yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Gemeint sind hier Dokumentationen genau so wie Spielfilme oder Theaterstücke, also alles was gesendet oder aufgeführt wird, und irgendwie mit Ts zu tun hat.
Und wer mag kan hinterher natürlich auch eine Kritik verfassen.

yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Sophie » 3. Juni 2013, 11:11

Hallo ihrs,

gestern gab’s eine Folge von „yourope“ auf arte zum Thema „europäische Identität“. Endlich mal zutreffend (Identität nicht Sexualität) gab es zu diesem Thema auch einen Beitrag über die gesellschaftliche Stellung von Transsexuellen, Transgendern und Interidenten usw. in Schweden, die darin wohl schon etwas weiter sind als wir in Deutschland. Jedenfalls ist dort jetzt ein geschlechtsneutrales Pronomen (das nicht sächlich ist) eingeführt worden für Menschen, die eine Zuordnung in das binäre Geschlechterrollensystem ablehnen:

http://www.arte.tv/guide/de/sendungen/YOU/yourope

Ich hab’ mir zu diesem Thema auch schon einige Male Gedanken gemacht, insbesondere für mehr Möglichkeiten im Personenstandsrecht. Jedenfalls freue ich mich über diesen neuen Ansatz, auch wenn ich mich persönlich im binären System sehr wohl und richtig fühle. Konfliktpunkt dieses 3. Geschlechts könnte jedoch werden, dass TS und andere „uneindeutige“ Personen evtl. zwangsweise gegen ihren Willen dort hinein gedrängt werden könnten. Das wäre integrativ dann ein Rückschritt. Warten wir mal die Erfahrungen der Schweden ab.
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Re: yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Elviera » 3. Juni 2013, 16:08

Hier mal eine andere Version des Problems worin einige vielleicht auch eine Lösung sehen würden?
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/australien-gericht-erlaubt-dritte-geschlechtsangabe-fuer-transsexuelle-a-903197.html

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Re: yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Bianca » 3. Juni 2013, 19:20

Sophie hat geschrieben: Konfliktpunkt dieses 3. Geschlechts könnte jedoch werden, dass TS und andere „uneindeutige“ Personen evtl. zwangsweise gegen ihren Willen dort hinein gedrängt werden könnten. Das wäre integrativ dann ein Rückschritt.


Moin,

Gewagte Theorie!Zuzutrauen ist´s den Parlamentariern allemal,da in Deutschland ja immer alles geregelt sein muß....wobei bei TS es in aller Regel doch eine klare Zuordnung gibt,welchem Geschlecht man sich zugehörig fühlt.Ich bin eben Frau.

Gruß Bianca
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Re: yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Charon » 4. Juni 2013, 01:47

Gewagt ist diese Theorie schon, aber für unmöglich halte ich das nicht, gerade in DE. Außerdem gibts ja nicht nur den Staat, der hier die freie Entscheidung zunichte machen könnte, sondern auch unzählige m.E. nicht leistungsfähige SHGs, die Betroffene durch Gruppendruck und pseudopolitische Propaganda in die eine oder die andere Richtung zwingen. Wir kennen sie doch alle, unsere lieben Sektierer !

Ich begrüße ja generell Wahlfreiheit bzw. Freiheit generell, man sollte dabei nur nicht vergessen, dass bei so einer Entscheidung bezüglich des eigenen Geschlechtseintrags jeder einzelne Betroffene auch die Vernunft walten lassen sollte. Aber man ist i.d.R. gerade am Anfang der Transition bzw. zu Beginn der HRT alles andere als vernünftig und so eine Transition ist nunmal eine Entwicklung, deren Lauf man am Anfang nicht vorhersehen kann.

Ich habe z.B. schon viele TS kennengelernt, die sich vor der Transition jahrelang als "Ne utrum" (bewußt mit dem Leerzeichen geschrieben) gefühlt haben und sich nichts sehnlicher gewünscht haben als kein Geschlecht zu haben oder aber als drittes Geschlecht anerkannt zu werden. Und als es dann ohne Transition nicht mehr ging bzw. ihnen klar wurde dass sie TS sind, war dieses diffuse Gefühl, einem dritten Geschlecht anzugehören, plötzlich weg. Ich habe also durchaus die Beobachtung gemacht, dass der Wunsch nach dem dritten Geschlecht bei TS so eine Art "Durchgangsstadium" war und die Leute dann später schreiend davongelaufen wären, hätten sie dauerhaft so einen "Transenstempel" in den Papieren, der sie als drittes Geschlecht ausweist. Bei IS mag das vielleicht anders sein, ich kenne leider so gut wie keine IS. Aber ich könnte mir hier eher vorstellen, dass die Betroffenen ihre körperliche Realität nicht nur unversehrt lassen, sondern auch in ihrer behördlichen Identität wiederspiegeln wollen.

Eine PÄ und damit die Entscheidung, ob man sich im binären System einordnet oder lieber dem dritten Geschlecht angehören will, sollte daher nicht zu früh getroffen werden. Andernfalls müsste man das Geschlecht ja erneut wechseln können, und das setzt wiederum den simplen gutachtenlosen PÄ-Weg über das Einwohnermeldeamt vorraus, sonst artet das schnell zu einem bürokratischen Wust aus. Dass dieser simple PÄ-Weg aber durchaus seine Tücken hat und daher nicht zu begrüßen ist, haben wir ja andernorts bereits diskutiert.

Es ist also durchaus nicht alles so einfach und man muss immer daran denken, dass Entscheidungen wohldurchdacht sein sollen.

lg,

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Re: yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Bianca » 4. Juni 2013, 10:29

Charon hat geschrieben: Und als es dann ohne Transition nicht mehr ging bzw. ihnen klar wurde dass sie TS sind, war dieses diffuse Gefühl, einem dritten Geschlecht anzugehören, plötzlich weg. Ich habe also durchaus die Beobachtung gemacht, dass der Wunsch nach dem dritten Geschlecht bei TS so eine Art "Durchgangsstadium" war und die Leute dann später schreiend davongelaufen wären, hätten sie dauerhaft so einen "Transenstempel" in den Papieren, der sie als drittes Geschlecht ausweist.


Moin,

mir ging es in der Tat so.In den Jahren vor der Transition konnte ich mich auch nicht so recht einordnen,fühlte mich nicht Fisch,nicht Fleisch.Deswegen mich aber einem dritten Geschlecht zugehörig zu erklären und so einen "Transenstempel" im Paß?Mich jedem als Sonderling (und das ist man,so lange dieser Status nicht allgemein als normal angesehen wird) outen?Nee,dafür fehlt mir das Selbstbewußtsein und andererseits auch wieder nicht(Aussage von meinem Psycho),ich denke da an die erste Zeit der Transition mit mäßigem Passing.Wahrscheinlich war mir aber auch von Anfang an klar,daß nur eine Änderung zu female in Betracht kommt.
Vielleicht ist das in 100 Jahren so weit.Aber das ist wohl bei jeder neuen Entwicklung so,siehe auch die Homoehe in Frankreich.Die erste war letztens noch eine Nachricht im TV wert und ein paar Generationen weiter spricht da keiner drüber.

Gruß Bianca
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Re: yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Michaela » 4. Juni 2013, 22:06

Hallo,

Schweden und Australien sind nicht die einzigen Länder: http://www.arte.tv/de/pakistan-ein-pass ... 26012.html

Charon hat geschrieben:Wir kennen sie doch alle, unsere lieben Sektierer !

Richtig! Und bei einigen ist man sich nicht einmal untereinander einig, wie das dritte Geschlecht denn nun bezeichnet werden soll. - Da werden wir sicherlich noch interessante Diskussionen erleben. ;)

LG Michaela
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Re: yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Charon » 5. Juni 2013, 00:08

Jaja, an dem Pakistan-Beispiel sieht man, dass die Einführung des dritten Geschlechts nicht unbedingt als Indiz für ein fortschrittliches und tolerantes Weltbild in der Bevölkerung gesehen werden kann. Pakistan und Toleranz ? Eher bringe ich einem Schwein das Fliegen bei.........

Hier handelt es sich wohl um einen sehr grotesken Versuch, Toleranz per Gesetz zu verordnen. Und sowas geht immer nach hinten los.

lg,

Charon
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Re: yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Bianca » 5. Juni 2013, 10:07

Moin,

Wieso grotesk?Ich halte das für einen guten und richtigen Schritt.Natürlich ist in einem vom Islam geprägten Land nicht von heute auf morgen eine Akzeptanz in der Gesellschaft vorhanden,aber aller Anfang ist eben schwer.Bleibt eben nur zu hoffen,daß diese neuen Rechte mehr wert sind als das Papier,worauf sie geschrieben stehen.
Was mich allerdings wundert: Wieso werden die TS,TV und IS alle in einen Topf geworfen?Kann mir nicht vorstellen,daß TS in anderen Teilen der Welt so anders sind wie wir hier.
Zum Schluß die Story mit der Steuerfahndung fand ich mal um schmunzeln,mußte da an den Bayernboß denken,wenn da so eine Truppe TV´s auftauchen würde... :P

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Re: yourope: Gesellschaftliche Stellung von T* in Schweden

Beitragvon Michaela » 5. Juni 2013, 21:16

Hallo,
Charon hat geschrieben:Hier handelt es sich wohl um einen sehr grotesken Versuch, Toleranz per Gesetz zu verordnen. Und sowas geht immer nach hinten los.


so etwas passiert eben, wenn die Bevölkerung eines Staates quasi noch im 16. Jahrhundert lebt und die Regierung sich Weltoffen, Modern und Zukunftsweisend, sich eben bereits im 21. Jh. angekommen geben will. Vernunft kann nicht per Gesetz "verordnet" werden - das würde auch bei uns aber sowas von Schief gehen. Wenn eine Bevölkerungsgruppe von der gegenwärtigen Gesellschaft als Geächtet gilt, dann wird auch kein Gesetz der Welt daran etwas von heute auf morgen ändern. Zeit heißt das Zauberwort und damit einhergehend eine gemäßigte Veränderung der Weltanschauung.

LG Michaela
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