Unwort des Jahres: Gutmensch

Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Goldmarie » 13. Januar 2016, 17:35

Im Oberhausener Teil der WAZ wurden Meinungsäußerungen zu der Frage "Was halten Sie vom Unwort des Jahres: Gutmensch?" veröffentlicht:

http://www.derwesten.de/staedte/oberhausen/was-halten-sie-vom-unwort-des-jahres-gutmensch-aimp-id11458610.html

Hierbei - auch bei der offiziellen Begründung der Jury - wurde darauf abgehoben, dass Gutmenschen als naiv und gutgläubig angesehen werden. Ich denke aber, dass da noch viel mehr dahintersteckt.

Gutmenschen unterstellt man, dass sie zwar Gutes wollen, mit ihrem Engagement aber Schlechtes bewirken.

Es gibt noch eine Steigerung: Man unterstellt Gutmenschen, dass sie nur heucheln, Gutes bewirken zu wollen, in Wirklichkeit nur sich selbst als leuchtendes Vorbild darstellen wollen.

Schlimmer noch: Man unterstellt Gutmenschen, dass sie mit ihren Weltverbesserungsambitionen nur ihre Mitmenschen manipulieren wollen.

Im Gegensatz zu den meisten Meinungsäußerungen finde ich, dass "Gutmensch" wirklich ein Unwort ist, ein ganz besonders schlimmes dazu. Wer dieses Wort benutzt, tut genau das, was er anderen vorwirft: er manipuliert. Am liebsten würde ich die Benutzung dieses Wortes verbieten und unter Strafe stellen.

LG
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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Elviera » 14. Januar 2016, 00:37

Hallo Maria,
das Wort Gutmensch habe ich immer anders definiert.
Ein Gutmensch ist ein Mensch der unter allen Umständen gutes tun will, auch wieder besseren Wissens .
Er verschliesst sich jeder vernünftigen Argumentation teils sogar besseren Wissens, aber es kann auch genau so gut Naivität sein.
Viele stehen in der direkten Nachfolge Jesu ohne dass es ihnen Bewusst ist.
Schlägt man sie au die linke Wange halten sie auch noch die Rechte hin. Denn ein Gutmensch von rechtem Schrot und Korn wird auch aus der gemachten Erfahrung nicht klug und gibt auch dann normalerweise nicht ihre Einstellung zum Helfen auf.

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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Goldmarie » 14. Januar 2016, 00:48

So kann man es auch ausdrücken. Die Definition klingt zwar anders, ist aber meiner im Prinzip ähnlich.
Nur finde ich, dass man diesen Vorwurf niemandem machen sollte, denn man unterstellt damit, die Beweggründe dieser Person besser zu kennen als sie selbst.

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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Elviera » 14. Januar 2016, 01:21

Hallo Maria,
das ist kein Vorwurf ein Gutmensch zu sein, im Gegenteil!
Das Problem ist nur das Gutmenschen immer viel Dresche bekommen im Leben. Und wenn man jemand darauf aufmerksam macht dass er ein Gutmensch ist dann geht es darum den Gutmenschen zu schützen.
Nun haben wir aber hier wieder das alte Problem. wenn man nämlich versucht zu helfen, auch dann wenn man nicht wirklich darum gebeten worden ist, dann zieht man sich oft den Zorn der Leute zu, weil man sich ungefragt/ungebeten einmischt.
Und wenn man einem Gutmenschen sagt er solle mal auf den boden der Tatsachen kommen dann soll das keine Beleidigung oder dergleichen sein, sondern Hilfe und Schutz!
Ein Gutmensch zu sein ist weiss Gott keine schlechte Eigenschaft, sondern im Gegenteil, es ehrt einen wenn man als Gutmenschen beurteilt wird.
Nur leider ist es so das Gutmenschen im Leben immer verdammt viel auf die Fresse bekommen. Und das hat den Grund das der Gutmensch eine leider nicht so häufig vorkommende Spezies ist sie aber nach Strich und Faden ausgenutzt werden.
So was zum Unwort zu wählen? Also die Verantwortlichen waren mit Sicherheit kein Gutmenschen, aber wahrscheinlich von der Fakultät die den Gutmenschen das Leben schwer machen.

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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Goldmarie » 15. Januar 2016, 02:38

Ja, so klingt das natürlich ganz anders. Ich weiß nicht, ob man das so extrem sehen kann oder ob Deine Einschätzung da nicht etwas überzogen ist. Meine Einschätzung, was so alles den Gutmenschen unterstellt wird, ist ja vielleicht auch etwas überzogen. Eines scheint mir aber klar zu sein: Für die meisten Menschen hat der Begriff "Gutmensch" einen negativen Touch, von daher sehe ich die Wahl zum Unwort durchaus berechtigt.

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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Elviera » 15. Januar 2016, 14:02

Ich persönlich glaube das Gutmenschen allenfalls belächelt werden.
Allerdings könnte es ganz andere Gründe haben das zum Unwort zu erklären. Schauen wir uns dazu doch z.B. mal die beiden Hauptmeinungen in der Zuzugsfrage an.
Auf der einen Seite haben wir die Gutmenschen die auch weiterhin für den Zuzug ohne Begrenzung sind und auf der anderen Seite fragt man sich wie man das schaffen soll und wo die Integrationsfähigkeit eines Volkes ist. 5% ? 10% oder 20%? Oder viell. gar noch höhere Anteile?
Und beide Lager sind nur schwer zusammenzubringen.
Viell. hatte das ganz andere Gründe es zum Unwort zu erklären?

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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Goldmarie » 15. Januar 2016, 15:39

Belächeln ist ja noch schlimmer. Das bringt einen mehr auf die Palme als jeder Vorwurf. Jeder Mensch will ernstgenommen werden.

Mit den beiden Hauptmeinungen scheint es so zu sein wie mit Mann und Frau. Man ist entweder das eine oder das andere. Wer versucht, eine Position irgendwo dazwischen zu finden, ist ein Exot oder wird dem jeweils anderen Lager zugeordnet und entsprechend angefeindet. Ich sehe da momentan keine Chance, zu irgendeinem Konsens zu kommen.

Das ist jetzt ein bisschen ein anderes Thema, aber ganz interessant: In Oberhausen-Lirich hat sich eine Gruppe von Leuten zusammengefunden, die einfach ohne lange zu fragen anpacken und helfen wollen: http://www.lirich-ist-bunt.de/
Sie suchen noch händeringend nach Mitstreitern, die bereit sind, sich ganz persönlich einzusetzen und Flüchtlingsfamilien an die Hand zu nehmen.
Sicherlich Gutmenschen, aber zweifellos ernstzunehmen.

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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Charon » 16. Januar 2016, 01:38

Jaja, wem könnte es denn nützen, dass gerade dieses Wort zum Unwort erklärt wurde ? Meines Erachtens der (derzeit noch) herrschenden Klasse, d.h. diese Wahl zum Unwort trägt klar propagandistische Züge.

Man muss hier hinzufügen, dass jenes Wort 2015 exzessiv in Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise verwendet wurde. Die Rechten haben dieses Wort pauschal für alle Menschen benutzt, die nicht der Meinung der Rechten waren, d.h. "Gutmensch" wurde hier als Schimpfwort für pol. Gegner verwendet. Und leider schaffte es diese pervertierte Verwendung des Wortes auch über die rechten Kreise hinaus, d.h. auch vernünftige Kritiker der aktuellen Flüchtlingspolitik haben dieses Wort oftmals im Zorn benutzt, aber eben nicht in der Bedeutung "guter Mensch". Somit wird "Gutmensch" zur negativen Pauschalbezeichnung für alle, die der Flüchtlingspolitik (scheinbar) kritiklos zujubeln. Die Wahl zum Unwort kritisiert somit alle Systemkritiker und ist somit propagandistisch.

Wer sind sie denn, diese "Gutmenschen" des Jahres 2015 ? Ich denke, die setzen sich aus drei Gruppen zusammen:

Gruppe eins sind jene, die wirklich gute Menschen sind, d.h. das sind echte Gutmenschen nach der o.g. Definition. Jene helfen nicht nur Flüchtlingen, sondern auch anderen benachteiligten Gruppen, bei denen anders als bei den Flüchtlingen der Staat keine Nächstenliebe propagiert (z.B. Obdachlose). Und sie würden den Flüchtlingen auch dann weiter helfen, wenn es einen Regime Change gäbe und die Rechten am Ruder wären.....völlig selbstlos. Das ist aber m.E. eine verschwindend geringe Minderheit unter all den Zuwanderungsbefürwortern und ehrenamtlichen Helfern.

Gruppe zwei ist zahlenmäßig ebenfalls klein, aber bereits größer als die Gruppe der echten Gutmenschen. Es ist die Gruppe der Zuwanderungsprofiteure, i.d.R. zu finden in den Führungsriegen von Wirtschaft und Politik sowie deren Hofschranzen. Die erheben in der Öffentlichkeit immer wieder gern den Zeigefinger, um moralinsaure Reden zur Förderung von sog. Nächstenliebe gegenüber Flüchtlingen zum Besten zu geben. Diese Gruppe schwingt auch gerne die Faschismuskeule gegenüber Kritikern oder drückt gerne mal öffentlich auf die (Krokodils-)Tränendrüse. Dabei verfolgen sie rein egoistische Ziele (monetärer Profit oder Machterhalt) und man sieht sie bestenfalls vor laufenden Kameras *aktiv* in Flüchtlingsheimen o.Ä. arbeiten. Ich nenne diese Gruppe nicht "Gutmenschen", sondern Pharisäer, welche natürlich im Falle eines Regime Changes schnell frei von Nächstenliebe für Flüchtlinge wären. Und sie schwingen ihre rührenden oder begeisternden Reden, um möglichst viel Unterstützung (z.B. in Gestalt von Arbeit für Gotteslohn) aus der dritten Gruppe herauszupressen.........

......und diese dritte Gruppe macht den Löwenanteil unter den sog. "Gutmenschen" aus. Ich nenne sie mal die Gruppe der Untertanen. Sie glauben, aus innerer Überzeugung zu handeln (d.h. echte Gutmenschen zu sein) und sie stellen die meisten helfenden Fleißbienchen, Bahnsteig-Jubler und Antipegida-Demo-Geher. Dabei sitzen sie der Illusion auf, aus freiem Willen zu handeln. In Wirklichkeit handeln sie so, weil Gruppe zwei das propagiert und sie dat mit dem Selberdenken nicht so dolle drauf haben. Und sie unterscheiden sich von den echten Gutmenschen dadurch, dass sie bei einem Regime Change (Rechtsruck) mit dem selben gehorsamen Bienchenfleiß Blockwart in Lagern spielen würden wie sie jetzt scheinbar selbstgewählte Nächstenliebe praktizieren. Führer befiehl, wir folgen ! Und wenn Nächstenliebe befohlen ist, dann machen wir Nächstenliebe.......und wenn Hass befohlen ist, dann machen wir Hass. Und jedesmal glaubt man, aus freien Stücken so zu handeln........

lg,

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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Minka » 16. Januar 2016, 13:32

Und was sagt Ihr dazu?

http://www.welt.de/vermischtes/article151028200/Tote-Hosen-besitzen-Markenrechte-an-Gutmensch.html

Vielleicht gibt es ja bald ein neues Unwort?

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Re: Unwort des Jahres: Gutmensch

Beitragvon Charon » 18. Januar 2016, 01:46

Tja, die werden jetzt den fetten Reibach machen. Früher, in meiner Jugend, da haben die Toten Hosen einige gute Lieder produziert, die ich auch gerne immer wieder mal gehört habe.....damals, als sie selbst noch recht klein waren.

Und heute ? Ich habe bei Gruppe zwei neben den Führungsriegen samt Hofschranzen doch glatt die Hanswurste vergessen. Deren Rolle ist es natürlich, Gruppe 3 (die Untertanen) in den Arbeitspausen (auch Freizeit genannt) systemkonform bei Laune zu halten. Nicht dass die sonst noch auf kritische Gedanken kommen !

Die Hosen haben inzwischen so viel mit Punk zu tun wie Joschka Fischer mit Steinewerfen. Und es würde mich nicht mal wundern, wenn die 2017 für Muttis Wahlkampf ein paar Liedchen zum Besten geben würden........

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