Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Stanley » 19. Januar 2012, 13:21

Huhu,

hier ein taz-Artikel über ein Berliner Transmädchen, was vom Jugendamt in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden soll, weil die Mutter ihrem Kind eine Geschlechtsangleichung ermöglichen will: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/arti ... cca197a8da
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Bianca » 19. Januar 2012, 14:37

Moin,

Einfach nur fúrchtbar! Für das Kind und auch die Mutter.Da bleibt wohl nur eins,aus Berlin weg zu gehen und hoffen,daß anderswo nicht solche bornierten Beamten hocken.

Gruß Bianca
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Elviera » 19. Januar 2012, 14:48

Also ich würds ja gar nicht glauben wenn ich es nicht gelesen hätte das so was in Deutschland möglich wäre.

Seit einigen Jahren schon begleite ich per E-Mail einen ähnlichen Fall, da haben die Eltern recht ähnliche Ideen.
Die junge Dame war gerade mal 13 Jahre alt als ihre Lehrer den Kontakt zu mir hergestellt haben weil der Besuch einer Gruppe nicht nur aus Altersgründen nicht ratsam wäre, sondern es unmöglich wäre aufgrund einer Behinderung.
Aber das Jugendamt hat sich in diesem Falle ganz anders verhalten und auch wenn Die Eltern es torpedieren wo es nur möglich ist.
Ein Dank und grosses Lob an weitsichtige Leute sei an dieser Stelle mal ausgesprochen und wenn sie nächstes Jahr 18 wird dann sind die Karten neu gemmischt.

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Iona » 19. Januar 2012, 17:20

Hallo in die Runde,

ich hab den Artikel der TAZ gerade sehr lebhaft mir meiner Frau diskutiert.
Sie ist Erzieherin im Heimbereich für verhaltensauffällige Kinder und Jugendliche und hat daher eine etwas unverkrampfte Sicht auf viele Dinge und Entscheidungen, welche für Andere schwer nachzuvollziehen sind.
Dazu gehört auch die Entscheidung des Jugendamtes zur zeitweisen Unterbringung in der geschl. Psychatrie.
So, jetzt könnt ich mich steinigen: Ich gebe ihr Recht. Nach meiner Ansicht ist Alexandra leider ein Spielball der Unversöhnlichkeit ihrer Eltern geworden, das eigentliche Kindeswohl wurde von Beiden dem eigenen Ego untergeordnet - eine ganz üble Sache.
Auch sollten wir versuchen, das Ganze nicht durch die Brille des von TS Betroffenen, sondern neutral zu sehen.
Ich denke, ein Aufenthalt in einer verständnissvollen Einrichtung sollte Alexandra ermöglichen, frei von allen Zwängen ihre eigene Identität zu suchen und zu finden. Das Ergebnis sollte dann für beide Elternteile verbindlich sein und eine Behandlung zumindestens mit Blockern ermöglichen. Denn bis zum 18. Lebensjahr ist es für Sie noch verdammt lang - eventuell zu lang.

Liebe Grüße

Iona
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Elviera » 19. Januar 2012, 22:29

@ Iona

Im Grunde sehe ich das auch so, und es ist ja auch keine Seltenheit das so was vorkommt z.B. wenn die Eltern sich trennen, sondern leider mehr oder weniger an der Tagesordnung.
Aber auch wenns durch vermutete Ts einwenig komplizierter ist als bei allen anderen Kindern, deshalb ne Einweisung in die Psychiatrie?
Deine Frau ist vom Fach, sie wird wissen was da los ist, und normalerweise ist die Einweisung immer nur das allerletzte Mittel.
Ganz besonders aber wenn es um eine Ersteinweisung, also das erste Mal im Leben eines Menschen ist, weil man dort oft genug den richtigen Umgang bekommt und dann wars das endgültig.

Seit 1983 arbeite ich ehrenamtlich in der Psychiarie, wovon der Stammtisch ein Nebenprodukt aus persönlichem Interesse ist. Ich glaube dass ich weiss wovon ich rede wenn ich einfach mal ganz dreist und Laienhaft behaupte das es völlig unabhängig von Ts wohl geeigetere Massnahmen und Orte gibt für so ein Kind.
Aber wer weiss natürlich was da vielleicht noch für Diagnosen ausserdem vorliegen?
Die Zeitung weiss auch nicht immer alles.
Möglicherweise ist Ts auch nur ein Punkt von vielen Anderen und nur die Spitze eines Eisberges?

Mag man mich meinetwegen der Amtsanmassung bezichtigen.

L.G. Elviera

Ps.
@ Iona nochmal ich

Was glaubst Du eigentlich was auf einer geschlossenen psychiarischen Station an Therapien läuft?
Auf den Offenen isses was anderes, aber auf der Geschlossenen ist man in der Hauptsache mit einer medikametösen Neueinstellung befasst.
Dazu muss der alte Bestand herruntergefahren werden.
Und bis das alles was sich noch im Körper befindet raus ist gehts u.U. ultraheavy ab.
Erst dann gehts auf die Offene und da gibs auch Therapie.
Und je nach Patientenstruktur....
Nee es gibt weiss Gott geeignetere Orte für so ein Kind, es sei es liegen andere psychische Erkrankungen vor, was ich ein Stück weit vermute.
Ansonsten ist diese Einweisung nämlich völlig unverständlich.

L.G.
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Bianca » 19. Januar 2012, 23:35

Moin,

Ich finde es auch ohne den Blick durch die eigene Brille einfach nur unmöglich,ein Kind! zwangsweise in eine geschlossene Psychatrie einzuweisen,dort den wahrscheinlich aussichtslosen Versuch zu starten,mit Medikamenten das Kind umzupolen ohne eine eingehende Begutachtung durch unvoreingenommene Fachleute,gegen den Willen der Mutter und des Kindes.
In einem gebe ich Iona recht: die kleine ist das Opfer der Eltern,hier aber in meinen Augen in erster Linie des Vaters,denn man kann ein Kind nicht gegen seine Natur zu einem Mädchen erziehen.

ich würde mir wünschen,wenn eine für die Entwicklung des Kindes vernünftige Lösung gefunden wird.

Gruß Bianca
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Charon » 20. Januar 2012, 01:44

Ich sag mal auch, dass bei dieser problematischen Familienkonstellation neben einer möglichen TS auch noch andere Dinge bei diesem Mädel im Busch sein könnten. Und zwar Dinge, die eine Einweisung - vorübergehend auch in die geschlossene - Psychiatrie rechtfertigen, wie z.B. schweres autoaggressives Verhalten oder ein bereits erfolgter Suizidversuch. In diesem Falle wäre die junge Dame nicht *wegen der TS*, sondern aufgrund anderer schwerwiegender psychischer Probleme in der Psychiatrie gelandet.

Wir wissen da aber nichts darüber, denn darüber steht nichts in diesem Artikel. Deshalb sind die oben angeführten Einwände meinerseits natürlich spekulativer Natur.

Ich hoffe dass es keine Fachleute mehr gibt, die noch immer der Meinung sind, man könne TS mittels reparativer Therapie "umerziehen", und die das Spiel des Vaters deshalb mitspielen würden.

Übrigens hätte ich kein Problem damit, falls z.B. ein Psychologe oder Psychiater, der tatsächlich reparative Therapieansätze bei TS befürwortet, hier im öffentlichen Bereich mitliest. Ich sehe dieses Thema klar genug mit wissenschaftlichen Augen, um mich einer fachlichen Diskussion stellen zu können.

lg,

Charon
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Elviera » 20. Januar 2012, 02:00

Dass da noch mehr im Busch ist vermute auch ich, die Landschaft weisst jedenfalls auch darauf hin.
Und bei Selbst- oder Fremdgefährdung kann das wirklich sehr schnell gehen notfalls mit einem Beschluss.
Ich denke man wird gute Gründe gehabt haben, aber Ts wird wohl keiner davon gewesen sein, davon bin ich überzeugt.
Presse halt!

Nur reparative Therapie? im 20. Jahrhundert?
Ehrlich gesagt habe ich von so was schon sehr lange nichts´mehr gehört.
Aber vielleicht bin ich da zu sehr Ts orientiert und in transfremden Fachkreisen könnte das in der Tat doch noch ein Thema sein?
Irgendwie macht mir das jetzt Angst.

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Stanley » 20. Januar 2012, 10:20

@all: Klar, wir wissen alles nur über die Zeitung, aber offenbar geht es doch um TS als Einweisungsgrund. Das Jugendamt handelt in dem Sinne nicht richtig, als dass ausführliche Gutachten von TS-erfahren Psychiatern mit Langzeitbeobachtung bislang ausgeblieben sind.

Es gibt auch heute noch Institutionen, die TS "wegtherapieren" wollen und dazu gehört leider auch die ach so renommierte Abteilung in B. von Prof. B., der auch im Artikel genannt wird. Seriöse AG's haben den nämlich schon lange von ihrer Gutachterliste entfernt.

Es mag sein, dass es möglicherweise sinnvoll sein kann, das Kind erstmal aus dem Einzugsgebiet BEIDER Elternteile rauszubekommen, aber der Artikel gibt ja keine Hinweise auf eine zu vermutende Suizidgefährdung und deshalb ist eine geschlossene psychiatrische Abteilung m.E. grundfalsch - da gehe ich mit Elviera d'accord.
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Iona » 20. Januar 2012, 10:54

Hallo zusammen,
ich hatte Elviera eine PN geschickt.
PN deshalb, weil diese personenbezogene Daten enthielt.

Die anonymisierte Version möchte ich euch nicht vorenthalten:
@Elviera: Geht das für dich in Ordnung?

Hallo Elviera,

ich habe deine Antwort mit meiner Bekannten besprochen - wir geben dir in vielen Dingen recht - da du in der Psychiatrie gewissermaßen "zuhause" bist, hast du fraglos einen besseren Blick auf die Dinge.
Aber: Viele Kinder, die bei meiner Bekannten im Heim sind, kommen aus der Jugendpsychiatrie - und sind im Allgemeinen dort nicht ungern gewesen. Bitte nicht lachen: "Da gab es jeden Morgen frische Brötchen" - aber das Gute-Nacht-Lied/Geschichte - wie im Heim - wird schmerzlich vermisst.
Wäre vielleicht für dich auch ein Ansatz... (Gemeint sind hier Rituale, welche den Kindern Sicherheit geben).
Zweifellos ist die TS von Alexandra nur die Spitze des Eisberges, als erstes sollte die Beobachtung in der gewohnten Umgebung stehen - aber macht das der Vater mit?
Wahrscheinlich nicht. Und nun?
Ich persönlich kann Alexandra gut verstehen - ich bin schließlich bereits mit sieben Jahren zu meinen Großeltern nach Lehnitz geflüchtet, um dem Druck Junge "spielen" zu müssen entfliehen zu können.
Es ist aber meiner Meinung nach grundfalsch, über den Kopf des Kindes einen sofortigen Vollzug der Einweisung durchzusetzen - hier werden Ängste erzeugt, welche sich nie wieder therapieren lassen (hier bin ich nur Laie).
Du wirst mir sicherlich zustimmen, dass alle Entscheidungen nur mit Alexandra gefällt werden sollten, ansonsten wird Sie sich der Therapie verweigern, das weiß ich aus eigener Erfahrung.
Die Frage der Übertragung der Gesundheitsfürsorge auf das JA steht ja auch noch im Raum. Dieses geschieht normalerweise auch nicht sofort - in der Regel dauert es über 12 Monate.

Und für amtsanmassend halte ich dich keineswegs. Ganz im Gegenteil.

Liebe Grüße

Iona
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Charon » 21. Januar 2012, 02:05

Elviera hat geschrieben:
Nur reparative Therapie? im 20. Jahrhundert?
Ehrlich gesagt habe ich von so was schon sehr lange nichts´mehr gehört.
Aber vielleicht bin ich da zu sehr Ts orientiert und in transfremden Fachkreisen könnte das in der Tat doch noch ein Thema sein?
L.G. Elviera


Ja, das könnte gut möglich sein, dass du da doch sehr TS-orientiert bist.

Was die transfremde Fachwelt betrifft: Es gab doch mal einen Astronom der zum Thema Erde behauptete: "Und sie dreht sich doch !" Analog dazu kann ich über die transferne Fachwelt nur einen Vergleich mit Pferden anbringen: "Und sie kotzen doch !" Ich habe Pferde in diesem Bereich nämlich schon des öfteren kotzen sehen. Leider.

Naja, zum Thema Jugendamt: Es gab schon einige Fälle in der Presse, in denen das Jugendamt wohl zu spät eingegriffen hat. Die Menschen dort stehen ständig unter Druck, weder zu spät noch zu früh handeln zu dürfen. Nicht einfach das Ganze, denn in beiden Fällen (zu früh oder zu spät eingreifen) hagelt es Schelte. Ich beneide die Mitarbeiter beim Jugendamt definitiv nicht.

lg,

Charon
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Michaela » 21. Januar 2012, 03:59

Ich erlaube mir, einen kleinen Teil des Artikels zu zitieren: "Ein Mann will sie nicht werden. Lieber sterben." Im Artikel selbst ist diese Angabe nicht als Aussage von Alexandra gekennzeichnet und wird vermutlich deshalb überlesen. Die Aussage zur TS wollen wir ihr abnehmen, diese Aussage aber nicht - warum?

Ungeachtet dessen ist die Reaktion des JA auch für meine Begriffe zu hart. Obwohl es in den letzten Jahren immer wieder Schulungen der Mitarbeiter des öffentlichen Sozialwesens gab und auch weiterhin geben wird, wird es doch noch eine ganze Weile dauern, bis auch der letzte Altvordere Mitarbeiter es hablbwegs kapiert hat. Und das betrifft nicht nur diesen, sondern durchaus auch den medizinischen Fachbereich. Solange dies nicht der Fall ist, werden solche und ähnliche Artikel immer wieder die Presse füttern.

Die Triebfeder im gesamten Fall ist aber der Vater, der offensichtlich ein wenig Wissen besitzt, wie man das JA und andere Institutionen unter Druck setzt. Aus dem Artikel geht nicht hervor, aus welchem Grunde nun eine neue SB beim JA eingesetzt wurde, aber ich vermute mal, dass die alte dem ständigen Druck des Vaters nicht mehr gewachsen war. Die neue - na ja, personeller "Fehlgriff". Autorität hat sie jedenfalls, wenn auch mMn in die falsche Richtung, denn die offensichtlich ausschließliche Beurteilung nach Aktenlage ist letztlich nicht das, was eine(n) SozialarbeiterIn ausmacht.
Charon hat geschrieben:Nicht einfach das Ganze, denn in beiden Fällen (zu früh oder zu spät eingreifen) hagelt es Schelte. Ich beneide die Mitarbeiter beim Jugendamt definitiv nicht.

Ja, dieser Drahtseilakt ist nicht ohne! Und wer von uns weiss schon, wo im JA oder bereits an anderer Stelle der Hammer hängt. Je weiter der Druck bereits nach oben verlagert wurde, desto eher sind die zuständigen SB bereit, sich den Anweisungen von oben zu beugen. - Leider.

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Bianca » 21. Januar 2012, 09:57

Charon hat geschrieben: Nicht einfach das Ganze, denn in beiden Fällen (zu früh oder zu spät eingreifen) hagelt es Schelte. Ich beneide die Mitarbeiter beim Jugendamt definitiv nicht.


Moin,

Da hast du völlig recht,ich durfte das ja in Bezug auf meinen Sohn ja auch erleben.Eineinviertel Jahre vor dem Zusammenbruch meiner Ex habe ich dem JA schon gesteckt,daß fortgesetzter
Alkoholmißbrauch zu untragbaren Verhältnissen für meinen Sohn geführt haben.Ein Hausbesuch wurde zwei Wochen im voraus angekündigt Bild und dann intelligenter Weise auch noch in den Ferien,wo die Wahrscheinlichkeit hoch ist,das Kind nicht anzutreffen.Ersatzweise wurde die "Familie" dann ins JA bestellt und da war natürlich alles in bester Ordnung,es bestehe kein Handlungsbedarf,so der Bescheid der SB.Nach dem das Kind fast in den Brunnen gefallen war im letzten September,ging es auf einmal ruck zuck.
Aber egal,heute geht es ihm sehr gut in der Pflegefamilie und das ist das Wichtigste.

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Stanley » 21. Januar 2012, 13:57

So, ich habe heute noch mehr Infos zum Fall gefunden: http://atme-ev.de/index.php?option=com_ ... n&Itemid=2

Da gibt es ein ausführliches Interview mit Mutter und Tochter.
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Bianca » 21. Januar 2012, 14:21

Moin,

danke für den Link.Vielleicht sollte so ein Fall mal bundesweit im TV gebracht werden.Oft ist es ja so,daß nach solch öffentlichkeitswirksamen TV-Reportagen sich zum Wohle des Kindes was bewegt.

LG Bianca
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Michaela » 22. Januar 2012, 22:04

Der Zeitungsbericht hat etliche Organisationen auf den Plan gerufen und es wurden auch Aktionen überlegt. - Aber: Auf Wunsch der Mutter und ihres RA, sollen aktuell keine öffentlichen Aktionen stattfinden. Ich hoffe sehr, dass dieser Wunsch respektiert wird, denn in einigen Kreisen kocht es wohl über. Insbesondere hoffe ich dies für die Mutter und die Tochter, denn wenn jetzt noch verstärkter Presserummel hinzu kommt .....

Übrigens ist der Link von Stanley jetzt direkt auf die 1. Seite gewandert. Ist ja auch interessant, dass es keine transsexuellen Kinder gibt - äh, wie jetzt??? Dafür aber Kinder und Jugendliche mit "Geschlechtsidentitätsstörungen" (was für ein Wort!). Aha! Geschlechtslos sind Kinder und Jungendliche also schon mal nicht. Ist doch schon ein ganz, ganz kleiner Lichtblick, dass von einigen sog. "Fachweltlern" zumindest das erkannt wurde. Eventuell könnte ja doch mal wer ein wenig Hirn vom Himmel schmeißen?

Dort wird auch angeführt, dass man lernen sollte den Kindern "zuzuhören". Warum in Anführungszeichen? "Zuhören" heisst für mich eben "zu"(geschlossen)-hören - links rein, rechts raus. Korrekter Weise müßte es heißen: "Aufmerken" bei dem, was Kinder (nicht nur diese) mitteilen. In der Folge lege ich die Reaktion des JA wie folgt aus: bei "lieber sterben" wurde aufgemerkt - bei "ich bin ein Mädchen (TS)" eben nur "zu"gehört.

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Bianca » 22. Januar 2012, 22:27

Moin,

Haarsträubende Theorien,die da angeführt werden.Wie sagtest du: Eventuell könnte ja doch mal wer ein wenig Hirn vom Himmel schmeißen? Ja bitte,und davon reichlich...

LG Bianca
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Michaela » 22. Januar 2012, 23:50

Michaela hat geschrieben:Übrigens ist der Link von Stanley jetzt direkt auf die 1. Seite gewandert.

Ich hatte vergessen zu erwähnen, dass das Interview dort nicht mehr enthalten und auch an anderer Stelle nicht zu finden ist (hab eventuell nicht intensiv genug gesucht oder es wurde auf besonderen Wunsch entfernt).

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Charon » 23. Januar 2012, 01:56

Hmmm.......eventuell ist das Interview gerade deshalb verschwunden, weil Mutter und Tochter nicht so derbe an die Öffentlichkeit wollten ?

Ich meine, ich kann da nur darüber spekulieren, aber vielleicht haben die beiden in ihrem Leid einfach schlicht und ergreifend Betroffene gesucht, bei denen sie sich mal richtig über das TS-Thema ausreden konnten, ohne irgendwelche Transphobie seitens des Vaters oder sonstwoher ?

Und jetzt wollen die beiden da eher zurückrudern und einen mehr strukturierten Weg mit kompetenter juristischer Beratung gehen, um das Mädel vor der Psychiatrie und den abstrusen Wünschen des Vaters nach reparativer Therapie zu schützen ?

Mich macht es wütend, dass die Tochter noch nie einen kompetenten Gutachter gesehen hat ! Sie hätte schon längst Gutachten gebraucht, und jetzt braucht sie die noch viel mehr, um aus der Psychiatrie-Falle rauszukommen. Und ich denke mal nicht, dass ATME da die richtigen Ansprechpartner sind, um bei strukturierten und juristisch astreinen Wegen helfen zu können, da man dort wohl schon schreiend die Wände hochgeht, sobald Worte wie "Gutachter" oder "Psychiater" fallen.

Ich habe das Interview als es noch online war gelesen und habe das Gefühl, dass durch die streckenweise recht polemische Schreibe in diesem Interview die Leute bei den Behörden vielleicht sogar auf stur schalten könnten, anstatt auf Mutter und Tochter zuzugehen. Ämter und Gerichte lassen sich nämlich nicht gerne auf diese Art und Weise ans Bein pinkeln. Von daher isses vielleicht gar nicht so schlecht, wenn der Artikel im digitalen Nirvana bleibt.

lg,

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Stanley » 23. Januar 2012, 09:33

Offensichtlich wurde das gelöscht, aber ich denke auch, dass es auf Wunsch der Mutter geschah, die sich jetzt einen Rechtsanwalt genommen hat, um dagegen vorzugehen. Ich persönlich hielt ATME auch nicht für diejenigen, die Mutter und Tochter jetzt in dieser Situatioen besonders gut helfen könnten. Möglicherweise wurden die Interviewauszüge auch ohne deren Einverständnis veröffentlicht. ATME arbeitet ja oft nicht sauber.

Ich fand den ursprünglichen Artikel eben als Info mit dem Interviewauszügen interessant, da es noch mehr Infos geboten hat, die eine Pro-Jugendamt-Haltung doch eher relativiert.

Ich wünsche Mutter und Tochter jedenfalls, dass die Zwangseinweisung zurückgezogen wird und sie einen kompetenten Gutachter finden, der sich ihrer animmt. Prof. B. und seine Abteilung in der C. in B.sinddafür aber mehr als ungeeignet.
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Elviera » 23. Januar 2012, 10:20

Ihr Lieben,
ich glaube ich kann Euch da ein wenig beruhigen, denn heutzutage wird erfahrungsgemäss ein Beschluss nicht länger aufrecherhalten als es unbedingt sein muss.
D.h sobald man in der Klausur der Geschlossenen ein wenig zur Ruhe gekommen ist wird der aufgehoben, und das ist nach meinen Erfahrungen spätestens nach einer Woche der Fall.
Die Zeiten wo man unbequeme Familienangehörige auf diese Weise aus dem Verkehr ziehen konnte sind lange vorbei!
Da spielen heutzutage weder Richter noch Ärzte mit!
Üble Sache wie das vor der Psychiatriereform gehandhabt wurde, aber diese Methoden gehören endgültig der Vergangenheit an. Seit Jahrzehnten schon, und daher bin ich guten Mutes das sich im zuständigen Ärzteteam ganz sicher einige Leute finden werden die wissen was im Falle von Ts zu tun ist.
Lasst mich diese Lanze für die Psychiatrie brechen. Und zwar ungeprüft!
Bei anderen Organisationen die auch hier genannt sind wäre ich mit solch einem Einsatz wesentlich vorsichtiger.

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Michaela » 24. Januar 2012, 22:26

Der Aktionsstopp wurde gestern wieder aufgehoben. Offensichtlich haben sich viele Gemüter wieder beruhigt. Übers Wochenende kochte es doch ganz nett hoch.

Offensichtlich haben sich einige Organisationen auch getroffen und eine Art Schlachtplan aufgestellt. Jedenfalls ging Heute die Nachricht rum, dass man sich mit entsprechende Schreiben an verschiedene Stellen des Bezirks, des Landes Berlin und auch an den Bund wenden wolle. Dies im vernünftigen Ton und unter Berücksichtigung der Besonderheiten dieses Falles. Selbst in der EU ist man Aufmerksam geworden.

So wie das Credo ist, wollen die Organisationen die Schreiben gemeinsam abfassen und unterzeichnen. Im Sinne der Betroffenen hoffe ich auf eine schnelle Einigung über die Inhalte.

Am Rande bemerkt: Letzteres hoffe ich auch deshalb, da einige Parteien bereits bei der TSG-Reform Druck machen und es wäre doch schön, wenn bereits vorher einmal klar gestellt würde, dass es eben doch Organisationen für den TS*-Bereich gibt. Das oder die Schreiben sollen auch an die Politik gehen. Die Politik könnte dann hinterher nicht wieder behaupten, dass es solche Organisationen nicht gibt. Dies wurde jedenfalls nach der letzten TSG-Reform behauptet.

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Stanley » 28. Januar 2012, 12:09

Huhu,

die taz bleibt am Ball! Aktuell wurde ein Interview mit der Hamburger Professorin hertha Richter-Appelt geführt, die Direktorin des Instituts für Sexualmedizin und Forensischen Psychiatrie der Universitätsklinik Hamburg ist: http://www.taz.de/1/archiv/digitaz/arti ... 0c7df5fc24

Das Interview macht deutlich, dass die Charité KEINE Einrichtung ist, an die sich Kinder und Erwachsene mit TS vertrauensvoll wenden können.

Ein Auszug:

Wieso sehen die Berliner das so anders?

Es werden in Berlin andere Auffassungen vertreten. Man muss allerdings dazu sagen, dass wir in Hamburg eng in einem internationalen Forschungsverbund zusammenarbeiten, mit Norwegen, Belgien und Holland zusammen, und Fachleute in all diesen Ländern vertreten unsere Ansicht.

In Berlin empfehlen die Ärzte eine Psychotherapie, in der dem Kind sein biologisches Geschlecht nahegebracht werden soll: Geschlechtskonformes Verhalten wird gelobt, nichtkonformes Verhalten wird "nicht beachtet oder beiläufig unterbunden", so schreibt Beier in seinen Empfehlungen.

Das ist ein überholter Standpunkt.
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Michaela » 28. Januar 2012, 15:05

Hallo,

nicht nur die taz, auch die Organisationen hier in Berlin. Für Morgen ist hier ein großer Runder Tisch angesetzt, wo über die Interventionen bei den entsprechenden Stellen gesprochen werden soll. Man möchte nach Möglichkeit auch einen Konsens finden und zügig zu Argumentieren. Das Interview der taz ist auch bei den Organisationen angekommen und recht Wohlwollend aufgenommen worden.

Berlin und die Charité - manchmal hat man den Eindruck, dass diese beiden nicht zueinander passen wollen. Zumindest in Berliner TS-Kreisen ist bekannt, dass man sich in der Charité besser nicht blicken läßt. Einen wesentlich besseren Ruf zu uns hat das Benjamin Franklin.

LG Michaela
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Charon » 29. Januar 2012, 01:41

Nun, ich habs ja schon anklingen lassen, dass ich in der Fachwelt bezüglich TS schon Pferde habe kotzen sehen.

Und eventuell haben wir hier wieder einen wirklich etwas beängstigenden Anachronismus.

Ich wäre da wirklich interessiert daran, ob sich die Klinik dazu in irgendeiner Form wissenschaftlich fundiert äußert und ihre sog. "anderen Auffassungen" vernünftig begründen kann .

Ich würde da aber das Zitieren von wissenschaftlichen Aufsätzen oder Arbeiten, die in Frakturschrift gedruckt oder in Sütterlin geschrieben sind, nicht tolerieren.

Sorry, ich weiß der letzte Satz ist schon etwas böse und überspitzt formuliert, aber manchmal lasse auch ich mich zu einer kleinen Boshaftigkeit hinreissen.

lg,

Charon
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Elviera » 29. Januar 2012, 02:49

Kretschmer lebt!!!????
Sollte das für Manche immer noch so einfach sein?

Das macht mir nach wie vor Angst!

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Stanley » 29. Januar 2012, 03:21

Ja, Klaus M. Beiers Sexualmedizin ist in puncto TS ein Anachronismus.

Ein paar Impressionen:

http://de.wikipedia.org/wiki/Klaus_Michael_Beier (Dort findet Ihr eine Auswahlliste von Monographien und Aufsätzen von ihm selbst.)

http://www.amazon.de/Sexualmedizin-Klau ... 3437228501


http://souled.in/foren/showthread.php?t=7476

@Elviera: wer ist Kretschmer?
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Stanley » 29. Januar 2012, 10:42

Und noch mehr Aktualitäten:

IGLYO Calls for 11 Year Old Trans Girl to Remain with Supportive Mother: http://www.iglyo.com/index.php?option=c ... &Itemid=42

Und hier eine Äußerung von den Betroffenen:

"Sehr geehrte Damen und Herren!

Wir bedanken uns bei Ihnen für ihre Anteilnahme und begrüßen ihren
Wunsch helfen zu wollen.

einhorn@dgti.org

Diese Mailadresse wurde als sogenanntes Sammelbecken eingerichtet um
konkrete Vorschläge direkt an die Betroffenen und Beteiligten ( Mutter
des Kindes und Anwaltskanzlei ) weiter zu leiten.

Hierbei bitten wir zu berücksichtigen, dass keine Kontaktdaten und
Details zu dem Fall herausgegeben werden, bevor die
Unterstützungsangebote geprüft wurden.
Es wird darum gebeten, dass sie ihren Vorschlag wie sie in dem Fall
helfen können, sofern sie Details dafür benötigen, schriftlich
formulieren.
Jeder kann natürlich unabhängig vom Kontakt zu den Betroffenen /
Beteiligten aktiv werden. Dies dann bitte basierend auf den Infos aus
dem Taz Artikel. Das war ja auch der Hintergrund für die
Veröffentlichung.

Mit freundlichen Grüßen

Die Familie des " Einhorns " und deren Anwaltskanzlei"
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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Elviera » 29. Januar 2012, 13:55

Hallo Stanley

Ernst Kretschmer ist der mit seiner Konstitutionstypologie.
http://de.wikipedia.org/wiki/Konstituti ... stypologie

Sag jetzt nicht ach soooooo.

Wenns mal immer so einfach wäre...

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Re: Berliner Transmädchen soll in geschlossene Psychiatrie

Beitragvon Charon » 30. Januar 2012, 02:08

Elviera hat geschrieben:Kretschmer lebt!!!????


Mir klingt das Ganze mehr nach: B. F. Skinner lebt !!!!??????? :o

Und das ist nicht minder simplifizierend und angsteinflößend als Kretschmer.
Wer heutzutage anscheinend noch mit solchen plump behaviouristischen Holzhammer-Methoden komplexe Probleme wie die TS "therapieren" will, hat wohl die sog. "Kognitive Wende" komplett verpennt.

Solche (Um-)Erziehungsmethoden haben im 21. Jahrhundert nur noch in Hundeschulen oder bei der Tierdressur im Zirkus ihren Platz, und bei letzterem Beispiel gehen da schon oft diverse Tierschützer (oft auch zu Recht) die Barrikaden hoch. Aber mit Menschen soll man solche Experimentchen, deren therapeutische Wirksamkeit bei TS übrigens in all den Jahren nie nachgewiesen werden konnte, noch praktizieren dürfen ? Das macht auch mir Angst.

Ich kapiere auch die Argumentationsweise nicht, irreversible Veränderungen bei Jugendlichen verhindern zu wollen. Die Gabe von Pubertätsblockern bei transsexuellen Jugendlichen bringt eben gerade KEINE irreversiblen Veränderungen, sondern die Pubertät im Geburtsgeschlecht wird normal durchlaufen, wenn ein Patient das Medikament absetzt, weil er oder sie doch im Geburtsgeschlecht leben will. Der Stimmbruch oder die Entwicklung eines männlichen Knochenbaus bei einer jungen TF hingegen sind irreversibel !

Mir stößt auch diese absolute Willkür sauer auf, mit der solche Fachleute wohl in punkto Ätiologie der TS herumfuhrwerken. Die Anwendung des "Skinnerschen Holzhammers" setzt ja vorraus, dass TS etwas rein Anerzogenes ist, denn was man mal gelernt hat, das kann einem ja wieder aus dem Kopp gekloppt werden. Aber wie durch Geisterhand sinds in der Pubertät plötzlich "die Hormone", die die Gechlechtsidentität festlegen, und zwar natürlich immer weltbild....ähh....geburtsgeschlechtskonform. Oder setzen solche Fachleute das Verweigern von Pubertätsblockern gezielt als weiteren negativen Verstärker ein, um der Dressur nach Skinner noch mehr Durchschlagskraft verpassen zu wollen ? Sollte Letzteres der Fall sein, dann habe ich jetzt richtig Angst.

Und vor allem stelle ich mir eine große Frage: Wie kommen Fachleute in 21. Jahrhundert auf solche Ideen ? Wie kann es zu einem solchen Verleugnen neuerer wissenschaftlicher Erkenntnisse kommen ? Fast bin ich geneigt zu empfehlen, dass solche Experten mal versuchen sollten, ihre eigenen Methoden mal bei sich selbst anzuwenden. Bei TS hilft der olle Behaviourismus nicht weiter, aber bei simplerem, klar erlerntem Problemverhalten wie z.B. Phobien kann sowas helfen. Ich sags ja, Transphobie wäre eigentlich recht leicht zu therapieren, der Patient muß nur wollen. ;)

lg,

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