zahlen: Einer pro 200 Menschen soll betroffen sein ? Das wären ja ganze Legionen von TS......ob das noch mit rechten Dingen zugehen kann ? Die Prävalenz hätte sich gemäß dieser Zahlen binnen kürzester Zeit vervielfacht, denn vor gar nicht allzulanger Zeit habe ich noch sowat in der Größenordnung einer aus 20 000 gelesen. :o Da TS aber keine Infektionskrankheit ist, stellt sich wieder mal die Frage, ob TS zur Zeit nicht doch sowas wie ein Modetrend geworden ist......

lg,

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Re: Von der Transsexualität zur Gender-Dysphorie

Beitragvon Elviera » 16. November 2014, 01:36

Also mir ist die Zahl einer von Tausend bekannt, aber die habe ich immer angezweifelt und war der Meinung dass es schon mehr sein müssten.
Einer von 200 stelle ich aber genauso in Frage, auch wenn es sich vielleicht derzeit so darstellen mag dass diese Zahl realistisch ist.
Das mit dem Modetrend ist ja ein Verdacht den viele hegen, und ich denke das viele Leute, heissgemacht durch die sozialen Netzwerke, also Leute die sich völlig folgerichtig als DWT oder Tv verstanden haben sich nun was einreden was nicht der Realität entspricht.
Damit aber nicht genug da rennen die Gruppen nun auch noch in die Schulen und setzen Pubertierenden Flöhe ins Ohr und/oder wühlen dort auf was man. zunächst jedenfalls, lieber bedeckt halten sollte.
Zwar in den besten Absichten aber ohne jede Überlegung und auch ohne auch nur den Dunst eine Ahnung was sie damit gerade bei jungen Leuten vielfach auslösen werden.
Ich habs kürzlich schon mal gesagt, ich fürchte da rollt ne Suizidwelle auf uns zu deren Ausmass derzeit noch nicht abzuschätzen ist.
ich denke aber das die Psychologen mit ihren neuen Behandlungsrichtlinen, woran sie derzeit arbeiten, und zwar genau aus diesen Gründen, dagegen steuern werden.
Und einige Auswirkungen sind bereits jetzt schon spürbar.
Vor etwa einem Jahr hätte ich auf die Frage wie lange denn so ne Transition dauert geantwortet: Wenn alles normal verläuft und man sich ranhält dann kann es in 2 Jahren über die Bühne gehen.
Heute jedoch würde ich sagen dass es immer noch möglich ist es in 2 Jahren zu schaffen, aber man sich doch besser auf 3 Jahre einrichten sollte.
Es scheint sich also durchaus was zu bewegen.

Übrigens was mir noch aufgefallen ist:
Die Psychologen machen mit der Ausarbeitung neuer Behandlungsrichtlinen ja einen Alleingang.
Offensichtlich sehen sie die derzeitige Richting, welche die Politik mit ihren ganzen Gleichstellungskram, ohne auf die gesellschaftlichen Gegenenheiten wie sie nun mal sind Rücksicht zu nehmen oder auch nur danach zu fragen, eingeschlagen hat genau so kritisch wie ich?

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