Weihnachtsgeschichte 2016

Weihnachtsgeschichte 2016

Beitragvon Elviera » 24. Dezember 2016, 16:30

Ihr Lieben alle,

es ist wieder so weit, und wie jedes Jahr sitze ich im Büro meiner Werkstatt, es dämmert gerade und ich resümiere noch ein wenig, bevor auch ich dann endlich zum gemütlichen Teil übergehe. Und natürlich frage ich mich, was uns wohl im nächsten Jahr erwarten wird. Die Entwicklung im vergangenen Jahr lässt nicht viel Gutes erahnen.
Schon seit geraumer Zeit höre ich die Autotüren schlagen und wie in jedem Jahr an diesem Tage zu dieser Zeit machen sich die jungen Paare mit ihren Kindern auf den Weg, um Eltern und Schwiegereltern um Geschenke zu erleichtern.

War der Vormittag noch recht hektisch, so liegt nun wieder die altbekannte Stimmung über allem und man kann deutlich spüren, die Nacht der Wunder steht wieder mal kurz bevor.
Es ist die Nacht, in welcher alles möglich ist, ich hatte ja schon öfter davon berichtet, und so wie in der Vergangenheit auch, möchte ich Euch heute zu Weihnachten eine Geschichte erzählen.
Und wie immer handelt sie vom Geist der Weihnacht, einem Geist, wie er nur in der Nacht der Wunder herrscht und wo Dinge passieren, die einen immer wieder selbst überraschen.
Dieses Jahr ist es nur ein ganz kleines Wunder. Aber müssen es denn immer die grossen Wunder sein? Die vielen vielen kleinen Wunder machen es doch eigentlich aus, meine ich, und und von so einem kleinen Wunder möchte ich Euch heute berichten.

Frau Meier rettet Weihnachten
Es war irgendwann in der Woche vor Weihnachten ganz kurz vor Heiligabend. Frau Meier die Haushaltshilfe war dabei, den weihnachtlich dekorierten Kaminsims abzustauben, als ihr Blick in die Aschenreste fiel und sie bemerkte einen halbverbrannten Zettel. Ein weißer Zettel. Vorsichtig griff Frau Meier danach, schüttelte die Asche ab, bemerkte, dass es der weihnachtliche Brief an den Weihnachtsmann incl Wunschzettel des 5 jährigen Töchterchens ihres Arbeitgebers war. Ganz war der Brief nicht mehr erhalten, aber was davon noch lesbar war, das erschreckte Frau Meier und machte sie traurig. Auf dem halbverkohlten Zettel stand: „Lieber Weihnachtsmann. Bitte bring mir dieses Jahr keine Geschenke. Lass Papa nur Zeit für mich haben. Deine Lisa.“ Nun war guter Rat teuer, denn Frau Meier mochte die Kleine. Aber sich in die Familienangelegenheiten ihres Arbeitgebers einzumischen, das war ihr nicht geheuer. Wie würde er darauf reagieren, wenn sie ihren Arbeitgeber darauf ansprechen würde? Aber Frau Meier fasste sich ein Herz und nahm sich fest vor dafür zu sorgen, dass Lisa dieses Jahr ein richtiges Weihnachten bekommen würde. Frau Meier erhob sich und machte sich auf den Weg zum Büro ihres Arbeitgebers.
Als Frau Meier das Bürogebäude der Firma betrat, schlug ihr sofort betriebsame Hektik entgegen, und ihr Chef Herr von Wedel war gerade dabei, irgend jemanden am Telefon ziemlich ungehobelt zusammenzuschreien. An einem zweiten Schreibtisch wühlte sich ein Mitarbeiter durch einen Stapel Fotos. Ein Fernseher plärrte im Hintergrund, und ihr Chef beendete sein Gespräch mit einem „Ich kündige dem unfähigen Vollidioten!“. Frau Meier wurde es ziemlich unwohl, denn offensichtlich hatte sie ihren Chef gerade auf dem falschen Fuss erwischt und sie begann um ihren eigenen Job, auf den sie dringend angewiesen war, zu fürchten. Aber sie stand bereits vor dem Schreibtisch, und es gab kein Zurück mehr. Also nahm Frau Meier all ihren Mut zusammen und sagte: „Entschuldigen Sie die Störung.“
Der Chef blickte ein wenig genervt auf, aber dann lächelte er. „Frau Meier, was kann ich für Sie tun?“ – „Es geht um ein Weihnachtsgeschenk für Lisa“, erwiderte Frau Meier und spürte den kleinen Brief in ihrer Hand. „Alles schon erledigt“, tönte ihr Chef und lehnte sich in seinem Sessel zurück. „Sie hat sich nichts gewünscht dieses Jahr, also habe ich ihr ein iPad gekauft. Das neueste Modell, sie wird der Hit in ihrer Klasse sein.“ Stolz blickte er seine Angestellte an. „Lisa hat sich aber etwas gewünscht“, begann Frau Meier und reichte den halbverbrannten Zettel über den Schreibtisch, indem sie ihn in die Höhe hielt. „Ich habe das hier im Kamin gefunden.“
Verwundert stand von Wedel auf und griff nach dem geheimen Brief. Er las und die Röte schoss ihm ins Gesicht . Mit einer kurzen Kopfbewegung schickte er seinen Mitarbeiter aus dem Zimmer, während Frau Meier auf das einsetzende Donnerwetter wartete. Aber nichts dergleichen geschah, sondern der Chef ließ sich zurück in den Sessel fallen und schwieg.
„Das iPad war teuer“, sagte er schließlich, gerade so als o er sich verteidigen wolle, und fügte leise hinzu „Es ist nicht leicht, seit meine Frau…“. Dabei blickte er aus dem Fenster und betrachtete die tanzenden Schneeflocken. Frau Meier schwieg, und sie hätte auch nicht gewusst, was sie hätte sagen sollen..
Plötzlich erschien ein Lächeln auf dem Gesicht des Witwers. „Ich bin doch hier der Chef, oder? Also entscheide ich über meine Zeit!“ Er sprang auf, warf sich den Mantel über und eilte nach Hause. Er öffnete die Tür zum Flur und rief in die erste Etage: „Ist hier ein wunderschönes Mädchen, das mit ihrem Vater auf den Weihnachtsmarkt gehen will?“ Für ein paar Augenblicke geschah nichts. Dann flog ein kleines Mädchen über das ganze Gesicht strahlend die Treppe hinunter und landete in den Armen des Vaters. „Ja, ich!“ strahlte sie. Hand in Hand verließen Vater und Tochter das Haus.

Ich wünsche Euch allen frohe Weihnachten und ein gutes neues Jahr,
L.G. Elviera
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Re: Weihnachtsgeschichte 2016

Beitragvon Elviera » 25. Dezember 2016, 00:53

Schaut nur mal was ich für eine Antwort auf neine alljährlichen Weihnachtsgrüsse bekommen habe,
kaum dass sie am hl. Abend rausgegangen waren.

L.G. Elviera

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Gesendet: Samstag, 24. Dezember 2016 um 16:13 Uhr
Von: "XXXXXXXX" <XXXXXXX>
An: "Elviera Werners" <ElvieraWerners@web.de>
Betreff: Re: Weihnachtsgrüsse

Nimm uns mal flott aus deinem Verteiler. Idiot.

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Am 24. Dezember 2016, um 15:50, schrieb Elviera Werners <ElvieraWerners@web.de>:


Ihr Lieben alle,

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Re: Weihnachtsgeschichte 2016

Beitragvon Charon » 25. Dezember 2016, 01:42

Na toll. Da fragt man sich, warum man hierzulande Weihnachten noch nicht in Konsum - und Streitfest umbenannt hat. Das wäre auch zeitgemäß "kulturell neutral". :x

Eine Weihnachtsgeschichte habe ich zwar nicht anzubieten, aber an Weihnachten geht bei uns zu Hause die Woche des Jahresrückblicks und der Kaffeesatzlesungen fürs nächste Jahr los. Und dieses Jahr hat der Anblick des frisch geschmückten Weihnachtsbaumes im Zimmer folgende Gedanken ausgelöst.......nennen wir sie mal "Ratschläge eines hellsehenden Weihnachtsbaumes":

"Ich bins, euer Weihnachtsbaum. So fest verbinden mich die Menschen in Europa mit Weihnachten, dass man mich da gar nicht mehr wegdenken kann. Doch habe ich mit der Geburt des Erlösers eigentlich genausowenig zu tun wie mein alter Kumpel, der eierlegende Osterhase. Und obwohl man mich in Bayern auch Christbaum nennt, so bin ich nicht mal ein Christ, denn ich bin schon viel älter als eure Religion. Frech genug bin ich zu sagen, dass ich hier mit euch womöglich gar nicht Weihnachten feiere, sondern die Wintersonnwende meiner alten heidnischen Herkunftskultur. ;) Ach, ihr wollt gar nicht wissen, was damals anstelle von diversem Konsumschrott für Ofergaben unter meinen Zweigen lagen, denn dazu seid ihr Europäer zu sensibel. :lol:

Aber was ich euch sagen will: Meine alte Herkunftskultur wurde zwar von den Christen ordentlich gerupft, und doch wurden nicht nur die Heiden christianisiert, sondern es wurden auch die Christen ein kleines bisschen paganisiert, denn sonst hätten weder ich, noch mein Kumpel Osterhase überlebt. Jaja, ohne Flexibilität überlebt man leider eine solche Zeitenwende nicht, deshalb muss ich jetzt eben albernes Lametta tragen und offiziell ein Weihnachtsbaum sein.

Und leider habe ich das Gefühl, dass mir bald eine ähnliche Zeitenwende erneut ins Haus steht. Wählt also eure Verhandlungspartner klug (im Klartext: so kulturnah wie möglich) aus und handelt intelligente Kompromisse aus, denn nur so könnt ihr möglichst viel von eurer jetzigen Kultur in die neue Zeit hinüberretten. Andernfalls werde ich diesen zweiten großen Wandel nicht überleben, und das nach der langen Zeit.

Seid also geistig flexibel und kompromissbereit, dann können wir auch in Zukunft weiter Wintersonnwende zusammen feiern, auch wenn ich dann vielleicht wieder einen anderen Namen und einen anderen Baumschmuck trage.

Ein frohes Fest wünscht euch

euer hellsehender Weihnachtsbaum"


lg,

Charon
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Re: Weihnachtsgeschichte 2016

Beitragvon Goldmarie » 25. Dezember 2016, 04:36

Ich habe auf der Weihnachtsfeier des Gospelchors eine Geschichte vorgelesen, aber die hat noch eine Vorgeschichte:

Am vergangenen Samstag hatte ich wie üblich die Tagesschau geschaut, zufällig war WDR3 eingestellt. da lief anschließend "Nordrhein-Westfalen feiert Advent 2016", ein Konzert in der Wallfahrtskirche St. Ludgerus in Billerbeck. Ich hatte das Gefühl, ich sollte diese Sendung anschauen, aber ich wollte lieber "Klein gegen Groß - das unglaubliche Duell" anschauen und schaltete deshalb zur ARD um.

Irgendwann - mitten drin - hatte ich den Impuls, mal kurz zum WDR rüberzuswitchen, das tat ich dann auch. Da wurde gerade eine Weihnachtsgeschichte vorgelesen, es ging um drei Zedern, ich bekam etwa die zweite Hälfte mit. Danach schaltete ich wieder zurück zu der Show.

Die drei Zedern ließen mir keine Ruhe, Sonntagabend recherchierte ich danach, ich fand eine Geschichte, die aber ein bisschen anders war, immerhin erfuhr ich den Autor: Paulo Coelho. Mit Hilfe dieses Namens fand ich schließlich das Original:




Die drei Zedern (c) Paulo Coelho

In dieser Geschichte geht es um drei legendäre Zedern, die in den einst wunderschönen Wäldern des Libanon heranwuchsen. Zedern wachsen bekanntlich nur sehr langsam, überdauern dafür aber Jahrhunderte – Zeit genug, um über Leben und Tod, Mensch und Natur nachzudenken.

Unsere drei Zedern erlebten die Heimkehr von König Salomons Kundschaftern und später die Schlachten gegen die Assyrer, die das Land mit Blut tränkten. Sie lernten Königin Jezebel und den Propheten Elias kennen, die einander todfeind waren. Und sie standen auch noch da, als das Alphabet erfunden wurde, und freuten sich über die Karawanen, die mit bunten Stoffen beladen an ihnen vorbeizogen.

Eines Tages unterhielten sie sich über die Zukunft.

„Nach allem, was ich gesehen habe“, sagte der erste Baum, „möchte ich zum Thron des mächtigsten Königs der Erde werden.“

„Ich wäre gerne Teil von etwas, das das Böse für immer in Gutes verwandelt“, meinte die zweite.

Und die dritte Zeder fügte hinzu: „Wenn ich wählen könnte, wollte ich, dass die Menschen, wenn sie mich ansehen, an Gott denken.“

Wieder vergingen Jahre, bis eines Tages Holzfäller kamen. Die Zedern wurden geschlagen und mit einem Schiff weit weg gebracht.

Jeder der drei Bäume hatte seinen Wunsch getan, doch die Wirklichkeit fragt nicht nach den Träumen. Aus dem ersten Baum wurde ein Unterstand für Tiere gezimmert, aus dem, was übrig blieb, eine Krippe für das Heu. Aus dem zweiten Baum wurde ein einfacher Tisch, den später ein Möbelhändler kaufte. Da sich für das Holz des dritten Baumes kein Käufer fand, wurde er zersägt und in ein Lager in einer großen Stadt gebracht.

Unglücklich klagten die drei Bäume: “Unser Holz war gut, niemand hat etwas Schönes daraus gemacht.”

Die Zeit verging und in einer sternenklaren Nacht verbrachte ein Ehepaar, das keine Herberge gefunden hatte, die Nacht im Stall, der aus dem Holz der ersten Zeder gebaut worden war. Die Frau gebar unter Schmerzen ein Kind und legte es in das Heu in der hölzernen Krippe.

Da begriff der erste Baum, dass sein Traum in Erfüllung gegangen war: Dort lag der König der Könige.

Jahre darauf setzten sich mehrere Männer an den Tisch, der aus dem Holz des zweiten Baumes gemacht worden war. Bevor sie zu essen begannen, sprach einer von ihnen einige Worte über das Brot und den Wein, die vor ihm standen.

Und da begriff der zweite Baum, dass er nicht nur als Unterlage für ein Glas Wein und ein Stück Brot diente, sondern für den Bund zwischen Gott und den Menschen.

Am nächsten Tag wurden zwei Stücke der dritten Zeder aus dem Lager geholt. Es wurde ein Kreuz aus ihnen gezimmert, das achtlos in eine Ecke geworfen wurde. Wenige Stunden darauf brachten sie einen schwer verletzten Mann und schlugen ihn an das Holzkreuz. Die Zeder klagte über das grausame Los, das ihr das Leben vorbehalten hatte.

Doch ehe noch drei Tage vergangen waren, begriff auch die dritte Zeder ihr Schicksal: Der Mann, der an ihr Holz geschlagen worden war, war jetzt das Licht, das alles erleuchtete. Das aus ihrem Holz gezimmerte Kreuz war nun nicht mehr das Symbol der Qual, sondern war ein Zeichen des Sieges geworden.

Wie es oft mit Träumen geschieht, hatten sie sich auch für die drei Zedern aus dem Libanon erfüllt – nur nicht so, wie diese es sich vorgestellt hatten.
[/i]

Liebe Grüße und frohe Weihnachten
Maria
Es soll sich regen, schaffend handeln, / Erst sich gestalten, dann verwandeln; / Nur scheinbar stehts Momente still.
Das Ewige regt sich fort in allen: / Denn alles muß in Nichts zerfallen, / Wenn es im Sein beharren will.

Johann Wolfgang von Goethe
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Re: Weihnachtsgeschichte 2016

Beitragvon Elviera » 26. Dezember 2016, 01:31

Hallo Maria,

vielen Dank für die schöne Geschichte, und dieses Jahr haben wir sogar gleich 3.
Aber den Namen des Verfassers aollte ich eigentlich rauslöschen wegen der Urheberrechte? Allerdings habe ich mich im Netz mal umgeschaut und festgestellt dass er zemlich viel zulässt wenn sein Name genannt ist.

Wenn man nämlich mit dem Namen des Verfassers Googelt, und Recherchefirmen tun das, dann ist man schnell dran wegen der Urheberrechte.
Das ist also immer so ne Sache, und man muss es denen ja nicht auf dem Silbertablet servieren.

L.G. Elviera
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