Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Michaela » 30. März 2013, 08:36

Hallo,

am 01.04.2013 tritt die neue Straßenverkehrsordnung in Kraft. http://www.sueddeutsche.de/auto/neue-st ... -1.1634273

Ich weiß nicht, ob nicht doch diese ganze "Geschlechtsneutralität" übertrieben wird. :shock: - Zumal in der neuen StVO noch immer vom "Polizisten" die Rede ist. ;)

Wie wird das weitergehen? Dürfen wir irgendwann nicht mehr "der Mond" und "die Sonne" sagen???

LG Michaela
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Bianca » 30. März 2013, 09:02

Moin,

Sorry, das ist für mich wieder mal ein gutes Beispiel von dem Schwachsinn,der in vielen bereichen der Politik betrieben wird.Da werden sprachlich gewachsene Ausdrucksformen,die von der Masse absolut nicht diskriminierend empfunden werden,mal eben über Bord gekickt und wie wenig man dem Volk auf´s Maul schaut.Ich schätze,das 90% das völlig egal ist,ob sie nun Fußgänger oder als Personen,die zu Fuß gehen bezeichnet werden.
Das Zeug zum Aprilscherz hätte die Meldung jedenfalls.

LG Bianca
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Rinkitink » 30. März 2013, 09:28

Der Hintergrundmechanismus ist das sogenannte "Gender Mainstreaming".
Umstritten.

http://www.bmfsfj.de/BMFSFJ/gleichstell ... 92702.html
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Stanley » 30. März 2013, 12:36

Da ich sozusagen "vom Fach" bin, mag ich mal aufdröseln, wieso es kein Aprilscherz ist und auch nichts Schwachsinniges. Die Umformulierungen sind das Resultat eines langen Prozesses von Gender Mainstreaming (danke für den Link, henrik) und der Überführung von Resultaten feministischer Sprachforschung in die Praxis.

Mehrere Studien haben ergeben, dass Sprache das Bewusstsein formt und daraus ergaben sich auch Forschungsergebnisse, die besagen, dass weitaus weniger auch Frauen gedanklich miteinbezogen werden, wenn ausschließlich das generische Maskulinum verwendet wird. Die Folgen davon werden insofern real, als dass z.B. bestimmte Berufe nicht für Frauen vorstellbar werden, etc. Das passiert alles auf einer sehr subtilen Ebene. Eine Gegenstrategie ist daher das bewusste Anwenden einer geschlechtergerechten Sprache. Dazu gibt es auch schon eingie Anleitungen, die in staatlichen Institutionen kursieren.

Die Debatte um geschlechtergerechte Sprache ist noch nicht abgeschlossen, da es institutionell bislang nur Lösungsansätze für ein Zweigeschlechtersystem gibt, aber alle anderen Geschlechter dadurch unsichtbar werden.

Ich finde es gut, dass die Veordnung geschlechtergerecht formuliert wurde, auch wenn noch nicht alles rund gelaufen ist dabei. Wir brauchen mehr geschlechtergerecht formulierte Texte!

In den Wikipedia-Links findet Ihr entsprechende Literaturhinweise, wo Ihr auch noch weitere Infos findet, um die Thematik nicht nur nhand eines Zeitungsartikels zu bewerten ;-).

http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlecht ... te_Sprache
http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Gap ... guistik%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Geschlechtergerechtigkeit
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Charon » 30. März 2013, 13:04

Und wenn die Politikerzunft - unfähig, Dinge wie die Euro-Krise oder das Welternährungsproblem in den Griff zu bekommen - mal wieder nicht weiß, wie sie einen endlos langen Tag füllen soll, dann kommt sowas dabei raus:

http://www.spiegel.de/politik/deutschla ... 74233.html

Selig, wer sonst keine Probleme hat...... :roll: :roll: Also ich würde rot werden vor Scham wenn ich als Politiker solchen Dünnpfiff von mir geben und dafür auch noch Lohn bekommen würde, während in DE noch immer jeden Winter Obdachlose erfrieren.

lg,

Charon
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Bianca » 30. März 2013, 15:59

Charon hat geschrieben:Selig, wer sonst keine Probleme hat...... :roll: :roll:


Moin,

da kann ich dir nur zustimmen und die Eingangs von Michaela gestellte Frage: Wie wird das weitergehen? wiederholen.Besonders dieser Blödsinn mit dem Begriff Neger.M.W. stammt der von dem lateinischen niger ab,was doch nichts anderes als schwarz bedeutet. Was ist also falsch daran,einen Menschen als Schwarzen oder Neger zu bezeichnen? Umgekehrt sind wir in einem afrikanischen Dorf auch die Weißen.Und? Viel wichtiger wäre es wohl,den Kindern klar zu machen,daß die Hautfarbe nichts daran ändert,einen Menschen vor sich zu haben.
Um auf das Ausgangsthema zurück zu kommen: Gleichberechtigung,wie es das Grundgesetz verlangt,klar,das sollte Ziel allen politischen Handelns sein,aber solche sprachlichen Konstrukte um der PC willen zu konstruieren?Wir haben nun wirklich andere Sorgen in Deutschland und der EU.
Was mir dazu auch noch einfällt,ist das vor 20(?) Jahren geänderte Verkehrszeichen mit den Fußgängern drauf.Aus Mann mit Kind wurde Frau mit Kind!?Sind nun Männer durch das Zeichen diskriminiert?Wohl nicht,genauso wenig wie vorher die Frauen.

Gruß Bianca
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Levanah » 30. März 2013, 16:19

Charon hat geschrieben:Also ich würde rot werden vor Scham wenn ich als Politiker solchen Dünnpfiff von mir geben und dafür auch noch Lohn bekommen würde, während in DE noch immer jeden Winter Obdachlose erfrieren.


Mein lieber Charon, Deine Aussage ist vollkommen unlogisch.

1. Du bist erheblich viel zu intelligent und viel zu sozialkompetent, um überhaupt je zu so einer Art von Politiker zu werden. Gut, wenn vielleicht mal so in 70 bis 80 Jahren die Altersdemenz bei Dir einsetzt, dann vielleicht.....aber nicht der Charon, den ich hier und jetzt kenne und immer mal wieder gerne lese.

2. Wenn Du so ein Politiker bist, dann fehlt Dir so einiges das nötig wäre, um auch nur ansatzweise rot zu werden. Du wüsstst dann vieleicht gerade noch, wie man das Wort Scham gemäss aktueller deutscher Falschschreibung politisch korrekt buchstabiert. Ausnahme: Du trittst der SPD bei. Dann wirst Du rot. Aber auch da wohl kaum aus Scham :mrgreen:

:hallo:
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Stanley » 30. März 2013, 18:03

Liebe Bianca,

Besonders dieser Blödsinn mit dem Begriff Neger.M.W. stammt der von dem lateinischen niger ab,was doch nichts anderes als schwarz bedeutet. Was ist also falsch daran,einen Menschen als Schwarzen oder Neger zu bezeichnen? Umgekehrt sind wir in einem afrikanischen Dorf auch die Weißen.Und? Viel wichtiger wäre es wohl,den Kindern klar zu machen,daß die Hautfarbe nichts daran ändert,einen Menschen vor sich zu haben.


es ist völlig egal, ob "Neger" vom lateinischen "niger" abstammt und "schwarz" bedeutet, wenn das wort an sich zur Abwertung von Schwarzen Menschen benutzt wurde. Ich möchte hier den Leserbrief einer Neunjährigen an die ZEIT-Redaktion verlinken, in dem das Mädchen erklärt, wieso sie das Wort "Neger" scheiße findet.

http://www.publikative.org/wp-content/u ... a-Kane.jpg
eine Journalistin, die in der Initiative "Schwarze Menschen in DEutschland" aktiv ist, sagt ebenfalls was dazu: http://www.taz.de/!110059/

Hintergrund ist die Kinderbuch-Debatte: http://www.publikative.org/2013/01/23/n ... f-an-zeit/
http://www.spiegel.de/kultur/literatur/ ... 75839.html

Ich möchte an dieser Stelle erwähnen, dass es sowohl für Dich als auch für mich ein Leichtes ist zu sagen, dass "Neger" kein schlimmes Wort sei. Denn wir sind beide Weiße und werden nie getroffen zusammen zucken, wenn uns jemand dieses Wort zu ruft, etc. Wir wissen es also nicht, wie es ist, von Rassismus betroffen zu sein. "Neger" empfinden die meisten Schwarzen Menschen eindeutig als Beleidigung und sehen es nicht so, dass jemand sie trotzdem respektiert, obwohl er oder sie dieses Wort verwendet. Ich persönlich fände es daher passender zu sagen, dass man dieses Wort nicht mehr verwendet, wenn sich die Bezeichneten dadurch beleidigt fühlen. Denen hilft es nicht, wenn Du die etymologischen Wurzeln des Begriffs kennst und sozusagen als Rechtfertigung benutzen willst, dass das Wort doch sooo schlimm gar nicht sei.

Wenn man Menschen respektiert, dann respektiert man auch, dass manche Begriffe einfach nicht ok sind.

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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Bianca » 30. März 2013, 20:13

Moin,

Nun,diese Diskussion läßt sich sicher noch länger fortführen.Ich kann nur für mich sprechen und da ist dieses Wort weder eine Beleidigung noch eine rassischtische Äußerung.Das viele von offenem Rassismus betroffene das anders sehen ist verständlich. Über den eigenen Tellerrand geschaut,magst du sicher Recht haben,daß dieses negativ behaftete Wort verschwindet.Belassen wir es dabei.

Gruß Bianca
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Michaela » 30. März 2013, 20:50

Huhu…

Also, ähem, räusper … zunächst mal vielen Dank für die ganzen eingestellten Links (oder Rechts?). Eine solch heftige Diskussion hatte ich nun wirklich nicht erwartet. – Aber gut.

Wir sollten bedenken – und insbesondere die „Fachleute“ (Fachmenschen?) -, dass die deutsche Sprache nicht erst gestern entstanden ist und schon seit etlichen Jahrhunderten eine sehr explizite Ausdrucksform erreicht hat, die sich immer weiter verfeinerte. In manch anderen Sprachen gibt es nicht solch spezielle Worte für ganz bestimmte Bezeichnungen ("you" z. B. im engl.). Ich sehe auch nichts Schwachsinniges darin, wenn sich eine Sprache wandelt, in diesem Falle eben Geschlechtsneutraler wird. Allerdings frage ich mich schon, ob sich die „vom Fach“ ernsthaft Gedanken über die Formulierungen gemacht haben und aus welchen Gründen eben nicht ganz konsequent umgesetzt wird.

Sehen wir uns den Satz mit „dem Polizeibeamten“ einmal genauer an: „Die Zeichen und Weisungen der Polizeibeamten sind zu befolgen.“ – Ich hatte mich auch zuerst in die Irre leiten lassen – tatsächlich ist hier aber von der Mehrzahl der Beamten die Rede. Sonst müsste es heißen: „Die Zeichen und Weisungen des Polizeibeamten…“ – dann wäre explizit von dem Beamten die Rede. – Tja, deutsche Sprache, schwere Sprache (selbst für uns Deutsche).

Nur die Menschen, die sich mit Sprache beschäftigen, scheinen keinen Schimmer zu haben, welchen aberwitzigen Gedankengängen und in der Folge „Schildbürgerstreichen“ Tür und Tor geöffnet wird. „Wer zu Fuß geht“ – ja gibt es eine andere Möglichkeit? Klar, die Fortbewegung auf Händen. „Wer ein Fahrrad, Kraftrad oder Auto führt“ – Wie etwa einen Hund an der Leine? Das ist ein schlechter Witz oder? Schaut doch mal den meisten Hundebesitzern zu – da geht meistens der Hund (das Hundetier?) mit dem Menschen spazieren.

Noch lachen wir sehr herzhaft, wenn es in einem Unfallbericht heißt: „ … plötzlich war der Baum im Weg.“. Irgendwann wird dann zu lesen sein: „… plötzlich wurde die Führung vom … übernommen.“. Ja, allzu weit sind wir davon eh nicht mehr entfernt, denn es wird an entsprechenden Automatiken gebastelt.

Ich fühle mich jedenfalls sehr an unsere Rechtschreibreform erinnert, mit rinn inne Puppen und wieder raus. Inzwischen gibt mehr Ausnahmeregeln als Regeln und es verwundert mich überhaupt nicht mehr, wenn sich zwei Mädels unterhalten und der Satz wie folgt beginnt: „Weeste Alter …“. :roll:

Und da es hier nicht mehr nur um die StVO geht, sondern u. a. um das AGG (Allgemeines Gleichstellungsgesetz) frage ich mich auch, aus welchen Gründen bitte „Gender Mainstreaming“ ausgerechnet in einer Verordnung (VO) und nicht in einem Gesetz zur Anwendung kommt? In den großen Hauptgesetzen ist immer noch das generische Maskulinum in Verwendung – obwohl diese bei weitem öfter einer Änderung unterliegen.

Dieses Gender Mainstreaming hat auch schon die ersten Stilblüten hervorgebracht: In einer Frauengruppe hieß es dann bei der Vorstellung der ausgeübten Berufe: Friseurin, Grafikerin ... Krankenschwesterin. :shock:

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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Michaela » 7. April 2013, 18:09

Da hier so schön „Gender Mainstreaming“ befürwortet wurde und diverse Artikel von Wiki eingestellt wurden, stelle ich hier mal einen ein, der ein wenig kritischer mit diesem Begriff umgeht: http://de.wikipedia.org/wiki/Gender_Mai ... .B6rderung

„Gleichstellung der Geschlechter auf allen gesellschaftlichen Ebenen“? Bevor man hier in D mal wieder völlig überhastet vorprescht, hätte man eventuell mal ein anständiges „Brainstorming“ abhalten sollen. Dann wäre eventuell aufgefallen, dass bei weitem noch nicht ansatzweise die Chancengleichheit zwischen Frau und Mann erreicht ist. Hier ist bei weitem mehr zu tun, als irgendwelche „Frauenquoten“ per Gesetz aufzuerlegen.

„Bestimmte Berufe für Frauen nicht vorstellbar werden“ – Ja, hallo? Wir sind im 21. Jahrhundert angekommen! Eine Frau am Presslufthammer beim Straße aufreißen, als Maurerin beim Hausbau – ev. gar im Akkord -? Es gibt Berufe, die nun wahrlich nicht vorstellbar und auch infolge der Anatomie und der aufzuwendenden Kräfte nur schwer vorstellbar sind. Und wenn das Interesse an verschiedenen Berufen an junge Frauen nicht vermittelt werden kann, dann liegt es wohl eher daran, dass andere Interessen vorliegen. Wir Frauen haben uns in den vergangenen Jahrzehnten so manche „Männerdomäne“ erschlossen. Dass wir in einigen Fällen bessere Arbeit abliefern und trotzdem noch schlechter bezahlt werden als die männlichen Kollegen ist noch immer ein unhaltbarer Zustand. – Hieran sollte gearbeitet werden und nicht an diffusen Ausdrücken, die eine Verwässerung bisher klarer Aussagen herbeiführen.

„Wer zu Fuß geht“ – ist und bleibt Fußgänger und ich selbst sehe mich auch weiterhin als „Fußgängerin“, denn ich weigere mich, mich auf Händen oder anderweitig fortzubewegen. Eventuell noch als Radfahrerin, aber dann benutze ich dieses Vehikel oder betreibe es mit meiner Muskelkraft und bewege mich damit fort. Führen kann ich selbiges ab einer bestimmten Geschwindigkeit nicht mehr.

Auch diese Frage muss einmal gestellt werden: Wie viele Geschlechter hat der Homo Sapiens eigentlich? Mehr als zwei sind seit über 2000 Jahren nicht bekannt. Ja, es gibt noch die „Zweigeschlechtlichen“, auch Zwitter oder Intersexuelle, die (häufig) bei der Geburt verstümmelt wurden und werden. Aber diese Menschen reihen sich in der überwiegenden Zahl in den ihnen genehmen sozialen und gesellschaftlichen Strukturen ein. Sie wollen Leben und dies möglichst unbehelligt.

Dann gibt es da ein „komisches“ Grüppchen, das sich hinstellt und ein „drittes“ Geschlecht fordert, ein „unbestimmtes“, ein „es“. Dieses Grüppchen stellt sich auch sehr gerne unter den Schirm des „Gender“, des sozialen oder psychologischen Geschlechts, welches im Gegensatz zum biologischen steht.

Hier hakt es dann bei mir völlig. Ich bin TS und ich bin eine Frau – nichts anderes. Es sollte sich niemand wagen, mich als „Unbestimmtes“ oder „Es“ zu bezeichnen. Das ist nicht nur diskriminierend, das ist beleidigend und erniedrigend.

Ja, ich bin Emanze und Feministin und ich weiß, dass ich hier im öffentlichen Bereich bin.

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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Rinkitink » 7. April 2013, 19:32

Ich muss ehrlich sagen, ich begrüße das Gender-Mainstreaming insofern, als dass es endlich mal Bewegung in die Geschlechterkiste bringt. Mir ist klar, dass sich das nicht gegen so lange gewachsene Strukturen durchsetzen wird - dennoch kann man ja wenigstens mal anfangen. Es ist eben ein Wirken von Kräften, so geht es vorwärts.

Und ganz ehrlich gesagt ist es so, dass ich der üblichen Männer-Frauen-Kiste eher feindselig gegenüberstehe. Ich verlange nicht, dass andere das auch tun. Aber ich sehe es eben so.

Ich persönlich bin ein Freund des Anhangs "_innen" oder "Innen", wobei ich letztere Variante noch mehr vorziehe. (Eigentlich recht inkonsequent, weil ich Anhänger des 3. Geschlechts bin (symbolisiert durch das "_"), wobei für mich immer noch unklar ist, wer nun wirklich dazugehören soll.))

Als das aufkam, da war ja das Rumgekrähe auch groß, jetzt benutzen es eben Leute und andere nicht. Warum nicht? Wer hat zu bestimmen, wie wir unsere Sprache zu verwenden oder zu verändern haben? Marcel Reich-Ranicki? Angela Merkel? Joachim Gauck? Keiner, wirklich keiner. So einfach isses.
Und wie war das Geschrei groß, als Leute Vegetarier wurden und keine Eier mehr aßen :D
Und als wir anfingen, Mäuse am Computer als Eingabegerät zu nutzen - der gesundheitliche Weltuntergang wurde vorausgesagt! :D

Ein anderer Grund, warum ich es begrüße, dass am Frauen und Männerbild gerüttelt wird durch Sprache, beziehe ich aus einer eigentlich ganz anderen Diskussion: die um Beschneidung von Frauen. Natürlich gehört das abgeschafft, keine/r sollte Körperteile einfach so abgeschnitten kriegen, schon gar nicht so wichtige. Niemand hat das Recht zu sowas, niemand!
In der Diskusion darum kam ein interessanter Gedanke aus den anderen Kulturkreisen zu uns gewandert: Man war sehr verblüfft, wieso der Aufschrei in Europa so groß ist! In Europa würden zwar Mädchen nicht beschnitten werden, doch sei der Zwang einem bestimmten Idealbild möglichst nachzukommen so umfassend und radikal - da sei auch eine Menge Zwang im Spiel!

Wie gesagt: ich begrüße das alles eher, wenn auch nicht kritiklos. Ehrlich gesagt bin ich sehr gespannt darauf, wohin die Sache uns führen wird.

Krankenschwesterin finde ich total geil :mrgreen:

Zu den Berufen wollte ich noch einmal etwas anmerken: Es scheint typisch Deutschland zu sein, dass man Mädchen einredet, sie würden nix in Naturwissenschaften können. Kaum eine Frau studiert Mathematik hier in D. In anderen Ländern ist das anders, da sitzen in Studiengängen wie Mathemtik und Physik viel mehr Frauen.

Gruß,

Henrik_in
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Levanah » 7. April 2013, 20:22

Rinkitink hat geschrieben:Krankenschwesterin finde ich total geil :mrgreen:

Mich verwirrt das total! :o

Ist jetzt mein Vater noch Mann, oder muss ich ab sofort sein Sternzeichen Jungfrau beachten und ihn als die Väterin bezeichen? Oder ist die Väterin jetzt meine Mutter und mein Vater die Mutterin? :P

Zum Glück bin ich Einzelkind.

Geschwister, die reinste Katastrophe :roll:
Du müsstest ja mit jedem einzelnen Geschwisterchen zuerst mal das richtige Geschlecht aushandeln.

Nein, echt. Diese ganze Geschlechterkiste geht mir langsam aber sicher einfach am Aa vorbei.
Diese Kiste ist doch was für Adlige, für Leute mit dem 'von vorgestern' im Familiennamen :lol:

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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Rinkitink » 7. April 2013, 20:54

Bei der Sache mit der Krankenschwesterin ist nicht zu sehr inhaltlich zu deuteln - es ist eine Übergeneralisierung.
Das Prinzip der sprachlichen Verweiblichung wird auf ein ohnehin weibliches Wort angewandt. Sprachspiel :!:

Ein anderes Beispiel für Übergeneralisierung hat mein Bruder mal als Kind abgeliefert. Alterstypisch übrigens. Er konnte vor der Schule schon schreiben und hat unserem Opa eine Karte schreiben wollen. Er schrieb also: "Lieba Opa!" Daraufhin wurde ihm erklärt, dass man "Lieber" mit -er schreibt, auch wenn man in Berlin -a spricht - und er schrieb "Lieber Oper" :P
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Levanah » 7. April 2013, 21:41

Du solltest mich doch auch langsam gut genug kennen, um einen Post wie diesen auch nicht all zu ernst zu nehmen - bis auf die letzten beiden Zeilen vielleicht. Die gehen schon in die Richtung meiner Grundeinstellung. :D

Der mit dem Lieben Opa von Deinem Bruder ist aber schon allerliebst :mrgreen:
Kinder führen uns Erwachsenen oft die eigene Unzulänglichkeit vor Augen. Logisch, dass man das in einem gewissen Alter so umsetzt, wie er es getan hat. Werdet wie die Kinder....

:hallo:
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Rinkitink » 7. April 2013, 22:44

Was wäre denn so schlimm daran, wenn man untereinander bei einer persönlicheren Beziehung die Geschlechter aushandelt?

Sofern das beide für sinnvoll halten, ist klar ...
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Levanah » 7. April 2013, 23:28

Wenn das für alle Beteiligtenstimmt, kein Problem. Jeder schmiedet das Glück seines Lebens selber, allein oder mit anderen zusammen.

Ich will mich ja nicht in die Beziehungen anderer einmischen. Ich bin in meiner weltlichen Beziehung ja auch eher die mütterliche Komponente. Ich sorge für meinen Mann, und seit einer Woche noch für eine notfallmässig aufgenommene, verstossene Pflegekatze mit Gewalttrauma.

Für mich persönlich ist das biologische und gesellschaftliche Geschlecht einfach je länger je mehr obsolet. Es verliehrt für mich rapide an Bedeutung. ICH BIN - auf der weltlichen Ebene ist dabei das WAS für mich selbst nicht mehr wirklich von Bedeutung. Ihr dürft mich für abgehoben und durchegreht halten, aber: Ich bin mein Weg, meine Wahrheit und mein Leben. Ich bin das Licht und die Liebe meiner eigenen, kleinen Welt. Und ich fühle mich gut, seit ich es in dieser Weise sehe. :lol:

In Liebe und Dankbarkeit
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Rinkitink » 7. April 2013, 23:42

Ja, so sehe ich das auch :bindafuer:
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Re: Ein Aprilscherz? - Wohl kaum

Beitragvon Charon » 8. April 2013, 01:31

Rinkitink hat geschrieben:Was wäre denn so schlimm daran, wenn man untereinander bei einer persönlicheren Beziehung die Geschlechter aushandelt?

Sofern das beide für sinnvoll halten, ist klar ...


Da spricht wirklich nichts dagegen. Das wäre dann ja der höchst private Bereich und zu diesem hat die Öffentlichkeit keinen Zutritt.......es sei denn bei irgendwelchen Promis, denen die Regenbogenpresse bis aufs Klo folgt.

Nur muss man Fingerspitzengefühl beweisen und sich darüber Gedanken machen, wieviel davon man nach außen, d.h. an die Öffentlichkeit tragen sollte. Und genau da hakt es bei vielen Menschen, und ich denke mal nicht nur bei uns TS, denn das Verlernen eines gepflegten Umgangs mit dem Thema Privatsphäre scheint derzeit zum Zeitgeist zu gehören. Man denke da nur mal an Facebook oder an diese exhibitionistischen Talkshows in der Glotze.

Man muss also verstehen lernen, in welchen Situaionen nunmal die Regeln der Öffentlichkeit greifen und wann ich mich hingegen in der erholsamen Oase einer engen Beziehung befinde. Andere soziale Situation, andere Regeln ! Oder einfacher ausgedrückt: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps.

lg,

Charon

P.S. Mir persönlich geht die ganze Geschlechterkiste mittlerweile ganz schön am Allerwertesten vorbei.
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