Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 28. September 2013, 10:59

Neue Behandlungsrichtlinienen für Ts

Auf Anregung der Landesregierung NRW und Initiative der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS) beschäftigt sich eine Gruppe von wissenschaftlichen Fachgesellschaften damit, eine mit der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) abgestimmte Leitlinie zur Geschlechtsdysphorie auszuarbeiten. Die „Standards der Behandlung und Begutachtung von Transsexuellen“ (Becker et al. 1997), auf die Bezug genommen wird, können inzwischen als überholt gelten. In diesen Prozess sollen neben den Fachgesellschaften auch Interessengruppen, die an Diagnostik, Beratung und Behandlung beteiligt sind, einbezogen werden. Die Ausarbeitung der Leitlinien steht noch am Beginn. Im Zuge unserer Diskussionen haben wir allerdings beschlossen, schon zu diesem Zeitpunkt die Erfahrungen, Meinungen und Positionen der Selbsthilfegruppen einzuholen. Zu diesem Zweck werden in verschiedenen Regionen Deutschlands sowie in der Schweiz Anhörungen veranstaltet, in deren Rahmen sich die jeweiligen Selbsthilfegruppen äußern können.

Im Anhang der Vorschlag der AgTs den auch der T- Stammtisch Oberhausen sowie auch div andere Gruppierungen unterstützten.


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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 26. März 2017, 01:46

hr Lieben, endlich ist es soweit, nach 2 Jahren Inkubationszeit liegt nun ein vorläufiges Ergebnis vor.
Der vorläufige Text der neunen Behandlungsleitlinien und insbesondere die wissenschaftlich belegten Befunde und erfahrungsbasierten Empfehlungen zur Trans* Gesundheit sind unter http://www.dgfs.info einsehbar.
Jedoch ist es nur ein bisheriges/vorläufiges Ergebnis und als Entwurf zu betrachten, und daher ist der Text zunächst auch nur vorübergehend online.

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Goldmarie » 26. März 2017, 14:54

Da muss man sich anmelden...
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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 26. März 2017, 17:04

Zu Einsicht nicht, nur zur Anhörung die demächst stattfindet. Und da ist die Teilnehmeranzahl auf die Betreiber der Shg`s die 2013 mitgearbeitet haben,
und daher zu dem Arbeitskreis gehören, nebst "einer"! Begleitperson beschränkt.
Frag doch mal die Zwölfer, viel. gehört die ja auch dazu und braucht noch Verstärkung?

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Charon » 27. März 2017, 01:07

Bin ich nur zu doof zum Suchen oder steht da tatsächlich nur das Alte von 2013 und nichts Aktuelles ?

lg,

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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 27. März 2017, 01:35

Da muss man ein wenig suchen, abs auch nicht direkt gefunden. Aber versuchen wir mal den Direktlink: https://ww3.unipark.de/uc/leitlinie/

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Ach so-vergessen!
Es ist schon die alte Richtlinie, aber entsprechend ergänzt und kommentiert nach neueren Erkenntnissen und Gedanken zur Errstellung der neuen Richtlinie.
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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Goldmarie » 27. März 2017, 01:46

Elviera hat geschrieben:Frag doch mal die Zwölfer, viel. gehört die ja auch dazu und braucht noch Verstärkung?

Das werde ich tunlichst bleiben lassen. Die hat ein paar MitstreiterInnen, die mehr Zeit haben und auch kompetenter sind.

LG
Maria
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Re: Neue Leitlinien für die Behandlung von Ts

Beitragvon Elviera » 2. April 2017, 02:51

Ihr Lieben alle,

am 01. April 2017 (kein Scherz!) war es so weit, die ersten Zwischenergebnisse der Leitlinien sind präsentiert worden und die 2. Anhörung der Ts-Shg`s ist erfolgt, und
nach Aussage Dr. Löwenbergs ist gegen Ende 2017 die Bekanntgabe der Endfassung geplant. Desweiteren ist vorgesehen, auch eine auf das Wesentliche beschränkte Patientenversion herauszugeben, denn der 1. Entwurf der heute präsentiert worden ist, umfasst immerhin 80 Seiten, und das ist als allgemeine Information viel zu umfangreich. Diese Leitlinien im ganzen Umfang sollen auch nach Aussage von Frau Lorenzen den Behandlern, die noch nicht soviel Erfahrung mit TS haben, als Orientierungshilfe an die Hand gegeben werden können.

Anwesend waren ca. 18 Leute und es hat auch keine der sonst üblichen Grabenkämpfe während der Diskussion gegeben, sondern alle Beteiligten haben sachlich ihre Ansichten und Vorstelllungen vorgetragen. Das lag wohl auch an der sehr guten Moderation von Frau Lorenzen und Herrn Hagen Löwenberg. Insgesamt war es dieses Mal unter den Anwesenden ein ganz anderes Niveau als bei der ersten Anhörung.

Ohne auf die Einzelheiten einzugehen, das wären jetzt die nächsten 80 Seiten, kann man zusammenfassend sagen, dass man in weiten Teilen unseren Vorschlägen entsprochen hat. Offenbar haben wir da in eine ganz ähnliche Richtung gedacht, d.h. wir haben die Gesamtlandschaft und die Bedürfnisse der Betroffenen damals schon richtig eingeschätzt.
Schade, dass wir das damals wegen der ewigen Grabenkämpfe unter einem Pseudonym tuen mussten, um von den anderen Gruppen nicht gleich gesteinigt zu werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass angedacht worden ist, die Behandlung in Zukunft individueller und weniger starr zu gestalten, sondern bei der Auswahl der geeigneten Massnahmen mehr Rücksicht auf die jeweilige psychische und soziale Situation der Betroffenen zu nehmen.
Das könnte sich in der Behandlungspraxis so darstellen, dass z.B. für den Beginn der HRT nicht mehr wie bisher das Outing vorrausgesetzt ist.
Auch soll die Ga-Op nicht mehr als der Weisheit letzter Schluss und als erklärtes Ziel von Anfang an am Ende der Behandlung stehen, sondern es ist vorgesehen zu prüfen, wie sich die Landschaft des Betroffenen so darstellt, und ob nicht andere Massnahmen geeigneter sind.
Im Idealfalle hiesse das u. U. auch, dass die Genehmigung zur Epilatation nicht mehr wie bisher an die Ga-Op gebunden sein wird, sondern auch ganz am Anfang, z,B. mit dem Beginn der HRT stehen könnte.
Oder dass die Mastektomie je nach dem wie die soziale Situation es erforderlich macht, so es sinnvoll erscheint vorverlegt werden könnte. Die Überlegung dabei ist, dass damit das Spiessrutenlaufen nach dem Outing eingegrenzt werden kann und die Wogen, die so ein Outing immer hochschlägt, sich schneller wieder glätten, auch weil von Anfang an ein besseres Passing vorliegt.

Damit sich das alles so umsetzen lässt, ist eigentlich nicht zu rechnen und wenn eines gewiss ist, dann ist es die Tatsache, dass es mit den Kostenträgern wohl ein gewaltiges Hauen und Stechen geben wird.
Aber mein Eindruck von der Veranstaltung ist, dass es auch gar nicht vorgesehen ist, das gleich 1:1 umzusetzen, sondern es zunächst darum geht Flagge zu zeigen und den Stand der Wissenschaft von 2017 klar und unzweideutig zu formulieren, woraus sich dann als logische Konsequenz ergibt, dass die bisherigen Behandlungsrichtlinien nicht mehr zeitgemäss sind.
Längerfristig gesehen wird sich dann auch die Politik irgendwann dieser Tatsache stellen und dann natürlich auch entsprechend reagieren müssen.

Es geht meiner Meinung nach also auch darum einen Stein loszutreten, damit die derzeit völlig starren Behandlungrichtlinien und Behandlungsweisen, an deren Ende so gut wie immer die Op als praktisch unausweichlich (scheinbar) vorgesehen ist, von den behandelnden Ärzten und Psychologen überdacht wird, und im Rahmen des Möglichen, vor allen Dingen aber im Sinne des Patienten, die individuellen Massnahmen herrausgearbeitet werden können.
Ich denke, dass längerfristig gesehen auch die Kostenträger sich vielen Tatsachen dann irgendwann auch nicht mehr völlig verschliessen können, denn, ich wage mal die Prognose, würde wesentlich weniger häufig zum Skalpell gegriffen werden (müssen), was ja auch Kosten spart.
Aber das ist Zukunftsmusik, und bei dem Stichwort Zukunft denke ich über einen Zeitraum von viell. 20 Jahren nach.

Wichtig jedoch ist zunächst , dass der Stein überhaupt losgetreten wird, dass so eine Entwicklung überhaupt erst in Gang kommen kann.
Und unbestreitbare Tatsache ist ja ausserdem, dass die bisherigen Behandlungsrichtlinien eher zu den 80er Jahren passen und das eine kritische Auseinandersetzung damit längst überfällig ist. Auch weil der Stand der Wissenschaft inzwischen ein ganz Anderer ist als damals, woraus es sich ergibt, dass den wirklichen Bedürfnissen der Betroffenen eigentlich gar nicht mehr entsprochen werden kann, weil Erkenntnisse, die man heute hat, damals als die bisherigen Richtinien entwickelt worden sind, noch gar nicht vorlagen.

Mit der von uns angeregten sozialpädagogischen Begleitung zur besseren und einfacheren Neusozialisierung im Wunschgeschlecht allerdings sieht es schlecht aus, denn auch bei längerem Nachdenken lässt sich kein Kostenträger dafür finden.

Doch wie auch immer, ich denke, dass wir mit dem bisherigen Ergebnis recht zufrieden sein können, und ich meine, dass wir das so wie es ist auch weiterhin unterstützen, auch im Hinblick darauf, dass eine ultimative Lösung aller Probleme sowieso nicht im Bereich des Möglichen ist.
Aber ich bin überzeugt, dass nun ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung gemacht worden ist, und auch, wenn dieser Schritt im Moment noch zu gross und damit hier und da ein wenig unrealistisch erscheint, besonders mit Blick auf die Kostenträger, so ist es aber in jedem Falle die richtige Richtung in die es nun geht.

Den Rest wird und muss die Zukunft zeigen, und auch bringen.

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