ADHS Folge v. Vernachlässigung? Einige Interessante Aspekte

ADHS Folge v. Vernachlässigung? Einige Interessante Aspekte

Beitragvon Elviera » 4. Dezember 2015, 01:23

Eigentlich gehört es vom Thema ja nicht in dieses Forum, aber trotzdem möchte ich das Thema mal anbieten.
http://derstandard.at/1363711375599/ADH ... laessigung

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Re: ADHS Folge v. Vernachlässigung? Einige Interessante Aspe

Beitragvon Levanah » 4. Dezember 2015, 13:41

psycho(un)logisches gehört doch durchaus in ein forum wie dieses ;)

die menge an fehldiagnosen lässt bei mir eine warnlampe aufleuchten.
wie sieht das in anderen ländern europas aus?
wie objektiv/subjektiv ist die psychologie/psychiatrie überhaupt?
und was bedeutet das für die artverwandten bereiche der kinderpsychiater, auch im hinblick z.b. auf ts- oder straftäter-gutachten?

es wirft auch fragen zu anderen themen im zusammenhang mit jugendlichen und jungen menschen auf.
in wie weit hat die hintergrundthematik einen einfluss darauf, dass drogenkonsumenten in den letzten jahren immer jünger wurden?
welchen teileinfluss hat es darauf, dass sich jugendliche und junge erwachsene in unseren gesellschaften für irgendetwas radikalisieren lassen?

inhaltlich kann ich da aus meiner lebenserfahrung nur sagen:
nicht nur kinder brauchen unstrukturierte zeit und freiräume, die brauchen auch erwachsene.
als erwachsene verdrängen wir ungelöstes und unstimmiges oft, müllen unsere tage mit aktivitäten zu - bis zum crash.
meine persönlichsten probleme konnte ich erst ab dem zeitpunkt lösen, wo ich selbst meine tagesstrukturen bestimmen konnte.
ich musste nicht mehr im job funktionieren und hatte mehr als genug freiräume und zeit für mich.

:hallo:
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Re: ADHS Folge v. Vernachlässigung? Einige Interessante Aspe

Beitragvon Goldmarie » 4. Dezember 2015, 13:43

Elviera hat geschrieben:Eigentlich gehört es vom Thema ja nicht in dieses Forum...

Na, dann würde aber so einiges nicht in dieses Forum gehören. :lol:

Der Artikel scheint mir auf die heutige Zeit zugeschnitten, in der ADHS immer häufiger diagnostiziert wird.
Aber wie war das vor 50, 60 Jahren? Vernachlässigung von Kindern gab da auch schon. Oder Überbehütung, die sich aber wohl genau so fatal auswirkt. Und wenn körperliche Überbehütung mit geistig-seelischer Vernachlässigung kombiniert auftritt?
An wen denke ich dabei wohl? :x

LG
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Re: ADHS Folge v. Vernachlässigung? Einige Interessante Aspe

Beitragvon Charon » 5. Dezember 2015, 01:54

Dieser Artikel bringt Einiges auf den Tisch, das ich durchaus auch so sehe. Bloß wird der Begriff "Vernachlässigung" bei vielen Lesern wohl etwas irreführend wirken, da man hier eher an ein Ignorieren bzw. "links liegen lassen" denkt, während es ja tatsächlich um ein Zuviel an Beschäftigung mit dem Kind bzw. Jugendlichen seitens der Umwelt geht. Von daher würde ich hier eher von sowas wie "Überforderung durch Reizüberflutung" reden, welche die ADHS-Symptome auslöst.

In der Tat kann man Folgendes beobachten: Rein in Tagen gemessen haben Schüler heute signifikant mehr Freizeit (hier definiert als schulfreie Zeit). In Bayern haben die Schüler z.B. insgesamt fast 3 Wochen mehr Ferienzeit pro Jahr als noch zu meiner Schulzeit, als es weder Herbst-, noch Karnevalsferien gab. Und auch die tatsächliche Zeit, in der in der Schule "ganz normal" Unterricht stattfindet, nimmt stetig ab und massenweise wertvolle Lernzeit in der Schule wird durch zig Klassenfahrten, Praktika, Projektwochen oder gar Spiele-Tage verplempert. Das einzig Sinnvolle hier sind die Betriebspraktika, die man in meiner Schulzeit noch in den Ferien abzuleisten hatte, damit keine Schulzeit verloren ging. Der ganze Bespaßungs-Müll gehört raus aus den Schulen ! Das Problem ist an einem der Gymnasien in meiner Gegend schon so schlimm geworden, dass der Abiturjahrgang jetzt extra zusätzliche Nachmittags - und Samstags-Schichten einlegen muss, in denen der ganz normale Lehrstoff im Schweinsgalopp durchgedroschen wird, da einfach durch irgendwelche Bespaßungsprojekte so viel Zeit verballert wurde, dass der Lehrplan ohne Extra-Schichten nicht mehr zu schaffen gewesen wäre.

Mir stehen daher die Haare zu Berge wenn sich Eltern über den "Schulstress" ihrer Kinder beklagen. Das ist kein Schulstress, sondern "Bespaßungs-Stress", der dazu führt, dass die Blagen sich auf nichts mehr konzentrieren können. Und wie in diesem Artikel erwähnt, können die Kinder tatsächlich wohl nicht mehr zwischen Schule und Freizeit unterscheiden, denn nach der Schule geht die Druckbetankung mit zig Freizeitprojekten, Sportarten oder wasauchimmer weiter, und die Hausaufgaben werden als lästiges "ist nicht so wichtig" zwischen die viel wichtigeren Bespaßungsprojekte geschoben. Die Kinder tanzen also auf 100 Hochzeiten, und dauernd werden sie von extern mit Reizen zugedröhnt. So zappeln sich die Kids durch ihre Jugend ohne gelernt zu haben, sich mal alleine und selbständig mit einem Thema ausführlicher zu beschäftigen und ohne bei diesem Information Overflow zu lernen, wie man Wichtiges von Unwichtigem unterscheidet.

Von daher sehe ich die vielen ADHS-Diagnosen tatsächlich als Lebensstilproblem an und dasselbe trifft m.E. auf die plötzlich so zahlreichen Asperger-Diagnosen zu, nur dass es hier mehr um Vernachlässigung von (insbesondere intellektuell überdurchschnittlich begabten) Kindern und Jugendlichen im klassischen Sinne als um Reizüberflutung gehen dürfte.

lg,

Charon
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