WPATH Standards of Care Version 7

WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Levanah » 13. Oktober 2011, 14:19

Ihr Lieben

Vielleicht haben einzelne von Euch das ja schon mitbekommen.

Die WPATH (World Professional Association for Transgender Health) hat kürzlich ihre 7. Version der Standards of Care veröffentlicht. Das 120 Seiten starke, englische Dokument beinhaltet einige sehr interessante und brisante Neuerungen.

So wird jeglicher Ansatz zum wegtherapieren von Trans als unethisch abgelehnt.

Die begleitende Therapie soll keine Voraussetzung mehr für Hormone und GAOp sein. Der Alltagstest ist gestrichen.
Es liegt nicht mehr bei den betroffenen Transfrauen und Transmännern, sich gegenüber der Ärzteschaft zu beweisen. Es liegt neu nun an den Fachleuten, für die bestmögliche Behandlung ingesamt besorgt zu sein. Was braucht der einzelne, induividuelle Transmensch, um gesund und zufrieden zu sein?

Version 7 betrachtet Trans nicht mehr als Krankheit. Die Standards anerkennen Identitäten ausserhalb von absolut Frau/Mann und auch, dass es Transmenschen gibt die ohne medizinische Behandlung ein zufriedenes Leben führen. Die neuen Standards heben hervor, dass nicht nur eine optimale, medizinische Versorgung wichtig für unsere Gesundheit ist, sondern auch eine Gesellschaft ohne Diskriminierung und Vorurteile, die Tolranz lebt und ein positives Bild vermittelt.

:flower:
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Stanley » 13. Oktober 2011, 17:08

Ich sehe diese Entwicklung als ein wichtiges Signal für die Zukunft. Auf konkrete Auswirkungen auf die deutsche Praxis werden wir allerdings noch warten müssen. So schnell wird sich für Kassenpatient*innen nichts ändern, solange die Beweispflicht, dass die Kasse leistungspflichtig ist, bei uns liegt.
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaela » 13. Oktober 2011, 19:42

Hallo,

ich weiß nicht, ob sich hier aus Krankenkassensicht nichts ändern wird. Da aktuell überall nach Sparmöglichkeiten gesucht wird, dürfte u. U. diese Ausführung sozusagen eine Steilvorlage sein. Aktuell wird von einigen Parteinen zur Änderung des TSG ein wenig Druck gemacht - einzig mauern tut noch die CDU/CSU. Hoffentlich möglichst lange!

Levanah hat geschrieben:Version 7 betrachtet Trans nicht mehr als Krankheit.

Soweit ich das bisher mitbekommen hatte, sollte Trans* nicht mehr als "Geisteskrank" gelten. Eine Krankheit sollte es eigentlich schon bleiben. Totale geistige und seelische Eschöpfung (Burn out) haben ja auch ein Krankheitsbild und zählen nicht zu der Rubrik "Geisteskrank"!

LG
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Levanah » 13. Oktober 2011, 23:23

Diese Befürchtung kam mir auch ganz spontan hoch, und ich habe die Neuerungen darum auch als brisant bezeichnet.

Michaela hat geschrieben:Da aktuell überall nach Sparmöglichkeiten gesucht wird, dürfte u. U. diese Ausführung sozusagen eine Steilvorlage sein.


Einen parlamentarischen Vorstoss zur Streichung der Kassenpflicht von Therapie und GAOp gab es hier in der Schweiz ja schon. Der Bundesrat steht dem Streichen der Behandlung aus dem Katalog zu bezahlender Behandlungen jedoch klar und unmissverständlich negativ gegenüber und stellt sich hinter die Transmenschen, welche diesen Weg benötigen.

Das Thema ist auch der Grund, warum ich persönlich eher eine Einreihung von Trans* als angeborene aber behandelbare Behinderung vorziehen würde. Sicher, es gibt Trans*, die eine Abneigung gegen diesen Begriff haben. Ich selbst bin jedoch lieber ein wenig behindert als krank. Wer würde einem Behinderten eine Behandlung verweigern, wenn sie seine Lebensqualität und allgemeine Gesundheit stärkt und verbessert?

Sehr wesentlich dürfte nun aber wohl sein, was jetzt die WHO aus dem SoC 7 macht. Die meisten Staaten schauen doch wohl eher auf die WHO als auf die WPATH. Bis sich die WHO in Sachen Trans* bewegt dürfte aber noch einges Wasser den Rhein hinunterfliessen.

:)
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Stanley » 14. Oktober 2011, 12:40

Ja, es ist zweifelsohne richtig, dass wir schauen müssen, Krankenkassenleistungen nicht zu verlieren. Wie ich schon in einem anderen Thread schrieb, wäre ich sehr für eine ausgewogene Darstellung, die eben darauf verweist, dass es einigen von uns nicht gelingt, Körper und Seele ohne medizinische Eingriffe in Einklang zu bringen. Die einzige Hilfe ist dann eben HRT + auf höchstem Niveau durchgeführte plastische, sowie uro-genitale Chirurgie. Ich habe auch nichts dagegen, meine Ausprägung von TS auch ien Stück weit als Behinderung zu sehen. Stimmt ja für mich auch, denn wäre ich nicht TS, dann hätte ich mir nie im Leben gesunde Körperteile und Organe entfernen lassen. Ohne irgendein Leiden lasse ich kein Chirurgenmesser an mich ran. Dazu habe ich viel zu viel Respekt.

Für Kassenleistungen bleibt auch für die Zukunft zu fragen, welche Fälle denn nun Anspruch darauf haben werden. Es wird ja das BEschreiten eines bestimmten Pfades erwartet, um die Kostenübernahme zu sichern. Ohne Testo, VÄ und 18 Monate Begleittherapie ist da nichts zu machen. Was aber machen z.B. TM/TG, die nur die Mastek brauchen? Die neuen SoC würde deren Existenz ja anerkennen. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass die Krankenkassen ihr Füllhorn über alle ausschütten werden. Wir müssen ja schon wachsam bleiben, dass eine komplette Transition weiterhin zum Leistungsangebot gehört.

Ganz wichtig finde ich aber auch den Hinweis, dass gesellschaftspolitisch noch viel mehr getan werden muss, für eine diskriminierungsärmere Gesellschaft. Denn seien wir mal ganz ehrlich: TS hört nicht mit den OP's auf. Es gibt einige, denen es einfach nicht gelingt, mit Hormonen und OP's ein Passing im gewünschten Geschlecht zu erreichen und diese müssen dann auch noch Spott und hämei m Alltag über sich ergehen lassen. Da hat sich schon so manche*r deshalb das Leben genommen. Selbst im medizinischen Bereich, wo man immer TS Zstd. n. GA. bleiben wird, ist mensch vor unangenehmen Erfahrungen nicht gefeit. So hat in einem anderen Forum ein TM mit Aufbau und Erektionsprothese erzählt, wie diese beim Röntgen beim Orthopäden sichtbar wurde und der Arzt sich darüber lustig gemacht habe, dass er in seinem Alter schon so eine Prothese brauche.
Und so ließe sich die Liste für jeden Bereich des Lebens fortsetzen.
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaele » 15. Oktober 2011, 17:32

Hallo,
TS bzw. die GAOP ist immer noch eine Sache die das Leben entscheidend und für Immer, da nahezu nicht Rückgängig zu

machen, beeinflussen. Für die Änderungen sollte schon gründlich abgeklärt werden.
Wer diese (Über)prüfungen für nicht notwendig hält sollte sich einmal Gedanken machen wie das (spätere) Leben aussehen

soll bzw. aussieht.
Es darf daher nicht wie eine Erkältung mal soeben Abgehandelt werden, ich finde die Sache sollte schon bewiesen werden

müssen. Wieviele kommen sonst auf den Gedanken ICH BIN TS, ich brauche JETZT die OP und hinterher ist das Geschrei

groß, warum hat mir keiner Gesagt das das ist keine Erkältung ist.

Gruß Michele

PS: ich bin den "Harten" Weg gegangen, voller Überzeugung und das ist gut so, für Alle. Wer wirklich den Weg gehen

will/muss der macht das ohne Probleme.
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Charon » 16. Oktober 2011, 01:21

Man sollte auf keinen Fall irgendeine "transrelevante" OP verschrieben bekommen wie Hustensaft, nach dem Motto: Ich sag meinem Hausarzt einfach nur, dass ich so ne OP will und der Hausarzt überweist mich dann schnurstracks ins KH. Allein schon zum Schutze derjenigen, die eben wirklich psychisch krank sind und nicht bzw. nicht nur TS.

Und das bedeutet gleichzeitig auch, dass der Gang zum Psych nach wie vor nötig sein sollte, denn der Hausarzt kann durch Blutdruckmessen und EKG nicht feststellen, ob da wirklich nur TS vorliegt, oder ob da (noch) was anderes im Busch ist. Ich erinnere mich da noch ganz vage an einen User woanders, der eben auch von TS geredet hat.........wo sich aber ganz schnell herausgestellt hat, dass dieser User wahrscheinlich wegen psychischer Krankheit bereits unter gerichtlicher Betreuung stand. So schnell trifft man auf "echte" F-Diagnosen, wo es doch eigentlich nur um TS gehen soll.

Wenn man sich als TS sicher ist, keine Ga-OP zu wollen, sondern z.B. nach der Mastek aufhören will, kann man ja trotzdem alles beantragen.....und dann einfach nach der Mastek aufhören, es zwingt einen ja keiner zu ner OP. Manchmal ist es im Leben klüger, die Klappe zu halten.......man muss nicht bei der KK unbedingt rumerzählen, dass man gar nicht den "ganzen Weg" gehen will.

Außerdem schadet es auch nichts, alles beantragt zu haben, denn einige TM sind sich anfangs zwar vollkommen sicher, z.B. keinen Aufbau zu wollen........aber so ne Transition ist ja doch ein Entwicklungs- und Lernprozeß, und da kommt so mancher TM nach reichlich Selbstanalyse doch zu dem Schluß, die OP zu brauchen. Und da isses definitiv besser, man hat die Kostenübernahme dafür bereits im Sack.

lg,

Charon
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaele » 16. Oktober 2011, 01:42

Hallo,
beantragt werden kann und sollte alles, aber
Levanah hat geschrieben:Die begleitende Therapie soll keine Voraussetzung mehr für Hormone und GAOp sein. Der Alltagstest ist gestrichen.
Es liegt nicht mehr bei den betroffenen Transfrauen und Transmännern, sich gegenüber der Ärzteschaft zu beweisen ...

so sollte es nicht sein.
Wer sich erst im Leben danach Beweisen will und muß, der ist zu spät dran. Wo es nach der OP langgeht sollte jeder schon vorher erfahren (Alltagstest), ich erlebe z. Z. genug Leute (nicht-TS) die erfahren (müssen) wo es für uns langgeht.

Gruß Michaele
Wenn ernst in fernen Tagen,
wird mein Name wo genannt,
sollst Du garnichts anderes sagen,
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Stanley » 16. Oktober 2011, 16:02

Wo es nach der OP langgeht sollte jeder schon vorher erfahren (Alltagstest), ich erlebe z. Z. genug Leute (nicht-TS) die erfahren (müssen) wo es für uns langgeht.


@Michaele: Wie meinst Du denn das?
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaela » 16. Oktober 2011, 18:18

Stanley hat geschrieben:
Wo es nach der OP langgeht sollte jeder schon vorher erfahren (Alltagstest), ich erlebe z. Z. genug Leute (nicht-TS) die erfahren (müssen) wo es für uns langgeht.


@Michaele: Wie meinst Du denn das?

Gegenfrage: 1. oder 2. Halbsatz?

LG Michi
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Levanah » 16. Oktober 2011, 22:09

Michaele hat geschrieben:Hallo,
beantragt werden kann und sollte alles, aber
Levanah hat geschrieben:Die begleitende Therapie soll keine Voraussetzung mehr für Hormone und GAOp sein. Der Alltagstest ist gestrichen.
Es liegt nicht mehr bei den betroffenen Transfrauen und Transmännern, sich gegenüber der Ärzteschaft zu beweisen ...

so sollte es nicht sein.
Gruß Michaele

Die überweigende Mehrheit aller PostOP-Trans* sind dankbar für die therapeutische Begleitung während der Transition.

Aber müsste man da nicht auch von Fall zu Fall abwägen? Wenn du z.B. Autofahrstunden nimmst, dann liegt es in der Erfahrung und im Ermessen des Fahrlehrers, ab wann du reif für die Fahrprüfung bist. In diesem Sinne kann man auch die Fortsetzung des oben anzitierten Absatzes auslegen. Da hiess es ja im nächsten Satz:

Levanah hat geschrieben:Es liegt neu nun an den Fachleuten, für die bestmögliche Behandlung insgesamt besorgt zu sein.


Das heisst für mich, es liegt im Ermessen der Ärzte während der ersten Abklärungen, ob, und wenn ja welche und wieviel therapeutische Begleitung der einzelne Trans* braucht. Es bedeutet für mich das Ende gesetzlicher Rahmenbestimmungen bezüglich der Länge einer Therapie bis zur GAOp. Es ist eine Sache zwischen Arzt und Trans*, diesen Rahmen gemeinsam zu finden und auszufüllen. Schliesslich wurde erst kürzlich die Schweiz wegen ihrem 2-Jahres-Zeitrahmen von den UNO-Richtern schuldig gesprochen, und das Bundesgericht musste einen Entscheid gegen eine Transfrau revidieren. Die Kasse muss nun ihre GA bezahlen, obwohl der gesetzlich vorgegebene Zeitrahmen nicht eingehalten wurde. Sie hat die OP schon nach einem Jahr gemacht.

Genauso individuell sollte auch der Alltagstest sein. Was willst du noch testen, wenn ein Trans* schon Monate oder gar Jahre vor dem ersten Arzttermin seine gefühlte Geschlechtsrolle konsequent ausgelebt hat und dadurch zur Überzeugung kam:'Ich will die GA' ? Da wäre ein Alltagstest doch nur noch reines Gewieher eines Amtsschimmels.

Was es einfach braucht sind sachkompetente Fachleute. Denkbar wären trans*-orientierte Kompetenzzentren, und die wären für jeden Trans*, der trans*-medizinische Hilfe will, DIE Anlaufstelle. Wie das dann im Detail gestalltet wird, ist wieder eine ganz andere Geschichte. Ein trans*-spezifisches Managed Care-Modell wäre da eine Grundidee.

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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Stanley » 16. Oktober 2011, 22:16

Michaela hat geschrieben:
Stanley hat geschrieben:
Wo es nach der OP langgeht sollte jeder schon vorher erfahren (Alltagstest), ich erlebe z. Z. genug Leute (nicht-TS) die erfahren (müssen) wo es für uns langgeht.


@Michaele: Wie meinst Du denn das?

Gegenfrage: 1. oder 2. Halbsatz?

LG Michi


Liebe MichaelA, Dich meinte ich doch gar nicht *gg*. Ich fragte vor allem nach der Bedeutung des zweiten Halbsatzes.

LG
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaela » 16. Oktober 2011, 23:44

Stanley hat geschrieben:Liebe MichaelA, Dich meinte ich doch gar nicht *gg*. Ich fragte vor allem nach der Bedeutung des zweiten Halbsatzes.


Lieber Stanley, ich wollte nur meine leichte Verwirrung zum Ausdruck bringen - gedacht hatte ich mir das natürlich schon. Aber schön, dass wir darüber gesprochen haben. Eventuell geht's MichaelE ja ähnlich? :shock:

LG MichaelA
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Charon » 17. Oktober 2011, 00:52

Levanah hat geschrieben:
Michaele hat geschrieben:
Was es einfach braucht sind sachkompetente Fachleute. Denkbar wären trans*-orientierte Kompetenzzentren, und die wären für jeden Trans*, der trans*-medizinische Hilfe will, DIE Anlaufstelle. Wie das dann im Detail gestalltet wird, ist wieder eine ganz andere Geschichte. Ein trans*-spezifisches Managed Care-Modell wäre da eine Grundidee.

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Genau das wäre es, was man bräuchte. Ob man das nun in Kompetenzzentren zusammenfasst oder ob man versucht, eher dezentral einfach an die Psychs heranzutreten, um ihnen Wissen über TS zu vermitteln, das ist Geschmackssache.

Nur sieht es in der Realität leider noch immer zappendüster aus, die meisten Psychs haben nicht sehr viel Ahnung von TS und es scheint auch nicht so, als hätten da viele Lust darauf, sich damit auseinanderzusetzen. Die Psychs zeigen da wohl, dass sie auch nur Menschen sind, und als solche eben denselben Berührungsängsten aufsitzen wie die Nichtfachleute. Nichtsdestotrotz denke ich, dass man in punkto Aufklärungsarbeit nicht mehr so sehr mit der Gießkanne vorgehen soll (z.B. Info-Stand in der Fußgängerzone), sondern ganz zielgruppenorientiert.

Aber solange sich an diesem Zustand nichts ändert, dürfte der Kurs klar sein: Man geht den Weg, der am "sichersten" ist, d.h. generell vorgeschriebener Alltagstest fixer Dauer statt Einzelfallanalyse und individueller Dauer des Alltagstests. Da läuft man auch am wenigsten Gefahr, eventuell doch einen psychisch Kranken mit ner Ga-OP zu "beglücken". Und so lange es eben nicht genug Experten gibt, die eine anständige Einzelfallanalyse durchführen können, ist der Fall sowieso klar, man wird beim streng geregelten Vorgehen bleiben.

lg,

Charon
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaela » 17. Oktober 2011, 06:10

Charon hat geschrieben:Nichtsdestotrotz denke ich, dass man in punkto Aufklärungsarbeit nicht mehr so sehr mit der Gießkanne vorgehen soll (z.B. Info-Stand in der Fußgängerzone), sondern ganz zielgruppenorientiert.

Aber solange sich an diesem Zustand nichts ändert, dürfte der Kurs klar sein: Man geht den Weg, der am "sichersten" ist, d.h. generell vorgeschriebener Alltagstest fixer Dauer statt Einzelfallanalyse und individueller Dauer des Alltagstests. Da läuft man auch am wenigsten Gefahr, eventuell doch einen psychisch Kranken mit ner Ga-OP zu "beglücken". Und so lange es eben nicht genug Experten gibt, die eine anständige Einzelfallanalyse durchführen können, ist der Fall sowieso klar, man wird beim streng geregelten Vorgehen bleiben.

Hätte eventuell jemand einen umsetzbaren Vorschlag zur "Gießkanneninformation"? Denn das größte Problem ist, dass in den entsprechenden Organisationen, SHG'en und Vereinen in den meisten Fällen "nur" Ehrenamtliche Helferlein vorhanden sind! Also Menschen, die die Aufklärungsarbeit in ihrer Freizeit ausüben. Häufig, um nicht zu sagen fast immer, sind dann Ansprechpartner - wo auch immer - nicht mehr erreichbar. Ist im Prinzip so, als wenn zwei das gleiche tun, aber keiner von dem anderen weiß. - Medical Care bringt mich Ansatzweise auf eine Idee :idea: .

Auch in der aktuellen politischen Dikussion, allerdings sehr weit unten, ist schon angedacht, den Alltagstest aus dem zu überarbeitenden TSG heraus zu nehmen. Diese Gedanken kommen allerdings von den "Basisarbeitern" - und wann wurden zuletzt Anregungen aus der Parteibasis weiter oben berücksichtigt und fanden ggf. sogar Einzug in Parteispitze, Bundestag oder gar Bundesrat? Bei unseren Gesundheitspolitikern ist deutlich zu spüren, dass es mehr darum geht, Einsparungen im Gesundheitswesen zu erzielen, da die Gesundheitskosten explodieren und eskalieren. Da ist kein Platz für neue Gesundheitsausgaben - vor allem nicht für "Randgruppen". Weiterhin ist in der Folge dann der Standesdünkel und die plötzlich vorhandene Interessengemeinschaft, die ebenfalls "ihren Obolus" abhaben wollen, zu beachten. Wenn diese beiden dann wieder sagen "wir wollen das nicht!", dann brechen unsere Politiker doch wieder ein, wie ein Kartenhaus.

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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Stanley » 17. Oktober 2011, 12:41

Was Gießkanneninformation angeht, so habe ich gerade mit einer Freundin ein Projekt in der Medizin am Laufen, wo wir angehende Mediziner*innen über Trans* und inter* aufklären. Das ist bei den ertsen Testversuchen ganz gut angekommen.

Aufklärung als solche darf aber nicht nur im medizinischen und psychiatrischen Sektor stehen bleiben, sondern muss alle gesellschaftliche Bereiche nach und nach erfassen, denn wir bewegen uns ja nicht nur in der Medizin. Lokale Projekte, die mit Sinn und Verstand betrieben werden, halte ich da für die beste Lösung.

Darüber hinaus weiß ich nicht, ob ich die Fokussierung auf Kompetenzzentren so gut fände. Es wäre sicherlich nicht verkehrt, wenn es einige herausgehobene Zentren gäbe, in denen alles aus einem Guss möglich ist - also von Therapie über Therapie, bis hin zur dauerhaften kontrolle der Hormontherapie. Ich finde eien starke Expertenzentrierung aus demokratisch-pluralistischer Perspektive irgendwie nicht als Alleinlösung sonderlich sympathisch.
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaela » 17. Oktober 2011, 14:53

Stanley hat geschrieben:Ich finde eien starke Expertenzentrierung aus demokratisch-pluralistischer Perspektive irgendwie nicht als Alleinlösung sonderlich sympathisch.

Grundsätzlich stimme ich Dir zu! Nur sollte bedacht werden, dass sehr wichtige Ereignisse - auf welchem Gebiet auch immer - in unserem Ländle immer von einer "Zentrale" ausgingen, wo sich Fachleute zusammen gefunden hatten. In nicht wenigen Fällen waren es die Großstädte, in einigen Fälle auch kleine Städte, wo dann meist Individualisten und "Rebellen" für Verbreitung sorgten. Ich denke, dass Individualismus und "Rebellion" heute keine Chance mehr haben. Dazu wird heute schon eine recht "schlagkräftige" Gruppe benötigt.

Stanley hat geschrieben:Was Gießkanneninformation angeht, so habe ich gerade mit einer Freundin ein Projekt in der Medizin am Laufen, wo wir angehende Mediziner*innen über Trans* und inter* aufklären. Das ist bei den ertsen Testversuchen ganz gut angekommen.

Eine Flyeraktion o. ä. an der Uni oder die Leute direkt im Einzelgespräch angesprochen?

Vermutlich ist es auch bei den anghenden Mediziner_innen ein wenig einfacher, dort das Interesse für Trans* und Inter* zu wecken. Denn wie ich bei meinen Outings z. T. erfahren habe, wurde es nicht ganz so kraß gesehen, wenn sich die betroffenen in den Medien bereits erkundigt hatten. Da das Thema fast täglich irgendwo auftaucht und auch einen medizinischen Hintergrund hat, dürfte es bei dieser jungen, neuen und künftigen Ärzteschaft von interesse sein. - Das ist natürlich ein Lichtblick!

Aber wie sollte die allgemeine Gesellschaft und auch die Politik besser und intensiver herangeführt werden? - Da ist die Gießkanne nicht wirklich die Lösung.

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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Levanah » 17. Oktober 2011, 17:00

Michaela hat geschrieben:Aber wie sollte ..... die Politik besser und intensiver herangeführt werden?


Stetes und gezieltes Lobbying im Bundestag.
Ohne Lobbying hätten wir in der Schweiz noch keine gesetzliche Regelung zur gleichgeschlechtlichen Partnerschaft.
Dazu braucht es nicht nur politisch aktive Verbände von Betroffenen. Es braucht auch offen bekennende Politiker/innen auf allen politischen Ebenen und die Zusammenarbeit der Verbände mit 'artverwandten' Gruppen. Letzteres bahnt sich hier bei uns an. Transgender Network Schweiz sucht die Zusammenarbeit mit dem schwulen Dachverband Pink Cross - was völlig logisch ist, da es ja auch in unseren Reihen Lesben und Schwule gibt.

Michaela hat geschrieben:Bei unseren Gesundheitspolitikern ist deutlich zu spüren, dass es mehr darum geht, Einsparungen im Gesundheitswesen zu erzielen, da die Gesundheitskosten explodieren und eskalieren. Da ist kein Platz für neue Gesundheitsausgaben - vor allem nicht für "Randgruppen".


Kurzsichtige Erbsenzähler gehören grundsätzlich zum Optiker, nicht in die Politik :P

Was kostet ein operierter und dafür sonst insgesamt gesunder Trans* pro Jahr?

versus

Was kostet ein nicht operierter Trans* mit schweren Depressionen pro Jahr?
Was kostet ein nicht operierter Trans* mit Borderline pro Jahr?
Was kostet ein nicht operierter Trans* mit ausgeprägter Suchtkrankheit pro Jahr?
Was kostet ....

.... wohlwissend das von den Krankheiten selten eine allein kommt.
Da müsste sich mal jemand mit Sachwissen und Zugang zu entsprechenden Daten hinsetzen und rechnen.

:?:
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Charon » 18. Oktober 2011, 01:30

Die "KK-Logik", die folgt leider oftmals nicht dem gesunden Hausverstand oder vernünftigem betriebswirtschaftlichen Denken. Und leider sind die Fälle (nicht nur bei TS !) zahlreich, bei denen eine Behandlung, die kostengünstig wäre und gute Heilungserfolge erzielt, nicht bezahlt wird........während eine teurere und weniger effektive Methode schon bezahlt wird.

Bei TS braucht man sich nur die Nadelepi anzusehen........eine gute Kosmetikerin macht das meist besser und vor allem auch viel preisgünstiger als ein Hautarzt, und trotzdem muss man zum Hautarzt, wenn die KK zahlen soll. Da fragt man sich schon, ob es den KK finanziell denn so schlecht gehen kann, wenn man sich solche Geldverschwendung ansieht. Da steckt natürlich auch so manche Lobby dahinter.......

Aufklärung von Medizinstudenten sehe ich schon nicht mehr so richtig als "Gießkanne" an, denn das ist ja die Ärzteschaft von morgen. Und solange die noch an der Uni sind, sind sie vielleicht noch wissbegieriger und toleranter (Uni-Umgebung), da fällt die Aufklärung eventuell auch auf fruchtbareren Boden als später. Ebenso könnte ich mir Aufklärungsarbeit unter Psychologiestudenten als sinnvoll vorstellen. Die werden zwar im Studium zwangwseise ein kleines bisschen damit konfrontiert, aber ein "Nachschlag" würde da gut tun !

Und wir haben bis jetzt eine Gruppe professioneller Helfer völlig außer Acht gelassen: Die Sozialpädagogen bzw. Sozialarbeiter.

Die sind bis jetzt in punkto TS irgendwie noch völlig außen vor, und dabei könnte ein stärkeres Einbeziehen der Sozpäds auch zum Entpathologisieren der TS nach den neuen WPATH Standards beitragen. Im Gegensatz zu Psychiatern und Psychologen arbeiten die Sozpäds sehr häufig in Arbeitsumgebungen, wos gar nicht um Psychopathologie geht, sie arbeiten z.B. mit Migranten oder entlassenen Strafgefangenen, also "Randgruppenarbeit" in einem sehr vielfältigen Sinne.

Klar, Dinge wie Diagnostik, Gutachten oder auch TS-Fälle mit psychischer Komorbidität gehören in die Hand der Psychs.......aber die Alltagsbegleitung bei Transleuten, die eine recht "glatte" Diagnose bzw. Entwicklung haben ? Da könnte ich mir sehr gut eine sozialarbeiterische Begleitung statt einer (mehr pathologisierenden) psychiatrisch-psychologischen vorstellen, da es bei diesen TS eben um konkrete Integration im Alltag geht, und weniger um tiefenpsychologisches Schürfen.

Bloss: Wie könnte man so eine Veränderung bei der TS-Beratung und Betreuung erreichen ?

@ Michaela: Für die Aufklärung nach der Gießkannen-Methode finde ich die höheren Klassen der allgemeinbildenden Schulen, die Berufsschulen oder auch VHS bzw. Stätten der Erwachsenen bildung recht geeignet. Denn da hat man die "Ottonormalbürger" statt der professionellen Helfer.......und zwar an Stätten des Lernens, wo sei kein Einkaufsstress und keine Partylaune ablenkt und wo die Hirne eingeschaltet sein sollten, im Idealfall zumindest. Außerdem sind die Gruppen da auch noch zusätzlich moderiert, nämlich durch die anwesende Lehrkraft.

lg,

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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaela » 18. Oktober 2011, 04:35

Charon hat geschrieben:Die "KK-Logik", die folgt leider oftmals nicht dem gesunden Hausverstand oder vernünftigem betriebswirtschaftlichen Denken.

Sehr gut Gesprochen!! Als "KK-ler" würde mich sofort interessieren, was Betriebswirtschaft ist, dann aber sofort als Banalität in die Ecke legen - als BM Gesundheit würde ich sagen, ja, gut, ok - aber wenns doch nicht reicht, geh' ich eben zum Kollegen Finanzen, der wird's schon richten!

@ Charon: Deine Gedanken zur Verbreitung in der Gesellschaft finde ich absolut Spitze! Zeigt's doch wieder einmal: Warum in die Ferne schweifen - sieh, das Gute liegt so nah!

Da der Strang hier Öffentlich ist, hoffe ich ein wenig, dass die ein oder andere Organisation/Verband hier einen Blick reinwirft und den Stang auch ein wenig verfolgt - und nicht gleich sagt: "Ah, Standarts of Care - bekannt und Tschüß!".

Ich erlaube mir jedenfalls, nachher mal "meine" Triqies drauf zu stoßen.

LG Michi
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Zuletzt geändert von Michaela am 18. Oktober 2011, 04:47, insgesamt 1-mal geändert.
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaela » 18. Oktober 2011, 04:43

Muss hier zu einem meiner früheren Posts noch was Nachschieben:
Michaela hat geschrieben:... meist Individualisten und "Rebellen" für Verbreitung sorgten. Ich denke, dass Individualismus und "Rebellion" heute keine Chance mehr haben.

Da ist mir ein kleiner Faux Pas unterlaufen: Individualisten/Individualismaus müsste korrekter Weise Idealisten/Idealismus heißen. - Sorry!

LG Michi
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Elviera » 18. Oktober 2011, 09:52

Ihr Lieben der Strang hier ist nicht nur öffentlich sondern um möglichst viele Leute zu erreichen habe ich ihn mit meinem Profil bei Facebook verlinkt, auch um uns so bekannt wie möglich zu machen.
Wer dort angemeldet ist der guckt mal hier: http://www.facebook.com/profile.php?id=100001844884189

Desweiteren sind mir 2 sozialpädagogische Einrichtungen aus Duisburg und einer aus Oberhausen bekannt bei denen wir bereits pos. aufgefallen sind und ich denke das deren Mitarbeiter hier sporasisch reinschauen.
In der Vergangenheit haben sie es jedenfalls ab und an mal, das ist mir aus ziemlich sicherer Quelle zugetragen worden.
Es ist also nicht so dass sich diesbezüglich gar nichts tut, wenn auch im ganz bescheidenen Rahmen.

Man könnte die Werbetrommel noch lauter rühren, z.B. Werbung bei den grossen Transaseiten, und eigentlich sollte man das auch, aber die Gefahr besteht dann das wir zu viele Leute anlocken die uns den Laden durcheinanderwirbeln.
Und Derer gibt es verdammt viele in unseren Kreisen.
Da könnte es leicht sein das der Laden hier zwar sehr gross wird, aber seinen soz. päd. Wert verliert und abkippt in die Belanglosigkeit.
Günstigstenfalls in die Belanglosigkeit, denn es kann aber auch noch ganz anders kommen. Aber wie auch immer, es wäre in jedem Falle das Ende einer jeden vernünftigen Arbeit.

Kennt Ihr eigentlich diese Seite?

http://de.saferpage.de/t-stammtisch-oberhausen

Es wäre schön wenn unsere Bewertung so bleiben würde wie sie ist.
Interessant finde ich übrigens die Verlinkunsvorschläge zu ähnlichen Seiten. Alles Eltern und familienforen. Das kann nicht nur daran liegen das in unseren Links auch eine Adresse wie Transfamily auftaucht und der Bot sich an diesen Suchbegriff gehängt hat.
Aber egal, sehen wir bei allem was wir tun nur zu dass wir unseren guten Ruf nicht verlieren, und das alleine gerät bei den Leuten die sich manchmal unter uns Tummeln schon zum Drahtseil-Akt, davon abgesehen das Ts leider immer noch ein Tabuthema in unserer Geseillschaft ist ud leider nur allzuoft mit den leuten in verbindung gebracht wird die wir alle hier ganz bestimmt nicht haben wollen.
Einfach nur Werbung machen genügt nicht, sondernman muss das sehr sensibel und auch zielgruppenorientiert machen, sonst geht der Schuss nur allzuleicht nach hinten los.
L.G. Elviera
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Stanley » 18. Oktober 2011, 10:49

Also das von mir initiierte Aufklärungsprojekt geht schon direkt in Seminare von Medizinstudierenden - zumindest dann ,wenn es thematisch passt. Wir werden da von ausgewählten Dozierenden unterstützt, die uns diesen Rahmen zur Verfügung stellen. Generell hoffe ich, dass man dieses Projekt langfristig auch in andere Berufsgruppen tragen kann, wo mit Menschen gearbeitet wird. (Psychologiestudierende, Sozialpädagog*innen, die ganzen Pflegeberufe, etc...)

Ich persönlich finde Schulaufklärungsprojekte, wo mensch dann in die Schulen geht, auch gut. In Göttingen gibt es da was zum THema "Gender" von der DGB-Jugend. In mehreren Großstädten haben Initiativen Projkete gestartet, die den Rundumschlag aller nicht-heterosexueller Lebensweisen und Trans* anbieten. Es ist nicht so, dass es noch nichts gibt, aber es kann und soll ruhig mehr werden, damit es auch mal in die ländlicheren Bereiche kommt, die bislang eher ausgespart wurden.

@Charon: Deine Idee mit dem Einbezug von Soz.Päds in die Betreuung von Transitionierenden finde ich gar nicht so verkehrt. Auch wenn viele das nicht gerne hören, aber gerade für diejenigen, die nicht schon vor der Pubertät den WEg beginnen konnten, wäre es sehr sinnvoll, eine unabhängige Cis-geschlechtliche Person als Ansprechpartner*in zu haben, die Grundlagen z.B. hinsichtlich angemessener Kleidung für alle Gelegenheiten, Schminktipps, usw. vermitteln kann und auch eher praxisorientiert bei der Lebensordnung helfen kann. Hin und wieder habe ich von meinem Therapeuten auch mal ienen Praxistipp bekommen, wenn er z.B. eine falsch gebundene Krawatte an mir bemerkt hat, aber die Regel war das nicht und dabei hätte ich sowas auch eine Zeitlang gut gebrauchen können. Ich hab mir das dann über mehr Kontakte zu Cis-Männern geholt.

Nochmal zu dem Punkt mit den Kompetenzzentren und Experten: Ich sehe halt auch eine Gefahr darin, wenn es Experten so einfach gemacht wird, die Deutungshoheit zu haben und zu halten. Wenn mensch sich die Entwicklung des psychiatrischen Umgangs mit TS anguckt, dann lässt sich erkennen, dass da oft Thesen vertreten wurden, die so ganz und gar nixcht in unserem Sinne war. Wenn es mehr Pluralismus gibt, kann sich auch mal schneller etwas verändern. Mit einer Fokussierung auf Kompetenzzentren und Expertentum gibt mensch Einzelnen zuviel Macht und macht sie zu Torwächtern. Wie gesagt, wir sollten uns nicht drauf verlassen, dass wir dann alles bekommen und über uns gesagt finden, was in unserem Sinne ist und dann können wir diese Mächtigen nicht mehr aushebeln. Also ich habe nichts dagegen, wenn es einige Zentren gibt, aber bitte nicht als Alleinlösung.
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Re: WPATH Standards of Care Version 7

Beitragvon Michaela » 20. Oktober 2011, 08:45

Stanley hat geschrieben:Nochmal zu dem Punkt mit den Kompetenzzentren und Experten: Ich sehe halt auch eine Gefahr darin, wenn es Experten so einfach gemacht wird, die Deutungshoheit zu haben und zu halten. Wenn mensch sich die Entwicklung des psychiatrischen Umgangs mit TS anguckt, dann lässt sich erkennen, dass da oft Thesen vertreten wurden, die so ganz und gar nixcht in unserem Sinne war. Wenn es mehr Pluralismus gibt, kann sich auch mal schneller etwas verändern. Mit einer Fokussierung auf Kompetenzzentren und Expertentum gibt mensch Einzelnen zuviel Macht und macht sie zu Torwächtern. Wie gesagt, wir sollten uns nicht drauf verlassen, dass wir dann alles bekommen und über uns gesagt finden, was in unserem Sinne ist und dann können wir diese Mächtigen nicht mehr aushebeln. Also ich habe nichts dagegen, wenn es einige Zentren gibt, aber bitte nicht als Alleinlösung.

Ich teile Deine Bedenken voll und ganz! Ich wünsche uns allen natürlich auch, dass die neuen Erfahrungen und Erkenntnisse bis in den hintersten Winkel der Republik bekannt werden. Es ist aber eben immer noch so - und so wird's wohl auch immer bleiben -, dass der einzelne wenig bis gar nichts Bewirken kann und er irgendwann halt eben auch an seine eigenen Grenzen stößt. Ergo, wird sich Rat bei Kollegen oder sonstwo geholt. Liegen an dieser Stelle bereits mehrere Anfragen vor, so ist der Gedanke einer Zentralisierung nicht weit. Das Wichtigste ist die Verbreitung der Erkenntnisse - und nicht das Zurückhalten! Sollte bei den heutigen Möglichkeiten eigentlich nicht mehr das Problem sein.

Zu Deinem Projekt Gratuliere ich und wünsche Dir und allen Beteiligten viel Erfolg!

Ich hatte "meine" Organisation kurz auf dieses Thema (Öffentllichkeitarbeit Schulen, VHS u. a.) angesprochen und erfahren, dass "wir" dieses Thema nicht auch noch aufgreifen wollen, zumal im gleichen Hause eine weitere Organisation ist, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt. Dort bin ich noch nicht Vorstellig geworden und lass das auch, da ich die Organisation noch nicht gut genug kenne!

Stanley hat geschrieben:... wäre es sehr sinnvoll, eine unabhängige Cis-geschlechtliche Person als Ansprechpartner*in zu haben, die Grundlagen z.B. hinsichtlich angemessener Kleidung für alle Gelegenheiten, Schminktipps, usw. vermitteln kann und auch eher praxisorientiert bei der Lebensordnung helfen kann.

Das ist absolut Wichtig! Könnte u. U. allerdings auch dazu führen, dass man/frau sich von der Person zu sehr beeinflussen läßt und Dinge übernimmt, die von anderen völlig anders gesehen werden. Meine ersten Erfahrungen und Eindrücke hatte ich mir auch in der "Szene" geholt, diese aber nach meinem "Gutdünken" abgewandelt. Inzwischen bringt die Szene überhaupt nichts mehr, ist z. T. sogar abstoßend. Da ich doch ein sehr hohes Selbstbewusstsein habe, gehe ich überall hin, wonach mir der Kopf steht. Die schönsten und stärksten Erlebnisse sind natürlich die, wo ich dann erst beim 4. oder 5. Blick "geoutet" werde, bis dahin aber anerkennende Blicke bekommen habe. Sehr gut für's Ego! Natürlich gibt es Ecken, die ich meide wie die Pest! Allerdings ist es auch schön, die Grenzbezirke zu ertasten und die eigenen Reaktionen und Schmerzgrenzen hinsichtlich negativer Erfahrungen auszukosten. Die Versuchung, zurück zu Pöbeln ist ab und an schon sehr groß und es kostet auch einige Mühe, erst den Kopf einzuschalten und dann zu reagieren. Wenn sich dann die negative in eine positive Erfahrung wandelt, ist das echt Genial!

LG Michi
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