Transsexualität und Strafvollzug

Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Elviera » 19. Mai 2015, 01:20

Hier haben wir ein Feld vor uns das bei allen Reformen der letzten Jahrzehnte weitestgehend unbeachtet geblieben ist

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/2.3017/die-wollen-mich-fertigmachen-11404093.html
Ist es etwa immer noch so das wenn die Vollzugsdiretion es will lediglich der Cromosomensatz darüber entscheidet ob man im Frauen oder Männerknast landet, was aber auch genau so gut auch Knastpsychiatrie bedeuten kann, wo man dann unter Haldol stehend der Entlassung endgegendämmert?


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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Charon » 20. Mai 2015, 01:36

Tja, eigentlich sollte der Knast nicht nur Strafe sein, sondern *theoretisch* auch der Resozialisierung dienen.

Und wenn man den Resozialisierungsgedanken verfolgt, dann müsste für transsexuelle Häftlinge ein Alltagstest im seelischen Geschlecht realisiert werden. Für die TF in diesem Artikel hieße das: Sie hat nunmal den Banküberfall auf dem Kerbholz, also hat sie ein schwierigeres Umfeld für ihren Alltagstest, und dieses Umfeld müsste eben Frauenknast heißen, damit man von Alltagstest reden kann.

Und die Knast-Psychologen müssten doch clever genug sein, um einen Betrüger zu entlarven, der sich als TS tarnt nur weil er meint, im Frauenknast ists schöner als im Männerknast.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Goldmarie » 20. Mai 2015, 02:37

Nö, nicht der Chromosomensatz entscheidet, sondern der Eintrag im Personenstandsregister.
Das ist aber letztlich nur eine juristische Feinheit, die Schwierigkeiten liegen im ganz persönlichen Bereich, und da werden alle die Probleme haben, die nicht hundertprozentig der Norm entsprechen.
Wie ergeht es einem Transmann ohne Aufbau im Männerknast? Das mag ich mir gar nicht ausmalen.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Elviera » 20. Mai 2015, 09:18

Ja wenn man die Pä durch hat ist man verm. fein raus, obwohl ich mir da auch nicht so sicher bin.
Ich könnte mir schon vorstellen dass es im Strafvollzug da noch einige Sonderregelungen gibt von denen wir nichts wissen.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Charon » 21. Mai 2015, 00:45

Jaja, wenn man die PÄ schon hat und dann erst einfährt. Die TF im Artikel scheint aber noch nichts zu haben und sie scheint keinerlei Zugang zu den Dingen zu erhalten, die es braucht, um überhaupt vorwärts zu kommen, d.h. Alltagstest und Psychotherapie. Hier liegt wohl ihr Hauptproblem.

Zu dem TM ohne Aufbau: Wenn der HRT und Mastek sowie VÄ/PÄ hat, so denke ich, wäre der im Männerknast besser aufgehoben. Einzelzellen (wegen pinkeln an der Schüssel ohne Sichtschutz) gibts im Knast etliche und die Gründe sind vielfältig, warum Leute in Einzelzellen sind, d.h. der TM müsste sich deswegen nicht outen. Alleine duschen sollte auch in den Knastalltag integrierbar sein, ohne dass das den anderen Häftlingen zu sehr auffällt und deswegen unangenehme Fragen kommen. Ich gehe nicht davon aus, dass die Häftlinge immer genau nachsehen, wer da in der Duschgruppe ist und wer nicht. Und im Alltag (Arbeit und Freizeitgestaltung im Knast) sollte der fehlende Aufbau eigentlich nicht zum Tragen kommen.

Ganz anders wäre es im Frauenknast: Hier könnte der TM nicht existieren, ohne sich 24/7 als Transe zur Schau stellen zu müssen, denn abgesehen von den Genitalien hat der ein männliches Äußeres, häufig auch mit brauchbarem Passing. Frauenknast wäre da eine Katastrophe.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Charon » 22. Mai 2015, 01:20

Bedenklich finde ich auch folgende Aussage der TF: "Der ehemalige Anstaltsleiter hat gesagt, ich wäre schon draußen, wenn ich nicht so rumlaufen würde"

Normalerweise bin ich ja skeptisch wenn TS behaupten, jemand (z.B. bei einer Behörde) würde ihnen absichtlich und aus bösem Willen Steine in den Weg legen. Aber hier bin ich mir da gar nicht so sicher, ob das nicht tatsächlich so gelaufen ist und der TF nur wegen der TS eine frühere Entlassung auf Bewährung aufgrund von guter Führung verweigert worden ist. Das wäre ein Unding.....ein Fall von psychischer Folter.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Elviera » 22. Mai 2015, 01:32

Wie es in diesem Falle ist das sei mal dahingestellt, denn was ich mich vielmehr frage ist: Wie mag das in der Praxis des Alltags laufen.

Ich sehe da erhebliche Probleme bei der Integration in den Knastalltag denn die völlige Isolation ist wahrscheinlich nicht möglich. In den Duschräumen, dort gibs z. B. keine Kabinen (wegen der Aufsicht) Als einzige Möglichkeit bliebe da ein Exclusivtermin zum duschen. Ob man aber immer bereit ist den auch einzurichten?
Nicht zuletzt muss man sich ja in den Arbeitsalltag eingliedern, und das heisst dass es genügend Berührungspunkte zu anderen Strafgefangenen geben wird. Und unter denen sind zierlich gebaute Jungs recht beliebt.
Und sollte dann festgestellt werden das in der Hose auch nicht alles so stimmig ist wie es sein sollte dann reicht meine Phantasie ehrlich gesagt nicht aus um mir auszumalen wie es dann weitergehen wird. Wenn man sich dann nicht wehren kann wird man schnell zum Opfer, davon abgesehen dass man sich in der Knasthierarchie eine Position erobern muss wenn man nicht zum Prügelknaben werden will.
Als einzigste Abhilfe sehe ich da nur die vollständige Isolation, aber ob das ne Hilfe ist? Ich will hier nicht von Folter reden denn mögen auch die besten Absichten dahinterstehen, so
weiss man doch ganz genau das bei längerer Isolationshaft die seltsamsten Dinge mit den Menschen geschehen.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Elviera » 20. September 2016, 12:26

Ich lasse das mal unkommentiert, so viel aber sei gesagt: Mir ist schon irgendwie die Spucke weggeblieben.
http://www.swp.de/bietigheim/lokales/besigheim/Transgender-im-Maennerknast;art1223159,4009197

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Charon » 21. September 2016, 01:40

Da bleibt einem wirklich die Spucke weg, und zwar nicht nur wegen der Unterbringung im Männerknast trotz PÄ. Allein die Behandlung durch die Polizei, sowat läßt einen an irgendwelche Bananenrepubliken denken. Und irgendwie fürchte ich, die Fälle in dieser Richtung werden noch schlimmer werden. Wir wissen ja angesichts der aktuellen Entwicklung in DE, u.A. abzulesen aus den aktuellen Wahlergebnissen: Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem dies kroch ! Wäre es tatsächlich schon möglich, dass man gewisse menschenverachtende Verhaltensweisen Minderheiten gegenüber bereits wieder als "salonfähig" ansieht, obwohl sie noch keinesfalls legal sind ? Und damit meine ich sowohl das Verhalten von Polizei und Justiz in diesem Falle, als auch das dieser Schreibertrulla.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Goldmarie » 22. September 2016, 02:11

Das ist ein sehr seltsamer Artikel, da geht ja auch begrifflich einiges durcheinander. Und die Protagonistin scheint sich ja auch sehr seltsam verhalten zu haben. "Als Frau anerkannt" - heißt das PÄ? Oder nur VÄ? Man weiß es nicht. Und wenn sie nicht operiert war und nackt herumgelaufen ist, darf sie sich nicht wundern, wenn sie im Männerknast landet. Im Übrigen scheint es der Journalistin Heike Römmel nur darum gegangen zu sein, einen reißerischen Sensationsartikel zu schreiben.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Elviera » 22. September 2016, 02:39

Das ist es ja, den Journalisten geht es ja fast immer um reisserische Artikel, das bringt Auflage oder Einschaltquoten. Es interessieren sich in der Hauptsache auch nur Sender wie Rtl und dergleichen für das Thema, und welche Zielgruppe die haben, das ist bekannt. Vernünftige Berirchterstattung ist beim Thema Ts eher selten, zumindest habe ich den Eindruck.
Und genau das ist auch der Hauptgrund warum ich Presseanfragen den Stammtisch betreffend immer ablehne. Die Letzte war vor etwa 14 Tagen.
Sender wie Arte bringen solche Reportagen nicht oder nur selten. Wenn sie das Thema aufgreifen dann ist es eher wissenschaftlich, oder in Form eines Spielfilms, und ehrlich gesagt ist mir das auch am liebsten

Was ich mich aber bei der ganzen Sache immer wieder frage ist ob, sich mit solchen Artikeln und Berichterstattungen unsere Position in der Gesellschaft spiegelt?
Was wollen die Leute sehen, was erwarten die Leute, ganz selbstkritisch jetze und ohne Polemik, ne saubere Berichterstattung über Ts?
Wohl eher nicht vermute ich mal.

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Re: Transsexualität und Strafvollzug

Beitragvon Charon » 23. September 2016, 01:25

Elviera hat geschrieben:Was ich mich aber bei der ganzen Sache immer wieder frage ist ob, sich mit solchen Artikeln und Berichterstattungen unsere Position in der Gesellschaft spiegelt?


Die Sensationslust, die ist ja genrerell da und bezieht sich nicht nur auf TS, von daher ist gerade bei bildungsfernem Publikum auch bei anderen Themen reißerische Berichterstattung gefragt. Von daher gab es immer schon viel Schrott über TS auf RTL und co., aber man hat sich selbst beim Schrott meist um ein Mindestmaß an Höflichkeit und PC bemüht und die derbsten Fettnäpfchen vermieden, auch wenn so manche Kampftranse jede noch so gute Berichterstattung verrissen hat. Anders bei diesem Artikel.......

Um auf Elvieras Frage einzugehen: Ja, ich denke schon, dass sich in Ton und Niveau der Berichterstattung unsere Position in der Gesellschaft spiegelt. Zum besten stand es definitiv nie um uns, siehe RTL und co. Die Position in der Gesellschaft spiegeln, das bedeutet auch, dass sich die Berichterstattung mit einer Veränderung unserer gesellschaftlichen Position auch verändert, und zwar zum Guten wie zum Schlechten......ein Spiegel der Gesellschaft eben.

Dieser Artikel wirkt auf mich schon so als gäbe es da sowohl inhaltlich (d.h. das Verhalten der Behörden gegenüber dieser TF) wie auch sprachlich (d.h. die Wortwahl der Schreiberin) einen Rückschritt. Von daher denke ich mal würde es sich wieder lohnen, die laufende Berichterstattung über TS mitzuverfolgen, ob sich da inhaltlich und sprachlich ein Negativtrend abzeichnet. Wenn ja, dann würde sich der Rechtsruck in der Gesellschaft schön langsam in der Berichterstattung niederschlagen und die per Gesetz erzwungene Toleranzfassade beginnt sichtbar zu bröckeln. Ein Warnsignal für uns !

In der selben Ecke verorte ich übrigens die plötzlich viel offeneren israelkritischen Berichte (Stichwort Wasserversorgung, ich hab in nem anderen Strang ne ARD-Quelle verlinkt) und die offenere Berichterstattung über die Probleme mit der Zuwanderung. Sachen, über die man bis vor Kurzem noch nicht so freizügig berichtet hätte ! Optimistische Geister sehen im Schlachten dieser heiligen Informations-Kühe einen Siegeszug der Meinungsfreiheit und Demokratie. Ich aber frage mich, warum es denn bei der Presse plötzlich mehr Demokratie und Freiheit geben soll, obwohl sich sonst alles eher in die totalitäre Richtung zu bewegen scheint und ein sichtbarer Rechtsruck beim Bürger da ist.......

.........aber vielleicht muß bloß meine Haldol-Dosis erhöht werden.

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