Weihnachtsgeschichte 2014

Weihnachtsgeschichte 2014

Beitragvon Elviera » 24. Dezember 2014, 19:34

Ihr Lieben alle,

es ist wieder so weit, und wie jedes Jahr sitze ich im Büro meiner Werkstatt und resümiere noch ein wenig, bevor ich zum gemütlichen Teil übergehe.
War der Vormittag noch recht hektisch, so liegt nun wieder die altbekannte Stimmung über allem und man kann deutlich spüren, die Nacht der Wunder steht wieder mal kurz bevor.
Es ist die Nacht, in welcher alles möglich ist, ich hatte ja schon öfter davon berichtet, und so wie in der Vergangenheit auch möchte ich heute zu Weihnachten, anstatt Euch eine Karte zu schicken, wieder eine Weihnachtsgeschichte erzählen.
Und wie immer handelt sie vom Geist der Weihnacht, Weihnachtswundern, einem Geist, wie er nur in der Nacht der Wunder herrscht und von dem ganz eigenen Zauber der von dieser Nacht ausgeht. Aber man muss es schon zulassen können, und sich diesem Geist öffnen, nur dann geschieht das Wunder. Doch manchmal fragt man sich, welche Auffassung von Weihnachten sich mit zunehmendem Wohlstand so entwickelt hat in den Jahren des Überflusses unserer Wohlstandsgesellschaft. Und daraus ergibt es sich, dass manche Menschen davon ausgeschlossen zu sein scheinen. Einfach weil die Mittel fehlen daran auch teilnehmen zu können, während Andere sich zwar dem Geist der Weihnacht zu öffnen glauben, aber gar nicht weiter davon entfernt sein können, weil sie den Geist der Weihnacht mit seinem Weihnachtszauber gar nicht mehr verstehen. Und an diesen Leuten geht der Geist der Weihnacht in der heiligen Nacht natürlich vorüber.
Trotzdem aber, es ist die Nacht der Wunder und in dieser Nacht ist alles möglich,

Der verlorene Weihnachtszauber

Es begab sich vor einigen Jahren in einer Stadt wie überall auf der Welt, dass ich mich ganz kurz vor Heilig Abend auf die Suche nach dem Weihnachtszauber und seinem Geist machte. Ich trug noch den zauberhaften Weihnachtstraum meiner Kinderzeit in mir, glaubte aber diesen im Laufe der Jahre verloren zu haben. Und so wollte ich mir meinen Weihnachtstraum wieder in Erinnerung rufen und besuchte einen der zahlreichen Weihnachtsmärkte, die es mittlerweile ja in jeder grösseren Stadt gab. Ich fuhr also in die Innenstadt und wohin ich auch blickte, sah ich das gleiche Bild. Sämtliche Strassen waren hell erstrahlt, grelle, gefüllte Schaufenster leuchteten mit den Marktbuden und dem ganzen glitzernden Tand um die Wette und in den Kaufhäusern wurde man unablässig mit Weihnachtsmusik berieselt, die jedoch niemand beachtete.

Die mit vollen Taschen beladenen Leute drängelten mich hektisch durch die Fussgängerzone und schoben mich durch die überfüllten Budengassen, vorbei an Bierständen und Buden, in welchen Glühwein verkauft wurde, denen man unschwer ansehen konnte, dass sie für gewöhnlich eigentlich auf den Jahrmarkt zu stehen pflegten, und sie waren natürlich ausgestattet mit den üblichen Stehtischen, an denen die Menschen sich eine kurze Verschnaufpause erhofften, was aber gar nicht möglich war, weil die Menschentrauben, die diese Buden umlagerten, ein gewaltiges Gedränge verursachten, wobei auch der eine oder andere ganz und gar nicht weihnachtliche Fluch ausgesprochen wurde.

Es ging auch vorbei an offenen Kirchentüren, die zu kurzer Besinnung, oder wenigstens zur Erholung von dem Weihnachtstrubel einluden. Aber niemand nutzte diese Gelegenheit, sondern liess sich lieber von den eilig an den Stehtischen der Jahrmarktsbuden vorbei drängenden Passanten anrempeln und oft genug war man dann auch noch den entsprechenden Kommentaren von den vorbei hetzenden Menschenmassen ausgesetzt.
Ich konnte nichts beginnen mit dem was dort geschah und irgendwie verstand ich das alles nicht und schüttelte verwundert den Kopf. Was war das nur für eine Adventszeit, in der die Menschen trotz des weihnachtlichen Anscheins nicht mehr zur Ruhe kommen konnten ?
Wo war der Geist der Weihnacht, wo der Weihnachtszauber meiner Kinderzeit denn nur geblieben?

Meine Eltern waren nicht reich gewesen, jede Mark wurde vor dem Ausgeben noch drei Mal herumgedreht, doch herrschte bei den adventlichen Spaziergängen der Familie immer eine stille und heimliche Vorfreude auf das bevorstehende Weihnachtsfest.
Erst zu Beginn der Adventszeit roch es im Haus nach frischgebackenen Plätzchen; der Nikolaus aber brachte Äpfel, Nüsse und einige langersehnte Lebkuchen. Die Mutter aber versteckte die übrigen Plätzchen und gab sie erst am Heiligen Abend zu den wenigen Geschenken, die unter einem kerzenerhellten Christbaum lagen, preis. Wir waren damals zufrieden, denn es herrschte Liebe und Eintracht in der Familie, trotz des Wenigen, was man besaß. Das Evangelium von der Geburt Christi wurde noch vor dem Christbaum gelesen und anschließend sang die Familie, sich an den Händen haltend, das Lied der stillen Nacht.
Der Geist der Weihnacht hatte eben noch seinen Stellenwert und war wie der Weihnachtszauber fester Bestandteil des Weihnachtsfestes.

Heute aber ist es doch so, dass im Zeichen des Überflusses die ersten Christstollen und Lebkuchen schon Mitte des Monats September in den Regalen der Kaufhäuser zu sehen sind, im Fernsehen wird die Werbung schon ab Anfang November nicht mehr müde, den Menschen Dinge anzupreisen, derer sie gar nicht bedürfen. Und am Weihnachtsabend, gleich nach dem Einsacken der Geschenke, ergreifen nicht wenige Kinder die Flucht, um mit Freunden die so genannten X-Mas–Partys in der nächsten Disco, nicht selten mit Koma-Saufen zu feiern.

Vor lauter Nachdenken bemerkte ich gar nicht, dass man mich in der Menschentraube einfach weitergeschoben hatte, und so fand ich mich unversehens in einer mir aus meiner Kinderzeit bekannten Gasse wieder, die aber nicht den besten Ruf hatte, weil dort überwiegend sozial schwache Menschen wohnten, eine Gasse, die wie ihre Bewohner auch völlig abseits der lärmenden Weihnachtszone ein stilles Dasein führte. Wie wohl tat mir diese Ruhe; kein Lärm, keine Hektik, kein Gedränge, nur Beschaulichkeit. Die Gasse wurde von kleinen Lichtern erleuchtet, die heimelig aus den Fenstern der Häuser grüßten. Familien mit Kindern verweilten auf der Gasse; die Kinder hüpften froh und heiter umher. Dabei geschah es, dass mich ein kleines Mädchen aus Versehen anstieß und mich mit leuchtend großen Augen und einer vor Kälte roten Nasenspitze erschreckt ansah.
Ich lächelte und beugte mich zu dem Kind nieder: „Ich habe Dich wohl übersehen, kleine Prinzessin?“ Das Mädchen lächelte schüchtern zurück und ließ mit einer Antwort nicht auf sich warten: „Ich bin keine Prinzessin und ich war schuld. Ich habe getanzt, weil ich mich auf das Christkind freue, das bald kommen wird.“

„Was denn, Du freust Dich noch auf das Christkind ?“, fragte ich ein wenig erstaunt. „Und was wünscht Du Dir denn von ihm? Worauf das Mädchen antwortete: „Ich wünsche mir eine kleine Puppe oder ein Stofftier zum Spielen. Ich weiß aber nicht, ob das Christkind meinen Wunsch erfüllen wird. Mama sagt, dass das Christkind den Weg in unser Haus wohl nicht finden kann, wir sind nämlich eine ganz große Familie“.

Das kleine Mädchen hielt dabei eine Hand hoch und bewegte alle Finger: „Ich habe noch sooooo viele Geschwister. Und alle wünschen sich etwas vom Christkind !“.

Ich lächelte das kleine Mädchen an und erwiderte: „Ich bin mir ganz sicher, dass wenn das Christkind den Weg nicht würde finden können, es den Weihnachtsmann schicken wird.“ Da mischte sich die Mutter ein, die in der Nähe stand. „Es wird dem Weihnachtsmann aber schmeicheln, dass jemand in ihrem Alter noch an ihn glaubt.“ Sofort erkannte ich eine ehemalige Nachbarin wieder, der das Leben offensichtlich übel mitgespielt zu haben schien. Ich kannte sie auch nur flüchtig und hatte gar nicht bemerkt, dass sie aus unserer Strasse weggezogen war. Und so trifft man sich dann wieder.
Ich erwiderte daher: „Glauben Sie etwa nicht an das Christkind und den Weihnachtsmann? Ich für meinen Teil jedenfalls bin absolut überzeugt, dass es ihn gibt.“ Zu dem kleinen Mädchen jedoch sagte ich: „Heiligabend ist die Nacht der Wunder, in dieser Nacht ist alles möglich und daher bin ich sicher, dass das Christkind auch Euch besuchen und den einen oder anderen Wunsch erfüllen wird !“. Da sprang das kleine Mädchen freudestrahlend davon. Meine Augen aber begannen auch zu leuchten, denn da war er, der Geist der Weihnacht und auch der verloren geglaubte Weihnachtszauber. Und ich wusste auch, dass ich in der Heiligen Nacht noch so einiges zu erledigen haben würde.

Euch allen ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein frohes Neues Jahr.
Und für die Alleingebliebenen heute Abend:
Wir treffen uns heute Abend im Alex (Centro Oberhausen)

Elviera Werners
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