Erziehung - es hat sich nichts geändert

Erziehung - es hat sich nichts geändert

Beitragvon Elviera » 24. Oktober 2010, 13:40

Erziehung - es hat sich nichts geändert


Autor Nachricht
Minka
Stammuser


Anmeldungsdatum: 02.01.2010
Beiträge: 97


Verfasst am: 20 Apr 2010 19:58 Titel: Erziehung - es hat sich nichts geändert

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Gereimte Ungereimtheiten in Erziehungslehren

1. Thu' gern mit deinem Kinde groß,
Als stammt es ab von Abrams Schooß.

2. Gieb ihm, wenn's auch zur Unzeit ist,
So viel, daß er beständig frißt.

3. Stopf, wenn auch schon der Hals ihm schwoll,
So lang es mag, den Ranzen voll.

4. Pack' es vor Lust und Sonnenschein,
wie Pöckelfleisch in Stuben ein.

5. Versag' ihm nichts von Gottes Gaben,
Es muß ein Kind von Allem haben.

6. Was wirst du selber dich bemühn,
Laß vom Gesind' es auferziehn.

7. Sey selber faul, um desto mehr,
Von deinen Kindern Fleiß begehr.

8. Will es gern aus der Schule bleiben,
Mußt du gleich einen Zettel schreiben.

9. Nimm's, straft der Lehrer es, gleich schief,
Und schreib' ihm einen groben Brief.

10: Hat's Kind zu lernen wenig Lust,
Du's ihm zu Gute halten mußt.

11. Füll ihm den Tag mit Stunden an,
Daß keine Stund' es giepsen kann.

12. Vom Morgen, wenn das Kind erwacht,
Hofmeistr' es musternd bis zur Nacht.

13. Ein Reitpferd halte deinem Sohn,
ein Herr sey er als Junge schon.

14. Spricht er von seinem Lehrer schlecht,
So gieb dem Buben immer Recht.

15. Leg' großen Werth auf seinen Fleiß,
Und mach' ihm weiß, daß er was weiß.

16. Sorg', daß die Tochter flittern kann,
Auf's Unterröckchen kommts nicht an.

17. Wirst Flegeleien du gewahr,
So sprich: Es ist das Flegeljahr.

18. Reiß Zoten vor den Kindern laut,
Und mach' mit Lastern sie vertaut.

2. Juli 1825 - Grünberger Wochenblatt

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Goldmarie
Stammuser


Anmeldungsdatum: 22.01.2010
Beiträge: 449
Wohnort: Oberhausen

Verfasst am: 21 Apr 2010 1:08 Titel:

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Sehr schön, Minka!

Warum muss ich nur bei 'Erziehung' immer an 'Prügel' denken? :?
Dabei fällt mir dieses Gedicht ein:

Der Herr, der schickt den Jockel aus

Der Herr, der schickt den Jockel aus,
Er soll den Hafer schneiden.
Der Jockel schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Pudel aus,
Er soll den Jockel beißen.
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Prügel aus,
Er soll den Pudel schlagen.
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr das Feuer aus,
Es soll den Prügel brennen.
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr das Wasser aus,
Es soll das Feuer löschen.
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Ochsen aus,
Er soll das Wasser saufen.
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Schlächter aus,
Er soll den Ochsen schlachten.
Der Schlächter schlacht’ den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockel nicht,
Der Jockel schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Henker aus,
Er soll den Schlächter hängen.
Der Henker hängt den Schlächter nicht,
Der Schlächter schlacht’ den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockei nicht,
Der Jockei schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da schickt der Herr den Teufel aus,
Er soll den Henker holen.
Der Teufel holt den Henker nicht,
Der Henker hängt den Schlächter nicht,
Der Schlächter schlacht’ den Ochsen nicht,
Der Ochse säuft das Wasser nicht,
Das Wasser löscht das Feuer nicht,
Das Feuer brennt den Prügel nicht,
Der Prügel schlägt den Pudel nicht,
Der Pudel beißt den Jockei nicht,
Der Jockei schneid’t den Hafer nicht
Und kommt auch nicht nach Haus.

Da geht der Herr nun selbst hinaus
Und macht gar bald ein Ende draus.
Der Teufel holt den Henker nun,
der Henker hängt den Schlächter nun,
Der Schlächter schlacht’ den Ochsen nun
Der Ochse säuft das Wasser nun,
Das Wasser löscht das Feuer nun,
Das Feuer brennt den Prügel nun,
Der Prügel schlägt den Pudel nun,
Der Pudel beißt den Jockel nun,
Der Jockel schneid’t den Hafer nun,
Und kommt auch gleich nach Haus.
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Umwege erhöhen die Ortskenntnis. Machmal muss man sogar vom Wege abkommen, um nicht auf der Strecke zu bleiben.
Schuft euch durch Strombart über Glenz,
sonat mekelt hartes Lechem ihr.
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