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Weihnachtsgeschichte 2017

Weihnachtsgeschichte 2017

Beitragvon Elviera » 24. Dezember 2017, 14:24

Ihr Lieben alle,

es ist wieder soweit, und wie jedes Jahr sitze ich im Büro meiner Werkstatt und resümiere noch ein wenig, bevor ich zum gemütlichen Teil übergehe.
War der Vormittag noch recht hektisch, so liegt nun wieder die altbekannte Stimmung über allem und man kann deutlich spüren, die Nacht der Wunder steht wieder mal kurz bevor.
Es ist die Nacht, in welcher alles möglich ist, ich hatte ja schon öfter davon berichtet, und so wie in der Vergangenheit auch möchte ich heute zu Weihnachten, anstatt Euch eine Karte zu schicken, wieder eine Weihnachtsgeschichte erzählen, und wie immer handelt sie von Weihnachtswundern. wie es sie nur in dieser einen Nacht, der Nacht der Wunder geben kann.
Ihr wisst ja, in einer Nacht wie dieser ist alles möglich!

Bei meiner diesjährigen Geschichte ist es jedoch nur ein ganz kleines Wunder, eigentlich kaum der Rede wert und auch ist es nicht gerade neu an diesem Tag. Manches wiederholt sich eben, wenn auch nur teilweise.
Jedoch fand ich dieses Erlebnis recht bemerkenswert, so dass ich Euch heute ein Jahr später davon berichten möchte.

Es begab sich zu der Zeit als Kanzlerin Merkel noch der Meinung war: Wir schaffen das.
Schon lange hatte ich ja die Vermutung, dass wenn Weihnachten das Fest der Liebe ist, Liebe dann wohl käuflich sein müsse. Irgendwie geht das Weihnachtsfest längst an seinem eigentlichen Sinn vorbei, und so trafen meine Frau und ich den Entschluss dem Weihnachtsrummel mit all seinem Konsum zu entfliehen. Es war ein ganz spontaner Entschluss, der am Vormittag des 24. Dezembers gefasst wurde. Wir beschlossen uns dorthin zu verkriechen, wohin wir uns immer zu verstecken pflegten, wenn es mal wieder alles zu viel wurde und wir eine Auszeit brauchten. Eine Unterkunft war schnell gefunden, und zwar in einem kleinen völlig unbekannten Dorf an der Mosel, welches ein wenig abseits lag von dem dort sonst üblichen Tourismustheater. Es sollte auch kein mondänes Luxus-Hotel sein, denn für einen Tag wie diesem erschien uns eine ganz bescheidene Unterkunft angemessen. Über eine einschlägige Internetplattformen war auch schnell eine geeignete kleine Pension gefunden, die auch über Weihnachten Gäste aufnahm.
Nachdem wir die Buchungsbestätigung erhalten und ich meine alljährliche Weihnachtsgeschichte verschickt hatte, machten wir uns auf den Weg und kamen mit Einbruch der Dämmerung an.
Die Straßen waren wie leergefegt, feierliche Stille lag über dem kleinen Dörfchen mit seinen hellerleuchteten Fenster, denn bei vielen Leuten war das Weihnachtsfest offensichtlich bereits in vollen Gange. Lediglich in unserer Pension war alles dunkel und still. Na gut dachten wir, warten wir ein wenig ab und gehen mal ums Haus, irgendwer wird schon irgendwo sein, denn schließlich wurden wir ja erwartet. Und in der Tat gab es einen Nebeneingang wo wir, die Buchungsbestätigung in der Hand haltend. klingelten.
Eine Frau mittleren Alters öffnete und war völlig überrascht nun Gäste vor der Türe stehen zu haben, denn angeblich habe sie ihren Betrieb über die Feiertage beim Buchungsportal abgemeldet. Wie sich dann aber die Buchungsbestätigung erklärt, darauf fanden wir alle keine Antwort. Nach einer kurzen Verhandlung sah es so aus dass wir trotzdem Aufnahme finden würden. Da löste sich eine schwankende Gestalt, die sich nur noch mit einiger Mühe auf den Beinen halten konnte, aus der Dunkelheit hinter uns. Es stellte sich auch gleich heraus dass es sich um die bessere Hälfte unserer Wirtin handelte, der offensichtlich sein Weihnachtsfest schon gehabt hatte. Er kam von einer Feier der örtlichen Feuerwehr wie sich herausstellte, und war abgefüllt bis zur Oberkante Unterlippe und mit ihm war auch nicht mehr vernünftig zu reden. Im Gegenteil, nachdem wir die Situation geschildert hatten und ihm die Buchungsbestätigung vorlegten, fing er gleich an zu Pöbeln und ich verspürte inzwischen auch nicht mehr die geringste Lust in diesem Hause gemeinsam mit einem solch unangenehmen Menschen unter dessen Dach auch nur eine einzige Nacht zu verbringen.
Nun ist ja bekannt, dass die Einheimischen oft Kenntnis darüber verfügen ob noch irgendwo was zu bekommen wäre, und meine Frage diesbezüglich wurde mit hämischen Spott „Wir wären Heiligabend an der Mosel“ zurückgewiesen. Man hätte nun adäquat antworten können, dass sich diese Tatsache auch bis zu uns herumgesprochen hätte usw. aber mir war nicht danach mich mit einem solch Menschen groß rumzustreiten, und an Heiligabend gegen 18 Uhr schon mal gar nicht.
Damit hatte ich dann den Kaffee endgültig auf.
Obwohl meine Frau immer noch Verhandlungsbereitschaft signalisierte und es der Wirtin inzwischen nur noch peinlich war, so hatte ich für mich bereits das Ende der Fahnenstange bzw. die Spitze des Christbaumes erreicht und mein Entschluss stand fest: Hier nicht!
Die Rechtslage war zwar eindeutig, denn nach den Buchstaben des Hotel- und Gaststättengesetzes hätte er uns für „eine Nacht aufnehmen müssen“, aber ich hatte keine Lust mit einem solch unangenehmen, betrunkenen möglicherweise auch noch gewaltbereiten Menschen, der kaum noch in der Lage war stehen zu bleiben, auch noch die Rechtslage zu diskutieren. Auch hielt ich bei dem Zustand dieses Mannes eine weitere Eskalation ja nun mal nicht für völlig ausgeschlossen.
Ich dachte bei mir: „Friede auf Erden, und den Menschen ein Wohlgefallen.“
Wir suchten zwar eine bescheidene Unterkunft, jedoch auf einige wenige Grundsätzlichkeiten die Kinderstube betreffend wollte ich nicht verzichten und bei jemandem der offensichtlich Niveau für eine Handcreme hält, noch dazu als unliebsamer, sozusagen aufgezwungener Gast?
Ich hätte mich dort weder wohl noch sicher gefühlt.
Ich wandte mich an meine Frau und sagte: „ Lass uns den Frieden auf Erden bewahren, und das Wohlgefallen hier in diesem Hause wieder herstellen. Desweiteren schauen wir mal in Cochem, ob wir dort was bekommen, denn Cochem schläft eigentlich nie.“ Denn wenn wir an der Mosel noch was finden können, dann nur dort wo der Touristenrummel normalerweise am größten ist. Eine andere Möglichkeit gab es wohl nicht außer wieder nach Hause zu fahren.
Während wir in der Dunkelheit Mosel abwärts fuhren ging ich meinen Gedanken nach und fragte mich, was denn das für ein Sozialverhalten, noch dazu von einem Dienstleister war. Auch kam mir vieles irgendwie recht bekannt vor.
Maria und Joseph fanden keine Herberge und ich überlegte, wo ich nun wenigstens leihweise einen Säugling herbekäme, um die Sache perfekt zu machen.
Aber auch die himmlischen Heerscharen blieben aus, denn wenn sie schon nicht die frohe Botschaft, so hätten sie aber doch wenigstens irgendeine Botschaft zu verkünden können.

Währenddessen waren wir in Cochem angekommen und mussten feststellen, dass sogar hier die Bürgersteige hochgeklappt waren. Und wie wir so auf der Suche nach einer Herberge durch die menschenleeren Straßen irrten, ließen wir schon alle Hoffnung fahren doch noch irgendwo unterschlüpfen zu können und begannen uns langsam an den Gedanken zu gewöhnen wieder nach Hause zu fahren und damit den heiligen Abend auf der Autobahn zu verbringen.
Gerade als wir aufgeben wollten, zumal es zu allem Überfluss auch noch zu regnen begonnen hatte, da sahen wir doch noch das Licht einer Pension, Ein Mann, offensichtlich der Wirt, stand in der Türe und sprach uns einfach an: „Sie sehen aus als ob sie für die Nacht eine Unterkunft suchen?“
Wir bejahten und wurden gebeten einzutreten. Die Pension hieß, ich werde es wohl nie mehr vergessen, „Bei Jupp“.
Die Formalitäten waren schnell erledigt und wir wurden nun zu einem Weihnachtsessen eingeladen. Mit am Tisch saßen wie auch anders neben ein paar Holländern auch ein dänisches Paar. Es ging also ziemlich international zu an diesem Abend, und ich staunte was Jupp da auftischte, der Tisch bog sich förmlich. Ich glaube so gut habe ich in meinem ganzen Leben noch nicht gegessen, und irgendwie hatte ich den Eindruck, dass es das Schicksal letztendlich doch noch gut mit uns gemeint hat, denn es war eine Weihnachtsfeier wie meine Frau und ich sie noch nie erlebt haben. Ich werde es wohl in meinem ganzen Leben nicht mehr vergessen,
Es war schon ein kleines Wunder und wieder einmal bestätigte sich, dass in einer solchen Nacht wie der des heiligen Abends alle möglich ist.
Zu bemerken wäre noch, dass das Abendessen auf keiner Rechnung aufgetaucht ist und ich glaube auch nicht, dass Jupp an unseren 3 Übernachtungen viel verdient hat.
Aber ich vermute, dass es ihm darum auch gar nicht so sehr ging, denn Jupp hieß eigentlich Yussuf, die orientalische Form des Joseph, der in dieser Nacht aber kein Quartier suchte, sondern eins gab.
Einfach nur darum, weil er in der Lage dazu war, Es ist eine Form der Nächstenliebe auf muslimisch

Die Muslime bezeichnen das übrigens als: Ash-Zakat, was die Reinigung des eigenen Reichtums bedeutet!
Denn wenn der gläubige Muslim hat, dann muss er auch geben! Das ist fester Bestandteil des Gebetes, welches er täglich mehrmals zu verrichten hat. Das Ash-Zakat richtet sich natürlich in erster Linie an die Bedürftigen, die Schuldner, aber auch die Pilger und die Wanderer, die vorübergehend oder ganz heimatlos sind.

Denken wir also bei passender Gelegenheit an Jupp. Und ich für meinen Teil denke, dass unsere Kanzlerin mit dem „Wir schaffen das“ recht hat, wenn wir alle nur ein wenig guten Willen zeigen. So verschieden sind wir nämlich gar nicht wie mir scheint.

Ich wünsche Euch ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein frohes neues Jahr. Elviera Werners
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Re: Weihnachtsgeschichte 2017

Beitragvon Elviera » 25. Dezember 2017, 02:14

Man sollte viel öfter auf solche Gemeinsamkeiten hinweisen, aber das darf nicht nur einseitig sein.
Das z.B. wäre ein guter Ansatz zur Integration und auch zur Integrationspolitik Deutschlands. Nur muss man es auch tun, und das vermisse ich auf beiden Seiten!

http://www.huffingtonpost.de/entry/was-im-koran-uber-weihnachten-steht-zeigt-wie-nah-sich-muslime-und-christen-eigentlich-sind_de_5a3cc61ce4b025f99e162834?icid=maing-grid7%7Cmain5%7Cdl1%7Cdl_lnk1%26pLid%3D778607945_uk

Fragen wir uns doch mal, und das gilt für die Muslime genau so wie für uns. was wir gegenseitig von unseren Religionen wissen, und das obwohl man bereits seit mehr als 50 Jahren zusammenlebt.
Und wo wir gerade dabei sind uns zu fragen so könnten wir auch gleich mal zu ergründen versuchen woran das liegt!

L.G. Elviera
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Re: Weihnachtsgeschichte 2017

Beitragvon Charon » 26. Dezember 2017, 02:03

Ich denke mal, dass Christen und Atheisten hierzulande viel mehr über den Islam wissen als die in Deutschland lebenden Muslime über das Christentum. Da fragt man sich schon, ob es denn sinnvoll sein kann, Einwanderer nicht über Religion und Kultur ihres Gastgeberlandes zu informieren. Ich meine, in jedem Reiseführer steht doch schon fast mehr drinnen als da an Aufklärung stattfand. Also sowas kann ich mir nur dadurch erklären, dass Integration von Anfang an gar nicht erwünscht war, sondern man die Entstehung von Parallelkulturen und die Spaltung der Gesellschaft gewollt hat. Ein Aluhut, ich weiß, aber ich kann mir solche irrational erscheinende Politik einfach nicht anders erklären.

Übriges gibt es im Islam auch einen großen Bereich, in dem die Muslime das verwirklicht haben, was eigentlich für Christen auch verpflichtend wäre: Ein Bankensystem ohne Zinswucher und Zockerei. Solche Entartungen wie z.B. das aktuelle Bitcoin-Casino wären in einem streng muslimischen Finanzsystem gar nicht möglich. Also statt Pegida lieber ein " Aufgeklärte Europäer für die Islamisierung des Finanzsektors ", da hätte ich nichts dagegen. Wir könnten hier einiges vom Islam lernen.....und dann ein schönes Schild an die Frankfurter Börse: " Glücksspielbude bis auf Weiteres geschlossen ! "

LG,

Charon
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